27. Mai 1889: Carl Bozi – Mitbegründer der Spinnerei Vorwärts – stirbt in Bielefeld

von Dr. Jochen Rath, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld
„Er gehörte zu denen, welche dem Klopfen der neuen Zeit an dem zu lange verschlossen gebliebenen Thore unserer für uneinnehmbar gehaltenen Handgarn-Position zuerst Beachtung schenkte, und ihm war es vergönnt […] unser jetziges ´Vorwärts´ zu gründen”, widmete das Bielefelder Tageblatt am 28. Mai 1889 dem am Vortag verstorbenen Carl Bozi einen Nachruf. Mit ihm war ein Industriepionier verstorben, der Bielefeld in die Moderne geführt hatte. 1850 hatte er mit seinem Bruder Gustav die Spinnerei Vorwärts gegründet, die die Mechanisierung und Industrialisierung einführte, und es damals den Zauderern in Bielefeld gezeigt.



Die Spinnerei Vorwärts
Carl Bozi war am 10. April 1809 als zweites Kind des aus Ungarn zugewanderten Kleinbauernsohnes Michael Bozi (1775-1862) geboren, der mit seiner Frau Dorothea geb. Johanning und Familie seit 1800 in Friedrichsdorf lebte. Vier Söhne und acht Mädchen gingen aus der Ehe hervor. 1816 siedelte die Familie nach Bielefeld über, wo der Vater den Waldhof gekauft hatte und später eine Ölmühle errichtete. Michael Bozi, der als Höker begonnen hatte, dehnte seine kaufmännischen Aktivitäten auf das Ausland und den Garnhandel aus. Carl besuchte das Bielefelder Gymnasium, absolvierte danach eine Ausbildung in einem Kolonialwarengeschäft in Barmen, bevor er im elterlichen Geschäft tätig wurde.

Bielefeld hatte sich im 18. Jahrhundert zum regionalen Wirtschaftszentrum entwickelt. Produktionsweise, Qualität und Handelsformen sicherten diese dominante Position und hielten das Bielefelder Leinen bis in die 1830er Jahre wettbewerbsfähig. Dann ließen Importe der günstiger produzierten britischen Baumwollerzeugnisse die Preise verfallen und die Spinner und Weber verelenden. Bozis Garnhandel litt unter den mechanisch gefertigten Spinnerzeugnissen aus Irland und England. Die Preise für handgesponnene Produkte verfielen zusehends. Michael Bozi erkannte diese Zeichen, als er seinen Sohn Carl an einen der großen Schauplätze der startenden Industriellen Revolution entsandte: das irische Belfast. Dort lernte Carl Bozi die Maschinenspinnerei kennen – und seine Frau Eleanor Keith (1817-1904), die er 1840 heiratete. Carl Bozi exportierte das produzierte Garn auch nach Bielefeld, umgekehrt führte er Feingarn aus dem väterlichen Geschäft nach Belfast ein. Sein Garnhandel florierte derart, dass 1840 sein Bruder Theodor als Teilhaber eintrat.

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Die Spinnerei Vorwärts (Briefkopf), ca. 1867; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 100,2/Ältere Akten, Nr. 360


Die genauen Beweggründe Carl Bozis, 1847 wieder nach Bielefeld zurückzukehren, bleiben unklar. In Belfast war er familiär und geschäftlich etabliert, vielleicht trieb ihn jedoch die Sorge um das väterliche Geschäft zurück auf den Kontinent, möglicherweise war es auch die Hoffnung auf reiche Pioniergewinne, die sich durch eine Modernisierung der untermechanisierten deutschen Flachsspinnerei einstellen konnten, wenn Kapital mutig in eine neue Produktionsmethode angelegt wurde. Carl Bozi warb nach seiner Rückkehr bei der Regierung in Minden und beim Oberpräsidium in Münster für ein großrahmiges Projekt. Für den konkurrenzfähigen Betrieb von mindestens 4.000 Spindeln benötigte er ein Startkapital von 200.000 Talern. Bozi dachte hier an ein frühindustrielles „public-private-partnership”, das hälftig durch private Anleger und den Staat finanziert werden sollte. Preußen lehnte ab, leistete jedoch eine – seinerzeit nicht unübliche – Spindelprämie von 6 Reichstalern (= 30.000 Reichstaler bei 5.000 Spindeln) als verlorenen Zuschuss und räumte Zollnachlässe für Maschinenimporte ein.

Mit dieser staatlichen Anschubfinanzierung und Stützungsmaßnahmen, vor allem aber Dank der Einlagen der Gebrüder Bozi, angeheirateter Schwager und auswärtiger Freunde im Umfang von 170.000 Reichstalern gelang die Kapitalsicherung. Die modernisierungsskeptischen lokalen Leinenhändler dagegen beteiligten sich nicht, wie Carl Bozi gegenüber dem Oberpräsidium schon 1847 ahnte: „Mit wenigen Ausnahmen sind sämtliche älteren Leinenhändler unbedingt dagegen, und die jüngeren haben kein Geld.” Ein zeitgleich initiiertes Konkurrenzprojekt der Bielefelder zur Mechanisierung der Garnherstellung scheiterte unter der Führung von Rudolph Delius (1802-1859) allerdings. Am 17. August 1850 unterzeichneten die Gebrüder Gustav Bozi (1819-1887), der technischer Direktor wurde, Theodor Bozi (1812-1864) und Carl Bozi einen Gesellschaftsvertrag. Letzterer war spiritus rector, treibende Kraft und kaufmännischer Leiter der Unternehmung, die eine „Flachs- und Wergmaschinenspinnerei” finanzieren und nahe Bielefeld anlegen wollte.

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Carl Bozi (1809-1889); Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 61-2-88


Antrag der Gebrüder Bozi

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Im Amt Brackwede hatte Carl Bozi auch im Namen seiner Brüder bereits am 11. April 1850 Flächen des Bleichmeisters Petersmeyer (Sandhagen Nr. 57) einschließlich Gebäuden für 8.800 Taler angekauft. Das an der Minden-Coblenzer Straße gelegene Areal bot Raum für Erweiterungen, freilich wäre ein Standort in der Nähe des Bielefelder Bahnhofes, der seit 1847 bestand, noch günstiger gewesen, stand aber vielleicht (zumindest für Bozis) nicht zur Verfügung. All dieses geschah in einem atemberaubenden Tempo, in dem Carl Bozi sich selbst immer wieder selbst zu überholen schien. So hatte er unter dem Signum „Gebrüder Bozi” schon am 19. März 1850 beim Amtmann einen Bauantrag mit Plänen für eine „Mechanische Flachs- und Werg-Spinnerey-Zwirnfabrik nebst Bleiche mit Dampfbetrieb” eingereicht.

Doch es lief nicht alles reibungslos. Drei örtliche Bleicher protestierten im Amtshaus Brackwede gegen den Betrieb der Dampfmaschine: Durch Emissionen aus dem Schornstein werde das auf ihren Bleichen ausgebreitete Leinen „total verdreckt”. Zusätzlich würde die neue Anlage Lutterwasser in unbekannter Menge benötigen und Schmutzwasser einleiten; später trat noch die Vermutung hinzu, dass das Abwasser der Dampfanlage die Lutter erwärmte, so dass diese für den Bleichvorgang unbrauchbar würde. Weitere Bleicher schlossen sich der Beschwerde an. Bei einem Gesprächstermin erklärte Carl Bozi, dass die reine Schornsteinhöhe von etwa 35 (!) Metern zuzüglich der um 9 Meter höher als die Bleichen gelegenen Gesamtanlage bei einer Entfernung von rund 165 Metern kaum eine Schmutzbelastung darstellen könne. Bozi verzichtete jedoch darauf, Wasser aus der Lutter zu entnehmen, indem er 1851 mit der Direktion der Cöln-Mindener Eisenbahn einen Vertrag über eine Wasserleitung schloss. Eigene Abwässer wollte die Spinnerei in den Chausseegraben abführen. Der bestellte Sachverständige Veerhoff aus Bielefeld stellte im Juni 1850 in seinem „Gutachten über Botzi seine Erklärung gegen gedachte Beschwerden” abschließend fest: „es kömt hauptsäglig darauf an wie die Rauchkarnäle angelegt werden indessen werden die angrensenden Bleigens mer oder wenig nachtheil haben.” Am 20. August 1850 entschied die Regierung Minden zugunsten der Bozis, deren Projekt die Verwaltung offensichtlich beeindruckt hatte, denn sämtliche Hinweise der Beschwerdeführer auf vermeintlich minderwertige Brennstoffe für die Dampfmaschine fegte die Regierung auch mit dem Hinweis auf die „Kostbarkeit und Großartigkeit der ganzen Anlage” vom Tisch und empfahl, nicht auszuschließende Verschmutzungen des Leinens einfach abzubürsten. Weitere Einsprüche wurden abgelehnt oder durch technische Nachbesserungen aufgehoben.

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Antrag der Gebrüder Bozi an das Amt Brackwede v. 19. März 1850; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 130,2/Stadt und Amt Brackwede, Nr. 648


Im Oktober 1851 war es soweit: Die Spinnerei Vorwärts nahm ihre Produktion auf und auch in Bielefeld begann tatsächlich die Industrialisierung. Der erfolgreiche Startup vor den Toren der Stadt überzeugte die Skeptiker – die Geschäftsidee war gut und nachahmenswert, aber Bozis Unternehmen kein Anlageobjekt für das lokale Establishment. Eine Gruppe um Hermann Delius (1819-1894) investierte am Standort des ehemaligen „Fabriquengartens” lieber in den Aufbau eines eigenen Projekts, in die spätere Ravensberger Spinnerei. Im Januar 1857 nahm diese die Produktion auf, war in den 1860er Jahren bereits die größte Flachsgarnspinnerei Deutschlands und befand sich auf Augenhöhe mit den Branchenriesen in Großbritannien. Der ambitioniert gestarteten Spinnerei Vorwärts mangelte es bald an eigenem Betriebskapital, während die Bielefelder Konkurrenzgründung Aktienzeichnungen sogar hatte stoppen müssen. Kaum ein Bielefelder investierte bei Vorwärts, bei der „Raspi” dagegen stand man Schlange.

Der wirtschaftliche Erfolg ebnete freilich nicht den Weg in den engeren Zirkel der Bielefelder Gesellschaft. So war Carl Bozi nicht Mitglied des erlesenen Gesellschaftsclubs „Ressource”, sondern der liberal-mittelständischen „Eintracht”. Als Liberaler mit englischem „sozialpatriarchalischem Akzent” (Homburg/Mooser) übernahm er mit seinem Bruder Verantwortung für die Belegschaft: 1855 profitierte diese von einem Lebensmittelgroßeinkauf, den beide arrangiert hatten, 1857 ließen sie Arbeitswohnungen errichten und gründeten eine Betriebskrankenkasse. Lokalpolitisch trat Carl Bozi nicht nachhaltig in Erscheinung, lediglich 1865 bis 1871 war er Stadtverordneter. Bereits 1852 bezogen Carl und Eleanor Bozi in der Obernstraße (heute Werther Straße) in Bielefeld mit ihren Kindern einen ausgefallenen Neubau, der durch das englische „hall house” des 15./16. Jahrhunderts inspiriert ist. Carl Bozis Aufenthalt in Irland und der Einfluss seiner schottisch-irischen Frau mögen den Unternehmer zu dieser Bauform veranlasst haben. Die Lage unweit der Cöln-Mindener Eisenbahn reflektiert die Technikbegeisterung und -gläubigkeit von Menschen wie Carl Bozi, die bewusst die Nähe zu diesem Ort der Modernisierung gesucht haben und sich von Dampf, Rauch und Lärm nicht schrecken ließen, sondern im Gegenteil sogar angezogen fühlten. Zugleich war die Grundstückswahl zwischen den alteingesessenen Familien Kisker und Delius selbstbewusst, aber gesellschaftlich folgenlos.

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Gustav Bozi (1819-1887); Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 61-2-87


Villa Bozi
Die Bozis waren schon 1854 gezwungen, ihre Familiengesellschaft „Gebrüder Bozi et Compagnie” zu einer echten Aktiengesellschaft umzuwandeln, um frisches Geld auch für die projektierte Verdoppelung der Spindelzahl zu aktivieren. Die ersten Aktienzeichnungen mit 281.600 Talern entfielen vor allem auf die Familie, Verwandtschaft und Freunde. Weitere 64 Interessenten zeichneten zusammen 122.600 Taler. Diese externen Zeichner – darunter auch modernisierungsbegeisterte preußische Beamte – kamen aus einem Raum von Antwerpen und Lüttich bis Dingelstädt im Eichsfeld, von Koblenz bis Stralsund, nur sechs aus Bielefeld selbst. Der Regierung in Minden blieb die Distanz der Bielefelder Kaufleute und Fabrikanten nicht verborgen, deren „Mangel an Unterstützung und günstiger Beurteilung […] überall hemmend und hindernd entgegentrat” – die „naheliegenden Ursachen” wurden nicht konkretisiert, waren aber offensichtlich. Es wird eine Mischung aus Misstrauen und Abgrenzung des Bielefelder Leinenpatriziats gegenüber den als Parvenüs empfundenen Bozis und ihrer Gründung gewesen sein, die frühzeitig finanzieller Hilfe bedurfte. Die Aktienemission half für den Moment, gleichwohl lag das Betriebskapital von „Vorwärts” bei 40 Prozent der „Raspi”, die Spindelzahl bei 50 Prozent.

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Die Villa Bozi entstand 1852 direkt neben der Eisenbahnlinie; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 23-4-29


"Vorwärts"-Aktien

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Als die notwendige Umwandlung zu einer Aktiengesellschaft gerade abgeschlossen war, trafen das Unternehmen, das inzwischen 300 Menschen beschäftigte, neue Schläge: Das Handelsministerium signalisierte Bozi im April 1855, dass die Regierung den Betrieb von 120 mechanischen Webstühlen durch ihn nicht wünsche. Es schien gerade so, als ob den Bozis eine Vorreiterrolle und Spitzenposition missgönnt wurde. Am 6. Februar 1856 vernichtete ein Brand nach einem Gasaustritt u. a. 860 Garnbündel und 22 Haspelmaschinen. Wenn der Schaden auch Dank der gerade abgeschlossenen Versicherung reguliert werden konnte, so musste dieses Ereignis das Vertrauen der Aktionäre und potentieller Anleger erschüttern.

Die chronisch dünne Kapitaldecke, unternehmerische Überforderung und technische Mängel setzten dem Unternehmen weiter zu. Parallel hatten die Direktoren Bozi ihre Anteile schrittweise reduziert, verstanden sich nunmehr als bezahlte Manager. 1863 stand die Spinnerei unmittelbar vor der Insolvenz, obwohl die neue Zielgröße von 10.000 Spindeln erreicht worden war, dagegen gerade einmal 30 mechanische Webstühle arbeiteten (in der Mechanischen Weberei in der Stadt liefen 1870 dagegen 325). Regelmäßig lag die Dividende unter der der „Raspi”, aber noch über den eigenen Verhältnissen. Eigentlich wäre eine Kapitalrückführung in das Unternehmen erforderlich gewesen, um z. B. den Maschinenpark zu modernisieren und damit produktiv zu bleiben. Zusätzlich gelang es nicht, die Arbeiter dauerhaft an den Betrieb zu binden. Ein neuerlicher Brandfall 1866, Dampfmaschinendefekte und daraus resultierende Produktionsausfälle 1868 und allgemeine Konjunkturschwankungen taten ihr Übriges.

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Wenige Bielefelder – hier der Apotheker Dr. Ludwig Aschoff – zeichneten „Vorwärts”-Aktien; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 210,35/Spinnerei Vorwärts, Nr. 60


Auf der Aktionärsversammlung am 13. Mai 1869 nahm die vorbereitete Demontage von Verwaltungsrat und Direktion ihren Lauf. Großaktionär Wilhelm Funcke (1820-1896) aus Hagen kritisierte Misswirtschaft und Unvermögen der Direktion, warf Bilanzfälschung vor und forderte einen personellen Neuanfang in den Führungsebenen. Der Betrieb solle mit der Raspi fusionieren. Angesichts der Anwürfe hatte Carl Bozi bereits resigniert und schon am 8. April 1869 gekündigt. Sein Bruder Gustav, dem der Haupttadel Funckes galt, folgte später. Am 1. November 1869 endete die Ära Bozi bei der Spinnerei Vorwärts offiziell. Durch einen Dividendenverzicht und eine Anlegeranleihe konnte das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht werden, während den Gebrüdern Bozi laut eigener Darstellung derartige Finanzspritzen vom unbeweglichen Verwaltungsrat immer wieder verwehrt worden waren. Enttäuscht, aber kämpferisch versuchten sie noch 1870 Vorhaltungen des Geschäftsberichts für 1869 zu entkräften. Stolz vermerkten sie abschließend: „Wir haben s. Z. durch die Gründung der Spinnerei ´Vorwärts´ der gesunkenen Bielefelder Leinenindustrie neues Leben gegeben, den permanenten Hungertyphus der Senne gebannt, und der Name Bozi wird bei Tausenden von Arbeitern stets in dankbarer Erinnerung bleiben. Wir sind uns bewußt, unsere Schuldigkeit getan zu haben, fehlten wir, so waren wir Menschen.”

Carl Bozi, der zwischen 1857 und 1875 regelmäßig zu den zehn größten Steuerzahlern Bielefelds zählte, engagierte sich bald nicht mehr im Textilsektor, sondern investierte in die Baustoffindustrie. Sein größter Coup gelang ihm in der Kalkstein- und Zementindustrie in Beckum. Mit dem Bielefelder Bankier Hermann Paderstein (1841-1921) erwarb er zwei Ringöfen einer in Konkurs gegangenen Firma. 1884 wurde hieraus das „Portland-Zement- und Wasserkalkwerk Westfalia AG”, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Bozi bis zu seinem Tod blieb.

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Plan der Spinnerei Vorwärts, 1871; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 130,2/Stadt und Amt Brackwede, Nr. 648.


Familiengrab Bozi
Als Carl Bozi am 27. Mai 1889 starb, würdigte das „Bielefelder Tageblatt” am folgenden Tag den Verstorbenen und seine Lebensleistung, indem es seine Devise „Vorwärts” hervorhob: „In diesem Sinne und anderen Beziehungen gehört der Verstorbene zu den bahnbrechenden Persönlichkeiten unseres Landes und wird einen hervorragenden Platz in deren Mitte behaupten.” Zu späte Anerkennung also für einen Bielefelder Industriepionier, der vieles versucht, alles gegeben und einiges verloren hatte, aber nie so recht dazugehören sollte.

Quellen

  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 100,2/Ältere Akten, Nr. 5363: Regulierung des Brandschadens in der Spinnerei Vorwärts am 6. Februar 1856 durch die Berliner Feuerversicherungsanstalt, 1856
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 108,2/Magistratsbauamt, Nr. 314: Wasserverteilung der Weser- und der Ems-Lutter auf dem Bahnhof Brackwede; Enthält u.a.: Unterlagen und Verträge der Spinnerei Vorwärts über die Wasserverhältnisse 1857-1912; Verhandlungen der Stadt wegen Unvereinbarkeit von Bahnhofsumbau und Quellsituation; Lagepläne, 1857-1923
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 130,2/Stadt und Amt Brackwede, Nr. 637: Spinnerei von Bozi & Co. Nachfolger, später Gebr. Banck, jetzt Klein-Vorwärts, 1858-1891
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 130,2/Stadt und Amt Brackwede, Nr. 638: Anlagen und Erweiterung der Spinnerei Vorwärts, 1882-1897
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 130,2/Stadt und Amt Brackwede, Nr. 648: Anlage und Erweiterung der Spinnerei Vorwärts in Sandhagen Nr. 57, 1850-1871
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 210,35/Spinnerei Vorwärts, Nr. 60: Aktienzeichnungen; Enthält u.a.: Quittungen und Korrespondenz, 1855
  • Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. Nr. 23-4-29, 61-2-87 und 61-2-88


Literatur

  • Adelmann, Gerhard, Die Stadt Bielefeld als Zentrum fabrikindustrieller Gründungen nach 1850, in: Werner Besch/Klaus Fehn u.a. (Hg.), Die Stadt in der europäischen Geschichte. Festschrift Edith Ennen, Bonn 1972, S. 884-94
  • Bozi, Alfred, Lebenserinnerungen, (maschsch.) Bielefeld 1937
  • Ditt, Karl, Industrialisierung, Arbeiterschaft und Arbeiterbewegung in Bielefeld 1850-1914 (Untersuchungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte, Bd. 4), (Diss. Bielefeld 1980) Dortmund 1982
  • Homburg, Heidrun/Josef Mooser, Michael Bozi (1775-1862), Carl Bozi (1809-1889) und Gustav Bozi (1819-1887), in: Jürgen Kocka/Reinhard Vogelsang (Hg.), Bielefelder Unternehmer des 18. bis 20. Jahrhunderts (Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien, Bd. 14), Münster 1991, S. 25-61
  • Sartorius, Otto, Hundert Jahre Spinnerei Vorwärts 1850-1950, Bielefeld 1950
  • Vogelsang, Reinhard, Geschichte der Stadt Bielefeld, Bd. 2: Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, Bielefeld 1988
  • Volmer, Lutz, Bürgerliche Baukultur in Bielefeld im 18. und 19. Jahrhundert. Lokale Prägungen und überregionale Einflüsse, in: Jürgen Büschenfeld/Bärbel Sunderbrink (Hg.), Bielefeld und die Welt – Prägungen und Impulse, Bielefeld 2014, S. 399-416


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Bildbeschreibung

Das Familiengrab Bozi auf dem Johannisfriedhof in Bielefeld ; Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung