25. Mai 1036: Ersterwähnung von Heepen als „Hepin“

von Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld
Als der bedeutende Paderborner Bischof Meinwerk am 25. Mai 1036 im Beisein Kaiser Konrads II., Kaiserin Giselas und der Erzbischöfe aus Mainz und Köln das neue, schnell erbaute Kollegiatstift Busdorf mit Einkünften ausstattete, war unter den 71 kleineren Höfen, die hierfür den Zehnt leisten sollten, auch derjenige in „Hepin”. Als eines von fünf Vorwerken des Haupthofes (Nieder)Barkhausen („V. vorewerc ad eam pertinentes”) fand Heepen seine Ersterwähnung, war aber damals freilich nicht ein Dorf, sondern lediglich eine abgabenpflichtige Hofstelle eines Bauern, aus der später der Meierhof wurde.




Bildbeschreibung

Eine 1986 hergestellte Plakette zum 950. Jubiläum Heepens zeigt einen Bischof zwischen Kirchturm und Gemeindezentrum St. Hedwig; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,13/Anstecknadeln, Medaillen und Plaketten, Nr. 429


Mittelalterlichen Handschriften

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Bischof Meinwerk (um 975–1036) war einer der bedeutendsten kirchlichen Würdenträger und Fürsten des frühen Mittelalters in Westfalen, ein „Modellbischof der vorgregorianischen Zeit” (Hengst/Brandt). Nach dem Besuch der Domschulen in Halberstadt und Hildesheim war er Kanoniker am Halberstädter Dom gewesen und bald als Kaplan an den kaiserlichen Hof gelangt. Im März 1009 wurde der vermögende Sohn aus der hochadeligen Familie der Immedinger von Kaiser Heinrich II., mit dem er in Hildesheim die Domschule besucht hatte, als neuer Bischof von Paderborn eingesetzt. Meinwerk investierte Teile seines Privatvermögens in das Bistum, unterhielt intensive Kontakte zum kaiserlichen Hof, begleitete die Monarchen mehrfach auf Rom-Reisen und empfing mehr als ein Dutzend Mal kaiserlichen Besuch in Paderborn, zuletzt Konrad II. anlässlich der Altarweihe der Busdorfkirche. Für seine zahlreichen Königsdienste wiederum erhielt Meinwerk nach dem Aussterben kleinerer Herrschaften heimgefallene Lehen: „Meinwerk hat mit seinem Erbe, seinem Königsdienst und seinem Erwerbssinn die wirtschaftlichen Grundlagen für sein Wirken als Bischof, als Bauherr und Stifter geschaffen und sogleich ein dauerhaftes Fundament für die weitere Entwicklung seines Bistums […] gelegt.”, wie Manfred Balzer 2009 schrieb.

Bildbeschreibung

Die in drei mittelalterlichen Handschriften überlieferte „Vita Meinwerci” wurde im 17. Jahrhundert gedruckt; Druck von 1681; Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld, Sign. Q 20 201


Die Busdorfkirche war nach dem Vorbild der Jerusalemer Grabeskirche gebaut worden. Meinwerk hatte 1033 Abt Wino von Helmarshausen beauftragt, bei seiner Pilgerreise in das Heilige Land Skizzen von der Heiliggrabrotunde herzustellen. Das neue Kollegiatstift Busdorf kaum 500 Meter östlich der Domburg von Paderborn war den beiden Heiligen Petrus und Andreas geweiht, brauchte aber selbstverständlich eine finanzielle Grundlage. Für seine neue Kirchenstiftung erhielt Meinwerk die Zustimmung Kaiser Konrads II. und weiterer Erzbischöfe, um aus seinem Eigengut und aus bischöflichem Tafelgut eine Schenkung herzustellen. Da diese aus der unmittelbaren Umgebung Paderborns nicht ausreichten, erweiterte Meinwerk den Einzugskreis auf Anraten seines Umfeldes und zog nicht weniger als 17 Haupthöfe mit ihren Vorwerken zur Zehntleistung heran. Die übliche Abgabengröße war der Zehnt, also der zehnte Teil des Getreides und Großviehs. Unter den insgesamt 71 hierfür vorgesehenen Vorwerken war auch das in „Hepin” (in Textvarianten auch „Hepyn”), das mit „Uralanchuson” (Oerlinghausen), „Meginchuson” (Menkhausen), „Burghuson” (Burghausen) und „Ikamannincthorpe” (Eckendorf) dem Haupthof (Nieder)Barkhausen zugeordnet war. Meinwerk erlebte die Fertigstellung des Busdorfstifts nicht: Er starb am 5. Juni 1036 keine zwei Wochen nach der Altarweihe. Seine erste Grablege war das Kloster Abdinghof. Als das Kloster 1810 aufgelöst wurde, gelangte der Sarkophag samt Leichnam Meinwerks nach Busdorf, 1936 wurden die Gebeine wiederum im Paderborner Dom bestattet.

Bildbeschreibung

Pfennig Bischof Bernhards I. von Oesede, in dessen Amtszeit möglicherweise die Anfertigung der „Vita Meinwerci” fiel, ca. 1150; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,12/Münzen und Papiergeld


Hof Meier zu Heepen
Die Ersterwähnung als zehntpflichtiger Hof „Hepin” verdankt Heepen der „Vita Meinwerci episcopi Patherbrunnensis”, der Lebensbeschreibung Meinwerks, die in einer ersten Handschrift um 1160/70, also mehr als 120 Jahre nach dem Tod des Bischofs vorliegt. Das Werk ist nicht nur eine reine Lebensgeschichte Meinwerks, sondern parallel auch Traditionsbuch, das, eingestreut in die erzählenden Kapitel, zahlreiche Güterübertragungen an das Bistum Paderborn aufzählt. Der Autor der nur in drei mittelalterlichen Handschriften überlieferten Bischofs-Vita ist nicht abschließend zu identifizieren – favorisiert wird wiederholt Konrad, der Abt von Abdinghof, Meinwerks Grablege bis 1376. Möglicherweise gehörte die Anfertigung der Vita in den Zusammenhang mit der Paderborner Territorialpolitik des 12. Jahrhunderts, als die Bischöfe Bernhard I. von Oesede und Evergis das Hochstift zu einem Herrschaftsgebiet arrondieren wollten. So gesehen, war die Vita eine „Auftragsarbeit”, die als Instrument der Rechtssicherung dienen sollte.

Das in der Schenkung an Busdorf genannte Hepin-Heepen war 1036 nicht viel mehr als eine kleinere Bauernstelle („Hufe”), die im Rahmen der sogenannten Villikationsverfassung dem Herrenhof Barkhausen (bei Oerlinghausen) zugeordnet war, der die Abgaben („Zehnt”) an den Herrn in Paderborn weiterleitete. Der auf der Hofstelle sitzende Bauer bewirtschaftete die Fläche, war aber nicht deren Eigentümer und konnte diese auch nicht nach eigenem Gutdünken verlassen. Demnach war er nicht freizügig in seinen Entscheidungen, genoss aber im Gegenzug den Schutz seines Herrn, der Getreide, Nutzvieh, Wolle, Honig, Holz, aber auch Dienstleistungen mit Fuhrwerken und Pflug einforderte. Kriterien für die Ansiedlung der Hofstelle „Hepin” waren die Wasserversorgung (z.B. Bohnenbach, Oldentruper Bach und Windwehe) und die Fruchtbarkeit der zu bewirtschaftenden Fläche.

Bildbeschreibung

Der Hof Meier zu Heepen ist als „Hepin” eine der Urzellen des heutigen Heepen; Foto: C. Schröder, 1927; Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 41-15-257


Höfe

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Im Hochmittelalter waren die Höfe verschiedenen Grundherren – Lippe, Bistum Paderborn, Abtei Herford und Stift Schildesche – zugeordnet, weitere Flächen waren Öd- oder Markenland, ein Dorf im eigentlichen Sinn gab es noch nicht. Neben dem späteren Hof Meier zu Heepen sind weitere sechs Höfe zu nennen, die die Streusiedlung nach und nach zum Dorf werden ließen: Lübrassen (Ersterwähnung 974) und Homersen (Henrichsmeier) sowie die in der Bauerschaft Schelpmilse gelegenen Höfe Schelpmeier, Warntrup, Winkelmann und Milse, das nicht zu verwechseln ist mit dem heutigen Milse. Die großen Höfe Heepens – der Meierhof, Schelpmeier und Lübrassen – wurden von hörigen Bauern bewirtschaftet, die dem Grundherrn feste Abgaben leisten mussten, wobei die Naturalleistungen zunehmend durch Geld abgelöst wurden. Später – endgültig erst 1607/12 – ging der Meierhof zu Heepen an die Edelherren zur Lippe über, nachdem Heepen 1409 sogar insgesamt als lippischer Ort bezeichnet worden war.

Bildbeschreibung

Die Höfe im Kirchspiel Heepen waren im Hochmittelalter verschiedenen Grundherrschaften zugeordnet, Karte von Gustav Engel, 1960 (bearb.); Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,8/Karten und Pläne, Nr. 359


Immerhin verfügte die Streusiedlung über einen festen Kirchenbau, der um die Jahrtausendwende eine Holzkirche ablöste, wie die 1959 ergrabenen Grundmauern einer romanischen Kreuzkirche mit 28 Metern Länge und einem Querhaus mit 10,80 Meter Breite aus Muschelkalkstein belegen. Ein Weihedatum für diesen einschiffigen Kirchenbau ist allerdings nicht bekannt. Weitere Ausbauten folgten um 1150 und 1230. Vor 1231 wurde Heepen von der Mutterkirche Oerlinghausen abgepfarrt, da der zuständige Pfarrer die mit dem Wachsen der Siedlung zunehmende Seelsorge auf Distanz kaum noch wahrnehmen konnte. 1231 erscheint Heepen im Archidiakonatsverzeichnis erstmalig als eigene Pfarre im Archidiakonat Lemgo, und zwar mit dem Patrozinium Petrus und Paulus, so wie das Abdinghofkloster in Paderborn. Diese Pfarre verfügte mindestens über eine Filialkirche in einer benachbarten Ortschaft: Bielefeld. Dessen Kapelle wurde 1236 von Heepen abgepfarrt, wobei der Heeper Pfarrer („plebano de Hepen”) für seinen Verdienstausfall einen Obolus von den Bielefeldern erhalten sollte. Das Patronatsrecht für die neue Kirche in Bielefeld fiel Graf Ludwig von Ravensberg zu. Ein „Bilivelde” ist zwar 1015 bereits in der „Vita Meinwerci” erwähnt, jedoch kann die Nennung nicht abschließend mit der späteren Siedlung und der heutigen Stadt in Verbindung gebracht werden, so dass Bielefeld erst 2014 sein 800jähriges als Stadt feiern wird, nachdem Heepen seine 975 Jahre schon 2011 angemessen gewürdigt hat.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 14-28-27 und 41-15-257
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,8/Karten und Pläne, Nr. 359: Das Kirchspiel Heepen um 1150, Karte von Gustav Engel, 1960
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,12/Münzen und Papiergeld, Pfennig Bernhards I. von Oesede, Bischof von Paderborn, ca. 1150
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,13/Anstecknadeln, Medaillen und Plaketten, Nr. 429: Plakette "Bischof Meinwerk – Heepen 1036" anlässlich der Ersterwähnung Heepens, 1986
  • Landesgeschichtliche Bibliothek, Sign. Q 20 201: Overham, Adolph, Vita B. Meinwerci Ecclesiae Paderbornernsis Episcopi […], Neuhaus 1681


Literatur

  • Balzer, Vornehm – reich – klug. Herkunft Königsdienst und Güterpolitik Bischof Meinwerks, in: Christoph Stiegmann/Martin Kroker (Hg.), Für Königtum und Himmelreich. 1000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn, Regensburg 2009, S. 88-99
  • Berndt, Guido M. (Hg.), Vita Meinwerci episcopi Patherbrunnensis – Das Leben Bischof Meinwerks von Paderborn. Text, Übersetzung, Kommentar (MittelalterStudien, Bd. 21), München 2009
  • Ders., Das Leben Bischofs Meinwerks. Anlass und Überlieferung der Vita Meinwerci, in: Christoph Stiegmann/Martin Kroker (Hg.), Für Königtum und Himmelreich. 1000 Jahre Bischof Meinwerk von Paderborn, Regensburg 2009, S. 246-253
  • Brandt, Hans-Jürgen/Karl Hengst, Die Bischöfe und Erzbischöfe von Paderborn, Paderborn 1984, hier S. 68-76
  • Kuhne, Wilhelm, Meinwerk – Bischof und Staatsmann an der Ersten Jahrtausendwende und die 1. urkundliche Nennung von Heepen, in: Förderkreis im Heimat- und Geschichtsverein Heepen (Hg.), Dokumentation 950 Jahre Heepen, Herford 1990, S. 20-36
  • Leesch, Wolfgang, Die Pfarrorganisation der Diözese Paderborn am Ausgang des Mittelalters, in: Heinz Stoob, Ostwestfälisch-weserländische Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde, Münster 1970, S. 304-376
  • Seppmann, Willy, Heepen – Vom Kirchspiel zum Stadtbezirk, Heepen 1986
  • Sturm, Werner, Die Kirche zu Heepen, Bielefeld 1986
  • Vogelsang, Reinhard, Geschichte der Stadt Bielefeld, Bd. 1: Von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, Bielefeld 1980
  • Ders., Festvortrag: Siedlung- Dorf – Stadtbezirk, in: Förderkreis im Heimat- und Geschichtsverein Heepen (Hg.), Dokumentation 950 Jahre Heepen, Herford 1990, S. 10-19


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Bildbeschreibung

Die Peter- und Pauls-Kirche in Heepen hat einen romanischen Vorgängerbau, Foto: Otto Sudmann, 1970; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 14-28-27