Gut zu wissen

Was können Vorausberechnungen?

Diese Voraus­berechnung stellt die Wirkung demo­gra­phischer Pro­zesse dar. Dazu definiert sie ver­schie­dene Annahmen und berechnet auf deren Grund­lage vier Mög­lich­keiten der Be­völker­ungs­ent­wicklung in Bielefeld. Die so­ge­nannte Null­variante basiert allein auf der Fort­schrei­bung natür­licher Bewe­gungen, den Geburten und Ster­be­fällen. Drei weitere Varianten legen Wan­der­ungen inner­halb der Stadt und über die Gemeinde­grenze hinaus zugrunde. Dabei bilden die untere und obere Variante einen Korridor dafür, wie sich die Bevölker­ungs­zahl bei Hoch­rech­nung der Annahmen ent­wickeln könnte. Die Vor­aus­berech­nung orient­iert sich allein an Geburten-, Sterb­lich­keits- und Wan­der­ungs­zahlen.

Solche Voraus­berech­nungen können nicht alle Faktoren berück­sicht­igen, die sich auf die Be­völ­ke­rungs­ent­wick­lung aus­wirken. Sie liefern jedoch wichtige Er­kennt­nisse darüber, wie sich Be­völ­ker­ungs­gruppen unter be­stimm­ten Vor­aus­setz­ungen ent­wickeln können. In die Inter­pre­tation der Er­geb­nisse sind jeweils aktu­elle Ent­wick­lungen ein­zu­be­ziehen, z.B. die polit­ische und wirt­schaft­liche Ent­wick­lung anderer Länder. Ver­gleiche älterer Vor­aus­be­rech­nungen mit den dann ein­getretenen Be­völ­ker­ungs­ent­wick­lungen ergeben meist Abweich­ungen, die auf nicht ab­seh­bare Faktoren zurück­zu­führen sind. Solchen Vor­aus­be­rech­nungen liegt eine Wenn-Dann-Berechnung als Modell zugrunde. Abweich­ungen ent­stehen also, wenn sich künftige Geburten-, Sterbe­fall- oder Wan­der­ungs­zahlen anders ver­ändern als vor­aus­gesetzt.

Diese Vor­aus­berech­nung wurde mit der kommunal­sta­tis­tischen Anwendung SIKURS erstellt.

Annahmen

Lebendgeborene

Für Lebend­ge­bo­rene sind die Basis­jahre 2012 bis 2015 zu­grunde gelegt. Die Raten sind nach Stadt­be­zirken dif­fe­ren­ziert, da sie sich dort unter­scheiden – etwa im Anteil an Single­haus­halten oder dem von deutschen und aus­län­dischen Frauen – und dadurch das Gebur­ten­ver­halten be­ein­flussen. Dies wird für die Vor­aus­be­rech­nung je Stadt­bezirk als konstant an­ge­nommen – eine Annahme, die auch der letzten Vor­aus­be­rech­nung von IT.NRW zugrunde liegt.

Sterbefälle

Bei den Sterbe­fällen werden die Zahlen der Jahre 2013 bis 2015 ver­wen­det und dabei vor­aus­ge­setzt, dass die land­es­weiten An­nahmen der Vor­aus­berech­nung IT.NRW auch auf Bielefeld zu­treffen. Bis 2045 steigt für neu­ge­borene Jungen die Lebens­er­wart­ung um 4,2 Jahre (ins­gesamt: 82,6 Jahre) und für neu­ge­borene Mäd­chen um 3,2 Jahre (ins­ge­samt: 86,4 Jahre).

Wanderungen

Alle Zuzüge nach Biele­feld wurden nach Außen­typ (Aus­land, NRW, übrige Bund­es­länder) mittels Quoten auf Ge­schlecht­er, Alters­gruppen und Stadt­be­zirke auf­ge­teilt und dazu inner- und außer­städ­tische Wander­ungs­raten er­mittelt. Den inner­städ­tisch zu er­wart­enden Raten liegen die Basis­jahre 2012 bis 2015 zu­grunde. Alters- und ge­schlechts­spe­zifische Fort­zugs­raten wurden aus den Basis­jahren 2012 bis 2015 er­rech­net und bis 2045 als kon­stant vor­aus­ge­setzt.

Ausführungen zu außerstädtischen Wanderungen folgen im Abschnitt zu den Varianten.

Daten zu Lebendgeborenen, Sterbefällen und Wanderungen sind als Download verfügbar.

Varianten mit verschiedenen Szenarien

Da die zukünf­tige Wan­derungs­ent­wick­lung un­be­kannt ist, werden ver­schie­dene Sze­narien von Zu- und Fort­zügen, soge­nannte Varian­ten, an­ge­nommen und fort­ge­schrie­ben. Der Bevöl­ker­ungs­vor­aus­berech­nung liegen vier Varianten zu­grunde, die sich in ihren Aus­sagen über Wan­der­ungs­ge­winne unter­scheiden.

Die obere Variante geht opti­mis­tisch von anhal­tend hohen Wan­der­ungs­ge­winnen aus. Die mittlere Variante kommt zu mittleren Wan­derungs­ge­winnen. Sie setzt eine Anpassung ans Durch­schnitts­niveau voraus, ohne das Jahr 2015. Die untere Variante erwartet eine schnellere Anpassung an lang­fristige Durch­schnitts­werte mit geringen Wan­derungs­gewinnen. Die Null­variante schließ­lich stellt die theo­retische Variante ohne Wan­derungen dar.

Die drei Varianten mit Wan­der­ungen unter­scheiden Wan­der­ungs­typen und zeit­liche Ent­wick­lungen der Wan­der­ungs­zahlen bis zum Jahr 2045 zwischen a) Ausland, b) NRW und c) den übrigen Bundes­ländern. Nach­folgend ist der Wan­der­ungs­saldo vere­in­facht abge­bildet, die Unter­schiede beruhen auf den Zuzügen. Die Fort­zugs­raten ins Aus­land, inner­halb NRWs und der übrigen Bundes­länder bleiben konstant, bezogen auf die alters- und ge­schlechts­spe­zifische Ent­wicklung der Be­völker­ungs­struktur. Das ist sinn­voll, weil Zu­wan­der­ung auch das Ab­wan­derungs­poten­zial beein­flusst und die Aus­wirk­ungen einer ver­änderten Zu­wan­der­ung zu berechnen sind.

Außentyp: Ausland

Die Annahmen zu Auslandswanderungen von und nach Bielefeld setzen immer Wanderungsgewinne voraus, die sich im Zeitverlauf je nach Variante unterschiedlich verringern.

Annahmen zum Wanderungssaldo – Außentyp Ausland:
Variante Kurz­frist­ige Annahme des Wan­der­ungs­saldos Annahme des Wan­der­ungs­saldos bis 2045
untere Bis 2017: Rück­gang auf den Durch­schnitt Jahre 1995-2015 Rück­gang auf den lang­frist­igen Durch­schnitt der Jahre 1995-2011 ohne die letzten vier Jahre mit hoher Zuwan­derung
mittlere Bis 2017: Rück­gang auf den Durch­schnitt der Jahre 2010-2014 Rück­gang auf den Durch­schnitt der Jahre 1995-2015
obere Rück­gang auf den Durch­schnitt der letzten sechs Jahre (2010-2015) bis 2017 und dann kon­stant bis 2025 Rück­gang auf den Durch­schnitt der Jahre 1995-2015
Hinweis: Der Rückgang zwischen den Zeitpunkten wird als linear angenommen.

Außentyp: NRW

Die Annahmen zu Wanderungen innerhalb NRWs von und nach Bielefeld setzen immer Wanderungsgewinne voraus, die sich im Zeitverlauf je nach Variante bis 2045 unterschiedlich entwickeln.

Annahmen zum Wanderungssaldo – Außentyp NRW:
Variante Kurz­frist­ige Annahme des Wan­der­ungs­saldos Annahme des Wan­der­ungs­saldos bis 2045
untere Bis 2025: Anstieg auf den Durch­schnitt 2010-2015 Rück­gang auf den Durch­schnitt der Jahre 1995-2015
mittlere Bis 2025: Anstieg auf den Durch­schnitt 2010-2014 Konstant blei­bende Wan­der­ungs­ge­winne auf dem Niveau des Durch­schnitts von 2010-2014
obere Anstieg auf den Durch­schnitt 2010-2014 bis 2016 und bis 2025 weiterer An­stieg auf den bis­herigen Höchst­wert im Jahr 2013 Konstant hohes Niveau der Wan­der­ungs­ge­winne (wie Höchst­wert des Jahres 2013)
Hinweis: Der Rückgang bzw. Anstieg zwischen den Zeitpunkten wird als linear angenommen.

Außentyp: Wanderung mit den übrigen Bundesländern

Die Annahmen zu Wanderungen mit den übrigen Bundesländern von und nach Bielefeld gehen erst von Wanderungsgewinnen und später Wanderungsverlusten aus, die sich im Zeitverlauf je nach Variante bis 2045 unterschiedlich verändern.

Variante Kurz­frist­ige Annahme des Wan­der­ungs­saldos Annahme des Wan­der­ungs­saldos bis 2045
untere Bis 2020: Rück­gang auf den Durch­schnitt 2010-2015 Konstante Wan­der­ungs­ver­luste auf dem Niveau des Durch­schnitts von 2010-2015
mittlere Bis 2025: Rück­gang auf den Durch­schnitt 2010-2015 Konstante Wan­der­ungs­ver­luste auf dem Niveau des Durchs­chnitts von 2010-2015
obere Bis 2025: Rück­gang auf den Durch­schnitt der Jahre 1995-2015 Rück­gang auf den Durch­schnitt 2010-2015
Hinweis: Der Rückgang zwischen den Zeitpunkten wird als linear angenommen.

Daten zu den Wanderungen nach Außentypen für die Jahre der Vorausberechnung sind als Download verfügbar.