1928 erhielt Griesser das Angebot, für die Stuttgarter Werkbundsiedlung als Innenarchitekt tätig zu sein. Ebenfalls war er an der Ausstellung „Deutsche Kunst Düsseldorf” im Bereich Raumkunst beteiligt.
Paul Griesser, ursprünglich nur der Gestaltung des bewohnten Raumes verschrieben, entdeckte in der ersten Hälfte der 1930er Jahre eine neue Herausforderung für sich, die so genannte „große Architektur”. In Hameln baute er 1932 sein erstes Wohnhaus. „'Seitdem baute ich munter weiter', erzählt Prof. Griesser, 'nur leider nicht immer ganz unbehindert. Denn als ich gerade die Vorzüge des Flachdaches entdeckt hatte, brach die Zeit der Gleichschaltung herein, in der nur der deutsche Spitzgiebel als 'völkisch artgemäß' galt”, berichtete die Westfälische Zeitung am 4. Januar 1962. Griesser war 1933 neben dem Tischlermeister August Peter einziges Parteimitglied in der Werkkunstschule.
Sein erster Großbau entstand 1935/36 an der Lutterstraße. Es war das Fabrik- und Bürogebäude der Firma Oetker. In derselben Zeit entwarf er weitere fünf Häuser u. a. in Brackwede und Steinhagen sowie diverse Inneneinrichtungen. 1937 wurde Paul Griesser zum Vertrauensarchitekten des Amtes „Schönheit der Arbeit” des Gaus Westfalen-Nord. In einem Brief vom 28. März 1939 schrieb er über diese Tätigkeit dem Regierungspräsidenten:„Die vom Amt Schönheit der Arbeit durchzuführenden Aufgaben Betriebsneubau, der Bau von Gefolgschaftshäusern und Feierabendstätten, Umbauten von Betriebsanlagen, kurz die Planungen aller Einrichtungen, die zum Wohle des deutschen Arbeiters und zur Steigerung seiner Leistung geschaffen werden sollen, werden von mir in Zusammenarbeit mit dem Amt Schönheit der Arbeit geprüft. Diese Tätigkeit ist ehrenamtlich. Ist eine Durchführung nach den gegebenen Richtlinien des Reichsamtes Schönheit der Arbeit durch die von den Auftraggebern, Betriebsführern beauftragten, meist ortsansässigen Architekten, nicht garantiert, so werde ich mit der Überarbeitung bzw. Neuplanung der betr. Bauaufgabe betraut.”
Als erster Lehrer der Werkkunstschule wurde Paul Griesser Ende August 1939 zur Wehrmacht eingezogen und geriet 1945 kurz in Gefangenschaft. Nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches” sollte die Werkkunstschule 1946 wieder eröffnet werden. Bis auf die Paul Griesser erhielten alle vorgeschlagenen Lehrer von der Militärregierung ihre Lehrzulassung. Aber schon 1947 war auch er wieder an der Schule tätig. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitete er als freier Architekt im Bund Deutscher Architekten. Am Wiederaufbau der Stadt Bielefeld war Griesser an prominenter Stelle beteiligt.