27. September 1968: Das „Richard-Kaselowsky-Haus – Kunsthalle der Stadt Bielefeld“ wird eröffnet
Von Bernd J. Wagner, Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Bielefeld
Es sollte das wichtigste Fest des Jahres werden: 1.200 Gäste waren zur Einweihung der Kunsthalle, die von dem Unternehmer Rudolf August Oetker gestiftet worden war, eingeladen worden. Das Festprogramm sah die Eröffnung der Ausstellung „Deutsche Expressionisten” aus der Sammlung des Amerikaners Morton D. May vor und abends in der Rudolf-Oetker-Halle die Uraufführung des Klavierkonzertes Nr. 2 von Hans-Werner Henze unter der Leitung von Bernhard Conz mit dem berühmten Pianisten Christoph Eschenbach. Das Konzert war 1967 für diesen Anlass von der Stadt Bielefeld in Auftrag gegeben worden. Bereits in der Planungsphase der Kunsthalle war nicht mit Superlativen gespart worden. Als die Pläne des bedeutenden amerikanischen Architekten Philipp Johnson vorgestellt wurden, schwelgte die Presse, dass das Bielefelder Museum „in ganz Europa ohne Beispiel sein” werde. Diese Meinung wurde im September 1968 auch von der französischen Künstlerin Sonia Delaunay geteilt: „Ich wünschte, wir hätten es in Paris!” Der 27. September 1968 hätte also der von allen Seiten gewünschte Festtag werden können, der Name der Kunsthalle, Richard-Kaselowsky-Haus, ließ aber alle Planungen wie ein hochsensibles Kartenhaus zusammenstürzen. Die Geschichte der Kunsthalle ist gleichsam eine Geschichte des sozialen Protestes, der Ambivalenz von alten und neuen Werten, des Konfliktes „der Jugend” gegen ältere Generationen, für die das Jahr 1968 ein Symbol geworden ist. Neun Jahre zuvor war davon noch keine Rede.



