1918 gehörten Spendenaufrufe längst zum Alltag der Menschen an der Heimatfront, ob es sich dabei zum Beispiel um U-Boot-Spenden oder Anleihen zur Finanzierung des Krieges handelte. Die kolossale Fehleinschätzung der Reichsregierung, den Krieg bereits Weihnachten 1914 siegreich beenden zu können, führte seit 1915 zu einem finanziellen Desaster. Während Finanzexperten sich für eine Kriegsfinanzierung durch Steuern aussprachen, lehnten sämtliche Reichsregierungen zwischen 1914 und 1918 Steuererhöhungen ab. Stattdessen sollte der Krieg mit Anleihen finanziert werden, wobei die Reichsbank mit mehr als 50 Milliarden Mark der größte Kreditgeber war. Die Reichsregierung wandte sich aber auch direkt an die Bevölkerung, appellierte an Patriotismus und Opferbereitschaft und legte bis 1918 insgesamt neun Kriegsanleihen auf. Die Rendite sollte von den besiegten Gegnern durch langjährige Reparationszahlungen finanziert, Bürger, die Kriegsanleihen zeichneten, zudem bevorzugt mit Wirtschaftsgütern versorgt werden.
Die Zeichnung war zwar formal freiwillig, der Gruppendruck jedoch hoch. 1917 wandte sich der Bielefelder Aufruf zur 7. Kriegsanleihe auch an Jugendliche: „Mehr denn je gilt es, unseren zahlreichen Gegnern zu zeigen, daß es bei uns in der Heimat mit dem Durchhalten ebenso unerschütterlich Ernst ist, wie bei unseren tapferen Kriegern mit dem Standhalten an der Front. Auch Du, Bielefelder Jungmann, mußt mitkämpfen an Deinem Platz und nach Deinen Kräften. Mitarbeiten, sparen, zeichnen! das ist Deine Aufgabe. Fehlen darf keiner dabei.” Auf die Frage, wie ein Jugendlicher mithelfen könne, hieß es unmissverständlich: „Du sollst Eltern und Geschwister, Verwandte, Freunde und Bekannte bitten und wieder bitten, den Ruf des Vaterlandes nicht unerhört zu lassen”. Die Appelle fielen auf fruchtbarem Boden. Sämtliche Kriegsanleihen wurden von breiten Bevölkerungsschichten gezeichnet. Auf den Listen fanden sich Arbeiter, Handwerker, Firmenbesitzer und selbst ganze Klassenverbände der höheren Schulen. Schülerinnen und Schüler nahmen zudem an den regelmäßigen Sammelaktionen teil. Gesammelt wurde alles, was die heimische Wirtschaft entlastete: Altmetalle, Leder, Textilien, immer wieder Gold, aber auch Bucheckern, die zu Öl gepresst werden sollten.