
Im Oktober 1923 griff Max Wrba, der Direktor der 1907 gegründeten Handwerker- und Kunstgewerbeschule war, den Plan wieder auf und lud außer den Repräsentanten der Bielefelder Nähmaschinenfabriken auch Vertreter des Reichsverbandes deutscher Mechaniker (Bremen) und des Verbandes deutscher Nähmaschinenhändler (Potsdam) nach Bielefeld ein. An der Notwendigkeit, Metallfacharbeiter zu qualifizieren, bestanden auch dieses Mal keine Zweifel, und es wurde beschlossen, den Unterricht bereits im Frühjahr 1924 in den Räumen der Kunstgewerbeschule aufzunehmen. Um die Bedeutung der Einrichtung für die überregionale Wirtschaft zu betonen, wurde sie „Deutsche Nähmaschinenmechaniker-Schule” genannt. Ihr Zweck war es, „Nähmaschinenmechaniker praktisch und theoretisch so auszubilden, dass sie mit dem zu verarbeitenden Material und Wesen der Nähmaschine so vertraut sind, um selbständig die Fehlerquellen zu erkennen, Verbesserungsvorschläge machen und ausführen zu können.” Um dieses Ziel zu erreichen, sah der Lehrplan zunächst einen wissenschaftlichen Unterricht vor, der Mathematik, Mechanik, Kinematik, Technologie und Technisches Zeichnen zum Inhalt hatte. Die Nähmaschinentechnik sollte sowohl theoretisch erarbeitet als auch praktisch in Werkstätten eingeübt werden. Und nicht zuletzt sollten die Schüler in einem kaufmännischen Seminar die Grundlagen der Offerteneinziehung, Bestellungen, Buchführung und Lohnabrechnung erlernen, um als Absolventen den Beruf des Händlers oder Vertreters ausüben zu können.
Wer an dieser Schule ausgebildet werden wollte, musste mindestens 18 Jahre alt sein sowie die Volksschule und eine dreijährige Lehrzeit als Schlosser oder Mechaniker erfolgreich abgeschlossen haben. Zu den Aufnahmebedingungen zählten zudem technische Zeichenfertigkeiten, die üblicherweise mit dem Besuch einer gewerblichen Berufsschule nachgewiesen werden konnten, und eine vorherige „psychotechnische Prüfung auf Berufseignung”, um „die Schule nicht mit ungeeigneten Schülern zu belasten und den Eltern unnötige Kosten zu ersparen”. Denn das Schulgeld musste natürlich auch dann gezahlt werden, wenn das Ausbildungsziel nicht erreicht wurde. Aus der Sicht der Gründungsmitglieder der Nähmaschinenmechaniker-Schule war das Schulgeld nicht nur ökonomisch notwendig, sondern auch eine gute Investition der Schüler. Der anspruchsvolle Unterricht und die Abschlussprüfung, die mit der Meisterprüfung der Handwerkskammern vergleichbar war, zeichneten die Absolventen als hochqualifizierte Facharbeiter mit guten Verdienstmöglichkeiten aus. Welche Bedeutung die Schule für die Firmen und beteiligten Berufsverbände hatte, zeigte wiederum ihre Bereitschaft, die Trägerschaft zu übernehmen und die Schule mit einem jährlichen Mitgliedsbeitrag zu unterstützen.