
Schon mit der Inbetriebnahme der Köln-Mindener Eisenbahn 1847 hatte Bielefeld mit einem Bahnhof den Anschluss an das neue Verkehrsmittel erhalten, allerdings nur als Durchgangsstation. Die parallel zur Streckeneröffnung einsetzende Industrialisierung zeigte auch in Bielefeld und Umgebung seine Auswirkungen. Mit dem steten Anstieg von Arbeitsplätzen war ein schnelles Anwachsen der Bevölkerung in der Stadt einhergegangen. So erkannte Franz von Ditfurth in seiner Funktion als Landrat 1893 die Wichtigkeit der Bahn für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Er verfolgte, zusammen mit seinem Kollegen Georg von Borries aus Herford, das Ziel eines eng gestrickten Streckennetzes. Aber nicht alle Planungen konnten umgesetzt werden. Ausgeführt wurden die Strecken Enger – Herford – Salzuflen – Vlotho unter der Regie der Herforder Kleinbahnen und Bielefeld – Enger/Schildesche – Werther sowie Bielefeld – Heepen – Eckendorf unter der Federführung des Kreises Bielefeld. Die Verbindung zwischen Halle und Borgholzhausen stand nicht mehr zur Debatte. Die für später geplante Nebenstrecke Brackwede – Osnabrück sollte diesen Bereich dann mit bedienen.
Ende 1897 fasste der Kreistag in Bielefeld den Beschluss, die Bahn mit einer Spurbreite von 600 mm zu bauen, die sich am Herforder Modell orientierte. Mit dem Bau konnte aber nicht sofort begonnen werden, da das dafür benötigte Land im Besitz einiger Landwirte war, die sich weigerten, es an den Kreis abzutreten. Die Verhandlungen verliefen zäh und langwierig. Im Zuge dessen entstand ein weiteres Problem. In Herford stritt man indessen darum, welche Spurbreite nun wirklich realisiert werden sollte, die 600 mm oder die 1000 mm. Herford entschloss sich für die zweite Variante. Das brachte wiederum den Kreis Bielefeld in arge Not, waren doch längst die Aufträge zum Bau von Lokomotiven und Waggons erteilt. Da der Bahnhof in Enger sowohl von der Herforder als auch von der Bielefelder Bahn betrieben werden sollte, war also eine einheitliche Spur notwendig. So zog der Kreis Bielefeld nach und stornierte alle seine Aufträge. Am 7. August 1900 gab auch der Regierungspräsident in Minden „grünes Licht”. Die einheitliche Spurbreite war auch der Anlass, die Bahnen unter gemeinsamer Betriebsdirektion zu führen. Die Leitung übernahm Leonhard Frydrychowicz. Ihm zur Seite wurde als Geschäftsführer der Bankdirektor Horstmann gestellt. Unterschiedlich blieben allein die Finanzierungsmodelle. Die Bielefelder Bahn unterhielt der Kreis, die Herforder Bahn wurde als GmbH geführt.
Eigentlich sollte Enger als Schnittpunkt beider Bahnen Sitz der Betriebsdirektion werden. Die Stadt weigerte sich aber, ein Grundstück für das notwendige Verwaltungsgebäude zu stellen. Auch an den Kosten dafür wollte sie sich nicht beteiligen. Nachdem keine Einigung erzielt werden konnte, wurde die Verwaltung nach Herford verlegt.
Während der gesamten Bauzeit fungierte Direktor Frydrychowicz als Bauleiter. Die
Wahl auf ihn fiel nicht unabsichtlich, war er doch zuvor Verkehrsinspektor und Betriebskontrolleur bei der Mecklenburg-Pommerschen Schmalspurbahn gewesen, wo er wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Bis zu seinem Ruhestand am 1. Oktober 1914 erwarb sich Frydrychowicz als Direktor der beiden westfälischen Kleinbahnen ebenfalls große Verdienste. Der gesamte Bau verschlang drei Millionen Mark.