Rolf-Wagner-Haus

Stadtbezirk Senne


Das Rolf-Wagner-Haus (RWH) ist eine Erziehungshilfeeinrichtung, die sich in der Trägerschaft der Stadt Bielefeld befindet. In der Einrichtung können bis zu 16 männliche Jugendliche betreut werden. Diese Plätze verteilen sich auf eine 9er- und eine 5er- Wohngruppe sowie eine integrierte Inobhutnahme mit zwei Plätzen.

Die Jugendlichen leben auf einem Bauernhof. Pferde, Kühe, Schweine, Hühner und Schafe werden zusammen von den Jugendlichen und den pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern versorgt, Ackerfelder, Weiden und Wälder gemeinsam bewirtschaftet.

Das RWH liegt am Stadtrand im Stadtbezirk Bielefeld-Senne. Schulen, Ausbildungsstätten, Innenstadt usw. sind mit Bus und Straßenbahn sind gut erreichbar.


Lage und Ausstattung

Auf dem weitläufigen Gelände liegen das Haupthaus, ein weiteres Wohngruppenhaus, ein Verwaltungs- und Schulgebäude, Stallungen für Hoftiere sowie eine Holz-, Metall-, und Töpferwerkstatt.
Im Haupthaus, in dem sich die 9er-Gruppe befindet, gibt es neun Jungenzimmer, zwei Zimmer für die Inobhutnahme, Ess-, Aufenthalts-, Küchen und Sanitärbereiche sowie Büro-/Bereitschaftszimmer. In dem 5er- Wohngruppenhaus gibt es neben den fünf Jungenzimmern, Sanitär- und Küchenbereiche und ein Büro-/Bereitschaftszimmer. Im Verwaltungs- und Schulgebäude stehen Räume für die Hausaufgabenbetreuung, Dienstbesprechung und Elterngespräche zur Verfügung.
Auf dem Freigelände befinden sich unter anderem ein Fußballplatz, ein Schwimmbecken und eine Pferdekoppel mit Reitplatz sowie Scheunen für Heu und Stroh.


Personelle Ausstattung

Das pädagogische Team setzt sich aus Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Erzieherinnen und Erziehern, Arbeitspädagogen, Agraringenieuren und Berufspraktikantinnen und Berufspraktikanten zusammen.
Unterstützt wird das pädagogische Team durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Freiwilligen Sozialen Jahr und im Bundesfreiwilligendienst.
Es wird eine 24-Std.-Betreuung an sieben Tagen der Woche gewährleistet. In den Kernbereichen stehen bis zu vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Gruppen- und Einzelbetreuungen, Schularbeitenhilfe, Arbeits- und Reitpädagogik, Projekte und Freizeitangebote, zur Verfügung.


Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an männliche Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren mit ihren individuellen Erziehungs- und Sozialisationsdefiziten. Das von der Einrichtung vorgehaltene Angebot richtet sich speziell an nicht beschulbare Jugendliche, sowie an jene, die den herkömmlichen Angeboten von Arbeit und Ausbildung (noch) nicht gewachsen sind. So werden in der Landwirtschaft (Milch- und Fleischerzeugung, Ackerwirtschaft) Jungen an die regelmäßigen Tagesabläufe herangeführt. In diesem überschaubaren und behüteten Rahmen werden Kontinuität und Arbeitsfähigkeit trainiert. In intensiver Betreuung (bis 1:1) lernen die Jungen, Verantwortung zu übernehmen und ein neues Selbstwertgefühl zu entwickeln. Das Ziel ist die (Wieder-) Erlangung einer Schul- und Ausbildungsfähigkeit.



Pädagogische Zielsetzung

Der pädagogische Auftrag lautet, die Jugendlichen zu einer selbstverantwortlichen Lebensführung zu motivieren und zu befähigen. Im RWH lernen sie, ihre Bedürfnisse und Interessen zu erkennen und in sozial akzeptierter Art und Weise leben zu können.
In dem geschützten Rahmen des RWH können die Jugendlichen unter Anleitung der pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre gewohnten Verhaltensmuster überprüfen, um neue individuelle Bedürfnisse und Ziele zu entwickeln und zu testen.
Die im RWH bestehenden Grundsätze und Ziele können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Entlastung des Jungen und der Herkunftsfamilie, um Distanz zu belastenden Situationen und Erlebnissen zu gewinnen
  • Aufarbeitung der Lebensgeschichte, Klärung und eine Verbesserung der Beziehung zur Herkunftsfamilie
  • das Erlernen von Beziehungs-, Konflikt-, Integrations- und Abgrenzungsfähigkeiten im Rahmen von gesellschaftlichen anerkannten Normen und Werten
  • Verselbständigung, Rückkehr in die Herkunftsfamilie, Förderung sozialer Kompetenzen und eines positiven Lebensgefühls
  • die Entwicklung eines bewussteren Umgangs mit dem eigenen Körper, der eigenen Sexualität und einer individuellen Geschlechterrollenidentität
  • das Erlernen von Verantwortung für sich und andere zu übernehmen
  • die Förderung einer generellen Lern- und Arbeitsfähigkeit
  • Psychische Stabilität sowie Straffreiheit und Drogenabstinenz

Jugendliche suchen nach Vorbildern. Das pädagogische Team ist sich dieser Modellfunktion bewusst. Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit, Einschätzbarkeit und angemessene Konfrontation sind grundlegende Prinzipien der Pädagogik. Viele Jugendliche wachsen in sozialen Verhältnissen auf, die durch Vernachlässigung oder Verwöhnung und einem Defizit an Berechenbarkeit und Vorhersehbarkeit gekennzeichnet sind. Vor diesem Hintergrund besitzen klare und eindeutige Orientierungen eine immense Bedeutung. Das Regelwerk und die Pädagogen des RWH stellen für die Jugendlichen einen klaren und eindeutigen normativen Rahmen dar.

Das RWH bietet mit seinen unterschiedlichen Arbeitsbereichen (Landwirtschaft und Technik, Tierhaltung und Abenteuer, Hauswirtschaft und Disziplin) ein vielfältiges Lernfeld für den Erwerb bzw. das Erlernen und Trainieren lebenspraktischer Tätigkeiten. Da das Arbeitsergebnis unmittelbar sichtbar ist, gibt es ein direktes, konkret erfahrbares Feedback auf das eigene Handeln. Dieser unmittelbare Zusammenhang ermöglicht Erfolgserlebnisse und stärkt das Selbstbewusstsein.

In Zeiten zunehmender Individualisierung wird ganz bewusst auf das Lernfeld der Gruppe gesetzt. Die Jungen sollen Selbständigkeit und Eigenverantwortung in der Gemeinschaft erlernen. Die Gruppe gibt Halt und fordert heraus. Miteinander konfrontiert zu sein trainiert die Abgrenzungsfähigkeit, fördert die Beziehungsfähigkeit, ist Kontrollinstanz und öffnet den Blick für die Verantwortung.

Die Klärung der Beziehungen in der Herkunftsfamilie als Bestandteil der eigenen Biografie ist Voraussetzung für eine positive Entwicklung des Jugendlichen. In der Elternarbeit wird das Ziel verfolgt, tragfähige Beziehungen der Jugendlichen zu ihren Eltern aufzubauen bzw. aufrecht zu erhalten. Elternarbeit umfasst: Elterngespräche, Elternberatung, Hausbesuche und kontinuierlicher Informationsaustauch und gemeinsame Absprachenregelungen.

Rechtsgrundlagen

Die pädagogische Arbeit und Zielbeschreibung im Rolf-Wagner-Haus basiert auf folgenden gesetzlichen Grundlagen:
§ 27 SGB VIII (KJHG): Hilfe zur Erziehung
§ 34 SGB VIII (KJHG): Heimerziehung
§ 41 SGB VIII (KJHG): Hilfe für junge Volljährige
§ 42 SGB VIII (KJHG): Inobhutnahme


Kontakt

Senner Hellweg 151
33659 Bielefeld
Tel. 0521 51-3827
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