
Während sich die Turngemeinde bereit erklärte, für ein gut ausgebildetes, hierarchisch gegliedertes Freuerwehrcorps zu sorgen, war sie nicht in der Lage, „die nöthigen Mittel zur Beschaffung eines möglichst vollständigen Feuerlösch- und Rettungs-Apparates” selbst aufzubringen. Unterstützung sei von den Agenturen der in Bielefeld vertretenen Feuerversicherungsgesellschaften zu erwarten, teilte der Verein mit, ein darüber hinausgehender städtischer Zuschuss sei aber unumgänglich und angesichts der Leistungen, die die Turnerfeuerwehr für die Stadt erbringen wolle, auch zu rechtfertigen. Der Magistrat sagte seine Unterstützung zu, und vier Monate später, am 30. Mai 1860, genehmigte die Mindener Bezirksregierung die Statuten. Die Arbeit der Turnerfeuerwehr konnte beginnen.
Im Unterschied zu den Handwerker-Compagnien trafen sich die 30 bis 50 Mitglieder der Turnerfeuerwehr bis zu drei Mal im Monat, um für den Ernstfall zu trainieren. Diese Übungen hoben nicht nur die Qualifikation des städtischen Löschwesens, sie zeigten auch erhebliche Mängel der technischen Geräte auf. Im Sommer 1864 wies Maurermeister Heinrich Bruno, der Hauptmann der Turnerfeuerwehr war, darauf hin, dass bei „dem vor wenigen Tagen unternommenen Exercitium” die Spritze „zeitweise den Dienst” versagte, ohne dass ein Grund erkennbar gewesen wäre. Andererseits sei allseits bekannt, dass „dieselbe wirklich die älteste, schwerste und am wenigsten brauchbare Sprütze der Stadt” sei. Der Kauf einer modernen, wesentlich leichteren Spritze sei unbedingt erforderlich. Da zudem auch mit geliehenen Wassereimern geübt werden müsse, konnte nach Heinrich Bruno auch die Motivation der Turner-Feuerwehr darunter leiden: „Man verliert die Lust dazu, wenn man mit unzuverlässigen Geräthen arbeiten soll”.
Dem Magistrat waren die Hände gebunden, weil der Stadt „in der allernächsten Zeit so bedeutende, unumgängliche Ausgaben” bevorstanden und daher an den Kauf einer modernen „Saug- und Druckspritze” gar nicht zu denken war. Zudem hatte sich bei einer von der Stadt veranlassten Prüfung ergeben, dass die Spritze, die 1860 „mit einem bedeutenden Kosten-Aufwande für die Turner-Feuerwehr in Stand gesetzt” worden war, sich „im guten Zustande” befand. Überhaupt hatte die Stadt das Inventar der Turnerfeuerwehr jährlich verbessert, so zum Beispiel 1863 mit einem neuen Flankierrohr und weiteren „100 Fuß Schlauch”, aber auch mit leichteren Leitern für die Steigerabteilung. Als aber „wiederholte und rasch aufeinanderfolgende Feuersbrünste […] sogar mannigfache Mängel” aufdeckten, musste die Stadt die nun auch von den Zeitungen geforderten Investitionen vornehmen, an denen sich auch die Feuerversicherungsgesellschaften mit einem Obolus beteiligten.
Die in den 1860er Jahren verstärkt einsetzende Besiedelung der Feldmark deckte weitere Mängel im Feuerlöschwesen auf. Die Brandwach- und Handwerker-Compagnien waren nicht immer in der Lage, außerhalb der Stadt gelegene Brandherde rechtzeitig zu erreichen, zumal viele Straßen und Wege noch nicht befestigt waren und sich daher die Feuerspritzen und Wasserkübel nur recht schwer bewegen ließen. 1866 gründete die Stadt ein neues Feuerwehrcorps, „dessen Mannschaften für ihre Leistungen eine festgesetzte Vergütung” erhielten. In sieben Abteilungen waren rund 140 Männer zusammengefasst, die für die einzelnen Kantone verantwortlich waren. Die Turnerfeuerwehr war bei größeren Bränden aber weiterhin gefragt.