16. Januar 1974: Der Stadtrat entscheidet sich gegen den Abriss der Ravensberger Spinnerei
von Bernd J. Wagner, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld
„Die Ravensberger Spinnerei stellt [...] ein Industriedenkmal von europäischem Rang dar. Eingebettet in den rekonstruierten Park ist sie heute zugleich ein eindrucksvolles Beispiel für die geglückte Umnutzung eines historischen Industrieareals.” Mit diesen Worten würdigt Dr. Gerhard Renda vom Historischen Museum der Stadt Bielefeld einen Gebäude- und Parkkomplex, der vor 35 Jahren beinahe für eine innerstädtische Umgehungsstraße und einen modernen Verwaltungszweckbau geopfert worden wäre. Das „Industriedenkmal von europäischem Rang” wurde in den frühen 1970er Jahren von den einen als Bauruine, trotzig als „Arbeiterzwingburg” oder schlicht und einfach als „das Ding” bezeichnet, das weg müsse, während andere voller Ehrfurcht von einem „Fabrikschloß” sprachen. Rückblickend betrachtet, ist es ein Glücksfall in der Bielefelder Geschichte, dass die Entscheidung über die Zukunft des Spinnereiareals nicht fünf oder zehn Jahre früher getroffen werden musste. Ein Abriss ohne Protest und wahrscheinlich auch fern jeglichen Bevölkerungsinteresses wäre die Folge gewesen.
Das Gelände der zwischen Heeper und Bleichstraße gelegenen Ravensberger Spinnerei geriet das erste Mal 1950/52 in das Interesse der städtischen Planung. Vor dem Hintergrund prognostizierter Entwicklungen des Individualverkehrs, die schon in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg für jeden sichtbar auf dem Jahnplatz zu beobachten waren, wo der Straßenverkehr tagtäglich zum Erliegen kam, gingen die Stadtplaner davon aus, mit einem innerstädtischen Stadtring den Verkehr entlasten zu können: Über die Teutoburger und Walther-Rathenau-Straße sollte die Detmolder mit der Herforder Straße verbunden werden.
Von einer konkreten Planung wurde aber zunächst Abstand genommen, weil die Direktion der Spinnerei befürchtete, „daß eine zu große Straßenbelastung die Gebäudefestigkeit beeinträchtigen könnte”. Überdies zog die Firma einen möglichen Grundstücksverkauf nicht in Betracht. Ungeachtet dessen sprach sich der Verkehrs-, Bau- und Hauptausschuss 1962 für die Verlängerung der Teutoburger Straße „in gerader Linie” aus, wenn die Situation auf dem Gelände der Ravensberger Spinnerei diese zuließe.
Das Gelände der zwischen Heeper und Bleichstraße gelegenen Ravensberger Spinnerei geriet das erste Mal 1950/52 in das Interesse der städtischen Planung. Vor dem Hintergrund prognostizierter Entwicklungen des Individualverkehrs, die schon in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg für jeden sichtbar auf dem Jahnplatz zu beobachten waren, wo der Straßenverkehr tagtäglich zum Erliegen kam, gingen die Stadtplaner davon aus, mit einem innerstädtischen Stadtring den Verkehr entlasten zu können: Über die Teutoburger und Walther-Rathenau-Straße sollte die Detmolder mit der Herforder Straße verbunden werden.
Von einer konkreten Planung wurde aber zunächst Abstand genommen, weil die Direktion der Spinnerei befürchtete, „daß eine zu große Straßenbelastung die Gebäudefestigkeit beeinträchtigen könnte”. Überdies zog die Firma einen möglichen Grundstücksverkauf nicht in Betracht. Ungeachtet dessen sprach sich der Verkehrs-, Bau- und Hauptausschuss 1962 für die Verlängerung der Teutoburger Straße „in gerader Linie” aus, wenn die Situation auf dem Gelände der Ravensberger Spinnerei diese zuließe.





