5. Februar 1954: Einweihung des Kreishauses an der August-Bebel-Straße

von Dagmar Giesecke, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek
„Wir beehren uns, Sie zu der am Freitag, dem 5. Februar 1954, nachmittags 16 Uhr, stattfindenden feierlichen Einweihung des Kreishauses des Landkreises Bielefeld, Bielefeld, August-Bebel-Straße, ergebenst einzuladen”, mit diesen Worten verschickte der Oberkreisdirektor Helmut Schütz am 29. Januar 1954 die Einladungen zur Eröffnung des neuen Kreishauses. Die Einladungsliste umfasste mehr als 160 Institutionen und Personen.


Postkarte Bielefeld - Kesselbrink
1891 war das erste Kreishaus am Kesselbrink (August-Bebel-Straße 91 / Am Kreishaus 1), in dem auch der Landrat sein Domizil hatte, eingeweiht worden. Schon 1906 sollte ein Erweiterungsbau realisiert werden. Proteste formierten sich, konnten aber das Projekt nicht aufhalten. Trotzdem reichte der Platz nicht und im Laufe der Jahre entstanden mit den Gebäuden Am Kreishaus 3, Kavalleriestraße 13, August-Bebel-Straße 97 und 113 immer weitere Außenstellen. Dazu kam noch das Haus in der Wiesenstraße 8, in dem auch Beamte und Angestellte wohnten. Der schwerste Bombenangriff auf Bielefeld im September 1944 zerstörte auch das Kreishaus und dessen Außenstellen. Der Aufbau einer neuen Kreisverwaltung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges schritt schnell voran, führte aber zu großen räumlichen Problemen. Provisorische Räumlichkeiten zur Ausübung der Verwaltungstätigkeiten wurden1946 u. a. in der Wiesenstraße 8 mit der Hauptverwaltung, in der Kavalleriestraße 13 mit der Sozialverwaltung, dem Kreiskulturbauamt und dem Kreisbauamt und in der Uhlandstraße 13 mit dem Kreisgesundheitsamt eingerichtet. In einer Baracke, ebenfalls in der Wiesenstraße 8, befanden sich das Kreiswohnungs- und Flüchtlingsamt sowie das Straßenverkehrsamt. Aber auch in Brackwede und Gadderbaum musste die Kreisverwaltung Räume anmieten.
Im selben Jahr dachte der Kreis über einen Neubau nach, beschloss diesen aber erst 1949 in einer Kreistagssitzung. Weitere fünf Jahre mussten bis zur Fertigstellung vergehen. Vorrangig sollte erst einmal die unbeschreibliche Wohnungsnot gelindert werden. Am 28. Juli 1949 berichtete dann auch die Westfalen-Zeitung vom Abriss des zerstörten Kreishauses: „Das schöne alte Bielefelder Kreishaus am Kesselbrink, […] war lange Zeit eine Gefahr für den Verkehr über die August-Bebel-Straße. Vor längerer Zeit wurde darum schon ein Giebel zum Einsturz gebracht. Jetzt wurde die gesamte Ruine abgetragen, weil die August-Bebel-Straße zwischen Heeper Straße und Wiesenstraße verbreitert werden soll.”

Bildbeschreibung

Blick auf die Ostseite des Kesselbrinks mit Kreishaus, in dem auch das Landratsamt war, 1930. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-1161-036


Nach dem Kreistagsbeschluss 1949 war ein detailliertes Raumprogramm für das Kreishaus erarbeitet worden. So sollte ausreichend Platz für den Kreistag mit entsprechenden Sitzungssälen vorhanden sein und die gesamte Kreisverwaltung u. a. mit dem Sozialamt, dem Gesundheitsamt, dem Kreisbauamt, dem Ernährungsamt, dem Wirtschaftsamt und dem Kulturbauamt untergebracht werden. Darüber hinaus natürlich auch die Krankentransport-Fahrdienstbereitschaft und Dienstwohnungen für dauernd benötigtes Personal (z. B. Hausmeister). Die Gesamtkosten beliefen sich auf knapp 1,4 DM. Später wurde von einer Summe zwischen 2,5 – 3 Millionen DM gesprochen. Hinzu kamen weitere finanzielle Belastungen für die Nebenanlagen. „Im Falle eines Neubaus aber würden etwa 400 qm Wohnraum im Gebäude Wiesenstraße 8 wieder den Wohnzwecken zugeführt werden können, denen sie entfremdet waren und außerdem stünde das Haus Cavallerie-Str. 13 zur Vermietung als Bürohaus zur Verfügung und der durch die Aufnahme der eingegliederten Sonderbehörden und neuen Dienststellen entstandene Mehrbedarf an Büroraum ist dabei ebenfalls gedeckt.”
Aber auch die Stadt Bielefeld musste den Neubau des Kreishauses absegnen. In einer eingehenden Beratung am 3. November 1949, an der auch der Oberbürgermeister Artur Ladebeck, der Stadtkämmerer Johannes C. Karlmeyer und der Oberkreisdirektor Schütz teilnahmen, erklärte sich die Stadt einverstanden. Ein dafür notwendiger Flächentausch zwischen Kreis und Stadt am Kesselbrink wurde diskutiert. Der Kreis war bereit, ca. 3 500 qm an die Stadt abzutreten, um dafür ca. 6 500 qm am Kesselbrink zu erhalten.


Bildbeschreibung

Das Kreishaus am Kesselbrink kurz nach dem Bombenangriff, 1944. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-329-002


Oberkreisdirektor Helmut Schütz (rechts) und Landrat Franz Specht
In einem Aktenvermerk hielt Landrat Franz Specht fest: „Auf Grund dieses Angebots durch die Stadt wurde von den Vertretern des Landkreises zum Ausdruck gebracht, dass eine andere Bebauung vorgesehen sei, und zwar dahingehend, dass an der August-Bebel-Str. oder auch mit der Rückfront Heeper Str. gebaut werden könne und damit die Zahl der angebotenen 6 500 qm nicht benötigt würde. Diese Tatsache wurde von der Stadt sehr begrüsst und sodann eine Einigung dahingehend erzielt, dass sich die Bauräte nunmehr zusammenfinden sollen, um auf Grund dieser Besprechung die weitere Planung vorzunehmen. Weiter wurde vereinbart, dass auf den freien Stellen des Kreishausplatzes Grünanlagen geschaffen werden sollen, die durch die Stadt angelegt und betreut werden sollen. Die Kosten hierfür hat der Landkreis zu tragen.”
Anfang 1950 kamen neue Überlegungen ins Spiel. Ein Vertreter der Stadt stellte diese vor. Vom Jahnplatz aus in Richtung Niederwall – Ulmenstraße sollte eine Allee realisiert werden. Dort könnte auch ein neues Kreishaus seinen Platz finden, da der Kesselbrink inzwischen als Parkraum benötigt würde. Alle anderen innerstädtischen Parkplätze sollten entfernt werden. Dieser Vorschlag führte zu einer entschiedenen Ablehnung von Seiten des Kreises. Schließlich wolle man sich von der Stadt nicht auf irgendeinen beliebigen Platz verfrachten lassen, dazu käme die Pflicht des Kreises, bestimmte Repräsentationen zu erfüllen, die nicht allerorts zu erfüllen seien. Kontroverse Diskussionen führten auch zu dem Vorschlag, an der Kavalleriestraße, Ecke Paulusstraße zu bauen, was die finanzielle Situation erheblich hätte entlasten können. „Ich [Oberkreisdirektor Schütz] habe sodann eingewandt, dass die Voraussetzung hierfür sei, dass die Stadt dafür sorgen müsste, dass der Verkehr dort ein anderer werden müsste, denn wir könnten uns keinesfalls damit abfinden, dass vor einem dort evt. zu errichtenden Kreishaus die Fahrzeuge der Marktbesucher halten würden und somit den wirklichen Besuchern des Kreishauses die Möglichkeit nähmen, dort zu parken. Durch den an Markttagen starken Verkehr auf der Paulusstrasse würde ein starker Personenverkehr praktisch unmöglich sein. Falls die Stadt jedoch bereit ist, diesen Verkehr aus der Paulusstr. herauszunehmen, würde man über dieses Projekt sprechen können.” Umgesetzt wurde auch dieser Vorschlag nicht. An anderer Stelle wurden weitere Standorte sehr widersprüchlich diskutiert. Anfang 1950 kamen der Stadt noch einmal Bedenken hinsichtlich der Umgestaltung des Kesselbrinks. Man hatte offenbar übersehen, dass in Bielefeld der so dringend notwendige Omnibusbahnhof fehlt. Bisher waren die Halteplätze am Nord- und Westrand des Platzes, reichten inzwischen aber nicht mehr aus. Andere Standorte standen aus Sicht der Stadt nicht zur Verfügung. Damit waren die Überlegungen des Neubaus auf dem Kesselbrink vom Tisch.

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Oberkreisdirektor Helmut Schütz (rechts) und Landrat Franz Specht bei einer Ehrung, 1960. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 61-019-101


Der Kreis drängte inzwischen auf die schnelle Umsetzung eines Neubaus, um endlich alle Zweige der Verwaltung unter ein Dach zu bekommen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gab es Planungen dazu. Ein in den 1920er Jahren ausgeschriebener Wettbewerb für einen Neubau wurde nie realisiert. Der Kreisausschuss beschloss am 15. Mai 1950 den endgültigen Standort an der August-Bebel-Straße zwischen Falk- und Viktoriastraße. Allerdings versuchte es die Stadt Bielefeld einige Zeit weiter, diesen Standort zu verhindern.
Im Herbst 1951 kam es endlich zu einem Vertragsabschluss zwischen der Stadt und dem Kreis über den Tausch der Grundstücke, so dass nun zügig die Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs ausgearbeitet werden konnte. Der Wettbewerb sollte für alle Architekten in Westfalen gelten. Bewilligt dafür wurden 53 000 DM. Als Wettbewerbsunterlagen wurden ein Übersichtsplan 1:10 00, ein Lageplan 1:500, Ansichten der umgebenden Straßenfronten 1:500 und ein Lageplan 1:200 als Arbeitsgrundlage für den Erdgeschoss-Grundriss gereicht. Die geforderten Leistungen umfassten neun Punkte und die Ausschreibung endete zum 3. Juni 1952. Als Fachpreisrichter fungierten u. a. Ministerialrat Kühn, Landesrat Niemeyer und Kreisbaurat Dr. Gottfried Widmann und als Laien Landrat Franz Specht, Kreistagsmitglied Wilhelm Finke und Oberkreisdirektor Helmut Schütz, insgesamt elf Männer. Die Entwürfe von 88 Architekten und Ingenieuren konnten schließlich nach Wettbewerbsende einen Monat lang in der Turnhalle der Brackweder Südschule begutachtet werden. „Die Architektur der eingereichten Vorschläge führt vom monumentalen Behördenhaus einer sorgenfreieren Kaiserzeit über den klassischen Heeresdivisionsbaustil der dreißiger Jahre bis zum hypermodernen Stahlskelett-Hochhaus auf eisenbetonierten Stützen,” berichtete die Westfälische Zeitung am 28. Juni 1952. Die Freie Presse schrieb von 89 Teilnehmern und teilte weiter mit: „Für die Beurteilung der Entwürfe waren die besonderen Verkehrsbedingungen der August-Bebel-Straße und der Viktoriastraße, in deren Winkel das künftige Kreishaus liegt, von ausschlaggebender Bedeutung. Selbstverständlich mußte darüber hinaus die Wirtschaftlichkeit (Aufteilung der Räume und Errechnung des Baupreises nach Kubikmeter umbautem Raum) sowie die dem Stadtbild angepaßte Fassade bei der Prüfung in Erwägung gezogen werden.” Erster Sieger wurde der Diplom-Ingenieur Ortwin Rawe aus Münster dessen Arbeit wegen der weitgehenden Berücksichtigung des Verkehrsknotenpunktes Anerkennung fand. Zudem schaffte er ausreichend Parkmöglichkeiten und fügte den sechsgeschossigen Hauptbau elegant in das Stadtbild ein. Zweiter wurde der Architekt Wittken, ebenfalls aus Münster, obwohl seine Parkplatzlösung nicht positiv bewertet wurde. Dafür konnte er aber mit einer sehr gelungenen Fassade und einer idealen Raumaufteilung punkten. Aus dem Landkreis Bielefeld fand kein Entwurf Berücksichtigung. Allerdings wurden darüber hinaus noch weitere Entwürfe eingekauft, darunter auch der des Bielefelder Architekten Hanns Thiele.
In Brackwede trafen sich am 4. Juli 1952 unter Vorsitz des Landrates 22 Kreistagsmitglieder und von Seiten der Verwaltung Oberkreisdirektor Schütz, Kreisbaurat Dr. Widmann und Kreisoberinspektor Beckmann, um aus den neun Entwürfen des Preisgerichts den auszusuchen, der umgesetzt werden soll. Konsens war, dass an allen Entwürfen für die praktische Durchführung Abänderungen vorgenommen werden müssen. Als einziger hatte diese der Bielefelder Architekt Thiele schon eingearbeitet. Warum nur er, wird aus dem Protokoll nicht sichtbar. Sein Entwurf war in den Punkten, dass die Hallen und Flure zu aufwendig gestaltet seien, die Lage des Sitzungszimmers, dazu die Ausmaße, insbesondere die Höhe, nicht passend sind, beanstandet worden. In seiner Überarbeitung hatte er u. a. den Sitzungsaal an die Falkstraße verlegt und die Baumasse von 31 000 Kubikmeter auf 26 000 reduziert. Der Bauausschuss hatte sich vorher schon zu den Entwürfen geäußert und auch den des Bielefelder Architekten Thiele favorisiert. Insgesamt war die Jury darüber irritiert, dass im Laufe der Beurteilungen immer wieder auf die Vorzüge der Entwürfe des Bielefelder Architekten durch den Landrat hingewiesen wurde. Zur Diskussion auf diesem Treffen stand beim Entwurf Thiele vor allem die Abtrennung des Gesundheitsamtes von der sonstigen Verwaltung: „Es könne leicht hieraus der Eindruck erwachsen, dass die Kranken, die das Gesundheitsamt aufzusuchen hätten, nach außen hin bereits als Kranke charakterisiert würden. Man habe aber diese Trennung bewusst vorgeschlagen, und zwar einmal aus hygienischen Gründen und zum anderen aber auch im Interesse der Kranken, die weitgehend sicherlich auf eine mehr oder weniger anonyme Behandlung Wert legen würden,” ist weiterhin im Protokoll zu lesen. Eine Einigung konnte an diesem Tag nicht erzielt werden. Auch schon deswegen nicht, weil für die Prüfenden zu wenig Zeit zur Verfügung stand.
Die Sitzung des Kreistages vom 9. Juli 1952 hatte nur einen einzigen Tagesordnungspunkt: Beschlussfassung über den Neubau eines Kreishauses. Gewählt wurde der Entwurf aus Bielefeld. Auch deswegen, weil Entwurf und Ausführung in einer Hand bleiben konnten. Diese Frage nahm einen breiten Raum auf der Sitzung ein. Letztendlich wurde Thiele die künstlerische und technische Leitung übertragen.


Bildbeschreibung

Rohbau des neuen Kreishauses noch vor dem Richtfest, 1953. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-329-135


Kleiner Sitzungssaal
Nach der Entscheidung wurde schnell mit der Umsetzung des Neubaus begonnen, so dass schon am 28. Oktober desselben Jahres die Grundsteinlegung erfolgen konnte. Einer Rede an diesem Tag ist u. a. zu entnehmen: „Die Dienststellen der Verwaltung fanden in den schweren Nachkriegsjahren Notunterkünfte in den Gemeinden Gadderbaum und Brackwede und in der Stadt Bielefeld. Der Kreistag genoss bei seinen Sitzungen gern gewährtes Gastrecht im Sitzungsaal des Rathauses der Stadt Bielefeld. An 8 verschiedenen Stellen sind gegenwärtig die Dienststellen der Kreisverwaltung viel zu eng und unzulänglich untergebracht. Der Entschluss, dieses Gebäude zu errichten, in dem alle Dienststellen unter einem Dach zum Wohle der Bevölkerung unseres Landkreises arbeiten sollen, entstand nach vielen sorgfältigen Überlegungen in einmütigem demokratischen Zusammenwirken der beiden im Kreistag vertreten Parteien.”

Bildbeschreibung

Kleiner Sitzungssaal, 1956. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-329-133


Schneller als von allen erwartet, schritt der Neubau voran. Am 15. Juni 1953 konnte die Richtkrone über das neue Gebäude gehängt werden. „Der erste Abschnitt der Errichtung des Kreishauses […] fand mit der Fertigstellung des Rohbaues gestern seinen Abschluß. Fahnen des Bundes und des Landes wehten im Rund der Baustelle über den zahlreich erschienenen Gästen, unter ihnen die Vertreter der Stadt Bielefeld, der übergeordneten Behörden, die Mitglieder des Kreistages und die Bürgermeister und Direktoren der Gemeinden und Ämter, als der riesige Baukran den schmucken Richtkranz über die sieben Geschosse des Verwaltungsgebäudes hochhievte. Schon der mit Herz und Gefühl vorgetragene Richtspruch eines Handwerkers hatte eine Atmosphäre der Feierlichkeit unter den Anwesenden hervorgerufen. Sie war noch ausgeprägter, als Landrat Specht von einer tannengeschmückten […] Tribüne mit herzlichen Worten die Bedeutung des Tages unterstrich”, teilte einen Tag später die Freie Presse mit.


Bildbeschreibung

Die geschwungene Treppe als architektonische Besonderheit, 1954. Foto: Ruth Lindewirth
Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-329-143


Das Kreishaus
Kein Jahr später, am 5. Februar 1954, konnte die Schlüsselübergabe stattfinden und das neue Kreishaus an der August-Bebel-Straße 92 eingeweiht werden. Mit besonderem Stolz wurde vor allem darauf hingewiesen, dass endlich alle Verwaltungszweige unter einem Dach zusammen finden und der reichlich gut bemessene Platz die lange vorhandenen Raumnöte ein für alle Mal vergessen ließ. Der Landrat wies in seiner Rede darauf hin, dass das schönste Haus nichts nutzen würde, „wenn der Geist in diesem Haus nicht so ist wie er sein müßte. Und deshalb […] wünsche ich mir nichts anderes, als daß aus diesem Hause heraus eine gesunde demokratische Gedankenrichtung ausstrahlt zum Nutzen des Bürgers, zum Nutzen jedes einzelnen Einwohners des Kreises. […] Von diesem Gesichtspunkt aus überreiche ich Ihnen den Schlüssel, Herr Oberstadtdirektor, und wünsche, daß dasjenige Versprechen, das Sie mir wiederholt gegeben haben, daß Ihr vornehmstes Bestreben sein wird, den Menschen zu helfen, auch weiterhin der Gesichtspunkt sein wird, von dem Sie sich leiten lassen.”
Mit der Gebietsreform zum 1. Januar 1973, in der der Kreis Bielefeld in die Stadt Bielefeld eingemeindet worden war, verlor das Kreishaus seine Funktion.

Bildbeschreibung

Das Kreishaus an der August-Bebel-Straße / Ecke Falkstraße, 1966. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-329-171


Zeitungsartikel

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Der Bau fiel aber nicht in einen „Dornröschenschlaf”, sondern wurde weiterhin für die Verwaltung, jetzt der Stadt Bielefeld, genutzt. Zweige der Bauverwaltung fanden für lange Jahre dort ihr Domizil. Gregor Moss, seit 1. Januar 2001 Baudezernent, brachte den Bau eines Technischen Rathauses ins Spiel. Im Laufe der nächsten Jahre wurden viele Modelle und Möglichkeiten „durchgespielt”. So war über Jahre in den Bielefelder Zeitungen u. a. zu lesen, dass das Kreishaus und das Ankergebäude verkauft werden sollten, um die neuen Ideen zu finanzieren. Unterschiedliche Standorte wurden erörtert. Auch war kurzfristig einmal angedacht, die Stadtbibliothek in einem solchen Technischen Dienstleistungszentrum unterzubringen, wie das Westfalen-Blatt am 30. September 2005 berichtete. Lange dauerte der Findungsprozess bis zum Entschluss, doch das alte Kreishaus in der August-Bebel-Straße 92 umzubauen und zu erweitern. Im Frühsommer 2006 fiel die Entscheidung für diesen Standort.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 120,1/Kreis Bielefeld, Nr. 95, Nr. 2157
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,1/Westermannsammlung, Nr. 4, Nr. 8, Nr. 92, Nr. 199, Nr. 289
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 11-329-135, Nr. 11-329-002, Nr. 11-329-171, Nr. 61-019-101, Nr. 11-329-133, Nr. 11-329-143, 11-1161-036


Literatur

  • Reinhard Vogelsang, Geschichte der Stadt Bielefeld. Band 3: Von der Novemberrevolution 1918 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, Bielefeld 2005
  • Kreis Bielefeld - von seiner Gründung 1916 bis zu seiner Auflösung 1972, Hrsg.: Landkreis Bielefeld, Bielefeld 1972


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Bildbeschreibung

Westfalen-Blatt vom 30. September 2005. Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,2/Zeitungen