Peter- und Pauls-Kirche (ev.)

Heeper Straße 439
Das Zentrum des ehemaligen Kirchspiels Heepen bildete die zuerst aus Holz, später aus Stein erbaute Peter- und Pauls- Kirche, die zu den ältesten im Ravensberger Land zählt. Vermutlich um das Jahr 1000 wurde mit dem Bau der ursprünglichen Steinkirche auf dem Standort der vorherigen Holzkirche begonnen. Die ursprüngliche Steinkirche war viel kleiner als die heutige, bestand aus Findlingen und einem Sand-Mörtel-Gemisch und hatte 1,40 m dicke Mauern, was auf eine große Höhe schließen lässt.

Im Jahr 1230 wurde die Kirche zum ersten Mal erweitert. Von der weiteren Historie des Gotteshauses zeugen auch der Fund eines Baumsarges, die bis ins 13. Jahrhundert verwendet wurden und ein aus Holz geschnitzter Christuskopf im gotischen Stil, etwa auf 1330 datiert, der heute an der Altarwand seinen Platz gefunden hat. Die zweite Vergrößerung der Kirche fand im Jahr 1503 statt. Dabei wurde die Kirche auf vier Joche erweitert und die Deckengewölbe ausgemalt.

Im Jahr 1654 wurde die Kirche wiederum auf zwei dreigewölbige Schiffe ausgedehnt und die damaligen Besitzer des Gutes Milse, stifteten ein Altarbild. Der Chorraum wurde in eines der neuen Gewölbe verlegt. Reste der alten Apsis (halbrunde Nische) können im heutigen Chorraum angesehen werden.
Die Lübrasser Gutsfamilie von Grest stiftete 1701 ein Orgelprospekt und eine neue Orgel. Eine Kanzel und ein Baldachin wurden 1725 gebaut, 1744 wurde die Kirche umfassend repariert.

Grabplatte an der Kirchenmauer, Altarraum und Blick auf das Eingangstor

Grabplatte an der Kirchenmauer, Altarraum und Eingangstor

Da sich nach der Markenteilung in den Jahren 1780 bis 1790 die Heeper Bevölkerung rasch mehrte wurde die Kirche von 1835 bis 1837 um drei neue Joche auf die heutige Größe erweitert. An allen vier Innenseiten wurden Emporen angebracht, um für alle Besucher Platz zu schaffen. Alle Erweiterungen der Kirche erfolgten im spätgotischen Baustil. Das alte Dreifachpyramidendach wurde um 1900 durch das heutige Längsdach ersetzt.

Eine letzte große Umgestaltung erlebte die Kirche in den Jahren 1959 bis 1960, bei der zwei neue Seiteneingänge eingebaut, der alte Südeingang zugemauert und die Emporen entfernt wurden. Die Orgel wurde in das neue Südschiff umgesetzt. Im Zuge dieses Umbaus wurden große Teile des alten Mobiliars entfernt. Nur einige Reste konnten noch erhalten werden, wie zum Beispeil einige Bänke, deren Namensinschriften davon zeugen, dass in der Heeper Kirche jeder seinen festen Platz hatte.

Die großen adeligen Familien von den Gütern Lübrassen, Milse und Eckendorf hatten sogenannte Priechen, erhöhte Plätze, die nur von ihnen genutzt werden durften. Im Mittelschiff hatten die Bauern feste Plätze mit ihren Namensschildern. Je wohlhabender ein Bauer war, desto näher war sein Platz am Altar. Das einfache Volk hatte keine festen Plätze in der Kirche. Diese Art der Sitzordnung wurde erst mit Ende des ersten Weltkrieges aufgehoben.



› Der Altar
Nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges wurde der Altar im Jahr 1654 von den damaligen Besitzern des Gutes Milse, Christian und Theodor von Horst, zu Ehren ihrer Großeltern Jodokus von Varendorff und Anna von Meschede, gestiftet.
Der Altar ist im Stil der Renaissance gestaltet. In weichem Stein ist ein Bildnis der Kreuzigung Jesu eingearbeitet. Inschriften und Bildnisse zeugen von den Vorfahren der Spender.
Die Altarplatte stammt noch aus der Frühzeit der Kirche um das Jahr 1000. Sie ist mit zehn eingekerbten Weihkreuzen gestaltet und wurde bei allen Erweiterungen der Kirche immer wieder aufgelegt. 1954 wurde die Ummauerung erneuert und erhielt so ihr heutiges Aussehen.



› Grabplatte an der Ostseite der Kirchenmauer
Die Grabplatte stammt aus dem Grab des Pfarrers Franz Bernard Fürstenau, der 1678 in Hiddenhausen bei Herford geboren wurde und unter anderem auch Pfarrer in Heepen war, bis er 1744 verstarb. Das Grab lag unter der Sakristei. Der Stein wurde 1910 entfernt und an der Ostseite der Kirchenwand neu aufgestellt.

› Glocken
Die älteste der drei Glocken ist aus Bronze gegossen, 1500 kg schwer und stammt aus dem Jahr 1548. Die große Toten-Gedächtnisglocke wurde im Jahr 1952 als Ersatz für ihre im Krieg eingeschmolzenen Vorgängerinnen aus Stahl angefertigt und hat ein Gewicht von 1600 kg. Die Taufglocke aus dem Jahr 1952 ist ebenfalls aus Stahl und wiegt 600 kg.



› Eiserne Elle
An der Ostseite der Kirche neben der Sakristeitür ist eine Elle (65 cm) installiert worden. Sie wurde vermutlich zwischen dem 17. und dem 18. Jahrhundert angebracht und diente den Heepern als verbindliches Maß für ihre in Handarbeit hergestellten Spinnerei- und Weberei-Produkte.

Eiserne Elle an der Kirchenmauer

Eiserne Elle an der Kirchenmauer