Die intensiven Jubiläumsvorbereitungen indes standen nicht immer unter einem guten Stern: Als ersten Tagesordnungspunkt verhandelte der Festausschuss am 11. Juni 1958 „Das überaus traurige Ergebnis der Spenden”. Allerdings war die Sorge verfrüht, denn letztlich fiel die finanzielle Bilanz des Schuljubiläums ausgesprochen positiv aus, zumal neben Sachspenden (Konferenzzimmer, Aulagestühl, Unterrichtsmittel etc.) ein städtischer Zuschuss 4.000 DM und private Spenden über 32.800 DM in die Kasse gespült hatten, während die Ausgaben lediglich bei 21.900 DM lagen; noch Anfang 1960 lagen auf dem Jubiläumskonto fast 24.000 DM, die erst nach dem Auszug des Max-Planck-Gymnasiums verausgabt wurden. Der finanzielle Erfolg wäre noch größer ausgefallen, hätte das Land nicht nur 600 DM beigesteuert.
Nicht ohne bittere Ironie hatte sich Direktor Müller Anfang 1958 an den Kultusminister Paul Luchtenberg (FDP) gewandt, nachdem das Ministerium lediglich 600 DM für die Festschrift beisteuern wollte, während das Kölner Drei-Königs-Gymnasium bei seinem 400jährigen Bestehen 1952 stolze 5.000 DM u.a. für deren Festschrift, die Fertigstellung einer Orgel etc. erhalten hatte: „Wir haben zwar nicht die jesuitische Tradition des Drei-Königs-Gymnasiums, wir sind immer gut evangelisch gewesen; aber das Gymnasium Bielefeldense hat hier in Ostwestfalen auch etwas bedeutet.” Müller bemühte nachfolgend ein hervorragendes Urteil über das Ratsgymnasium als erste unter den „gelehrten Anstalten” in Westfalen – von 1820 allerdings: „Was den Herren im rheinischen Köln recht war, sollte dem westfälischen Bielefeld billig sein.”
Zwar berief sich Müller auf die protestantische Tradition des Gymnasiums, gleichwohl fand im Festprogramm auch ein katholischer Gottesdienst Platz.
Das 400. Jubiläum pendelte zwischen Tradition und Moderne, war aber auf jeden Fall ein finanziell gelungenes Unternehmen, was jedoch kaum das primäre Ziel gewesen sein dürfte. Diektor Müller bilanzierte in einem Brief an einen Kollegen in Süddeutschland: „Es war eine große Sache […]. Nun liegt die Krönung meines Lebens hinter mir. Was sonst noch kommt, ist ein müder Abgesang.”
»Quellen
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1154: Protkollbuch der Lehrerkonferenzen (1952-1958)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1357: Die 400-Jahr-Feier der Schule 1958 (1957-1958)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1358: Die 400-Jahr-Feier der Schule 1958, Vorarbeiten und Beiträge zur Festschrift; Schriftwechsel (1957-1959)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1374: Die 400-Jahr-Feier der Schule 1958, Korrespondenz (1958-1960)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1376: Korrespondenz mit Ehemaligen und Spendenangelegenheiten zur 400-Jahr-Feier der Schule 1958 (1956-1958)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1379: Glückwunschblätter zur 400-Jahr-Feier des Gymnasiums von der Deutschen Schule Tokio und vom Gymnasium Oerlinghausen (1958)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1420: Die 400-Jahr-Feier der Anstalt, Korrespondenz (1958)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1448: 400-Jahr-Feier der Anstalt, Festprogramme und Spendenaufruf (1958)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 150,14/Ratsgymnasium, Nr. 1698: Verschiedenes (1963-1969)
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 400,1/Westermannsammlung, Sch 110b, Bd. 1
- Stadtarchiv Bielefeld, Best. 400,3/Fotosammlung, Nr. 61-12-1: Oberbürgermeister Artur Ladebeck
»Literatur
- Altenberend, Johanns/Wolfgang Schröder (Hg.), DEO ET LITERIS. Schule mit Geschichte – Schule mit der Zeit. Festschrift zum 450-jährigen Jubiläum des Ratsgymnasiums Bielefeld, Bielefeld 2008
- Die alten Lehrer leben im Spiegel der Erinnerung ihrer ehemaligen Schüler, Artikelserie aus dem Westfalenblatt, Bielefeld 1958
- Festschrift zum 400-jährigen Jubiläum des Staatlich-Städtischen Gymnasiums zu Bielefeld, Bielefeld-Bethel 1958
- Poppe, Wilhelm, Aufstieg und Niedergang – 30 Jahre Geschichte des Staatlich-Städtischen Gymnasiums Bielefeld, Bielefeld 1958
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