Braker Kirche

Braker Straße
In den Jahren 1908/1909 regte Pastor Emde, der seit 1906 als Hilfsprediger in Brake eingesetzt war, die Errichtung einer Kirche an der Braker Straße an. Emde kritisierte, dass sich die Einwohner Brakes zum Kirchgang in verschiedene Gruppen unterteilten. So besuchten einige den Gottesdienst in Herford, andere gingen nach Schildesche.
Seit 1907 führte er jeden Sonntag den Gottesdienst in der Schule gegenüber der heutigen Ev. Kirche Brake durch. Ein Glockenstuhl auf dem Schulhof läutete zum Gottesdienst und rief die Gläubigen zusammen. Da die Räumlichkeiten in der alten Schule aber nicht ausreichten, regte er den Bau einer eigenen Kirche in Brake an.

Die Realisierung des Bauvorhabens schien nicht ganz leicht zu sein, denn von der Vertretung der Kirchengemeinde in Schildesche wurde es nicht unterstützt. Man war also gezwungen, die Kirche auf eigenes Risiko zu bauen und so wurde im Jahr 1907 der Kirchenbauverein Brake i.W. zur Unterstützung gegründet. Einer der Mitbegründer, Gutsbesitzer Hackemack, schenkte dem Verein den Bauplatz.

Im Jahr 1908 wurde der Architekt Joseph Campani - ein ehemaliger Mönch - beauftragt, die Bauzeichnungen anzufertigen. Um keine Zeit zu verlieren, begann der Bau der Kirche bereits am 26. Juni 1908, obwohl eine baupolizeiliche Genehmigung noch nicht vorlag. Diese wurde erst am 27. Oktober 1908 erteilt. Die staatliche Genehmigung, die für den Kirchenbau unerlässlich war, erteilte der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten im März 1909. Für die Zwischenzeit übernahm der Kirchenbauverein die Verantwortung. Außerdem verpflichtete sich der Verein zur baulichen Unterhaltung der Kirche bis zur Übereignung an eine Kirchengemeinde (dies geschah im Jahr 1952, als die selbstständige Kirchengemeinde Brake entstand).

Kirchenfenster
Wenige Tage nachdem der Grundstein eingelassen wurde, wurde die Braker Kirche am 13. Juni 1909 feierlich eingeweiht.

Das Mittelschiff der Kirche, die im romanischen Stil gebaut wurde, hat eine Länge von 21,50 m, eine Höhe von 9,85 m und eine Breite von 9,50 m. Das Seitenschiff hat eine Länge von 11,10 m und eine Breite von 4,80 m. Der Turm erreicht eine Höhe von 32,50 m. Für die Außenmauer wurden Ziegel und Bruchstein aus Sandstein des Teutoburger Waldes verwendet. Auf eine Ausmalung des Innenraumes wurde zunächst verzichtet.

Zwei Monate nach der Einweihung fand die kleine Glocke aus dem Glockenstuhl der Schule einen neuen Platz im Glockenturm der Kirche und wurde zusammen mit einer weiteren, größeren Glocke aufgezogen. Im Jahr 1957 wurde das Glockenspiel um eine dritte Glocke ergänzt und ein elektrisches Läutewerk installiert.

Mit der Zeit wurden Kirche und Ausstattung erweitert. Im Jahr 1922 wurde die Ausmalung des Innenraumes nachgeholt und zudem an der vorderen linken und rechten Seite zwei Ehrentafeln mit den Namen der aus Brake im Ersten Weltkrieg Gefallenen angebracht. Im Jahr 1924 wurde für 4.000 RM eine Orgel angeschafft, in den Jahren 1928/1929 das Pfarrhaus errichtet.

Während die alte Schule in Brake im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, blieb die Kirche fast unbeschädigt. Jedoch wurde bei späteren Renovierungsarbeiten festgestellt, dass sich die linke Außenwand durch die Kriegseinwirkungen etwas verzogen hatte.

Im Jahr 1953 fanden die ersten umfangreicheren Renovierungsarbeiten statt. Eine Deckenanhebung war erforderlich, die Ausmalungen wurden entfernt und die gemauerte Kanzel durch eine Holzkanzel ersetzt. An der westlichen Wand der Kirche wurden zwei neue Fenstergruppen angelegt und die Fenster im Altarraum zugemauert. Außerdem wurde hinter dem Altar ein schlichtes Holzkreuz angebracht.

Zu Beginn der 70er-Jahre wurde der Kirchturm saniert und das Kirchendach neu eingedeckt, bevor 1973 die nächste große Innenrenovierung folgte. Ziel war es, die Kirche wieder so zu gestalten, wie sie 1908/1909 erbaut worden war. Dafür wurden zugemauerte Fenster wieder geöffnet und im Altarraum eine Christusfigur am Kreuz angebracht. Die Tischlerei Niehaus stellte außerdem die Kanzel, den Taufstein, das Lesepult und den Altartisch neu her. Das verwendete Lärchenholz wurde in handwerklicher Tradition, also ohne Nägel und Schrauben, verarbeitet.

In einer nächsten, viermonatigen Innenrenovierung im Jahr 1993 gab es einen neuen Anstrich, die Kirchenbänke wurden aufgemöbelt und die künstlerischen Ornamente an der Empore wieder sichtbar gemacht.

Die Braker Kirche, die auf erhöhtem Gelände errichtet worden und daher von allen Seiten bereits aus der Ferne sichtbar ist, ist seit ihrem Bau das Wahrzeichen des Stadtteils Brake.