Schelphof

Eckendorfer Straße 311
Derzeit entsteht rund um den Bioland-Betrieb ein Erlebnispfad Externer Link"KulturLand Schelphof", der dem Besucher die Landschaft / Natur und deren ökologische Nutzung näherbringen und zugleich zum Erlebnis machen soll.



Der Hof Schelpmeyer (ehemals Heepen Nummer 1) liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, eingegrenzt von Eckendorfer Straße, Altenhagener Straße, und Milser Straße sowie dem Schelpmilser Weg.
Der ursprüngliche Hof wurde vermutlich schon vor dem Jahr 800 zu sächsisch-heidnischer Zeit angelegt.
Die Tatsache, dass in unmittelbarer Nähe ein fließender Bach (die Lutter) floß, war zu damaliger Zeit von großer Bedeutung. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Standort des Hofes sehr bewußt gewählt wurde.

Neben Meyer zu Heepen und Lübrassen gehörte der Schelphof zu den größten und ältesten Heeper Höfen. Er stand seinerzeit im Rang eines Haupthofes der Bauernschaft Schelpmilse, die sich aus fünf Höfen zusammensetzte. Diese hießen: Schelpmeyer, Milse, (Stadtgut) Warntrup, Winkelmann und Otterpohl. Die beiden größten der vorgenannten Höfe wurden Namensgeber der Bauerschaft. Die Bezeichnung "Schelpmilse" ist somit nicht identisch mit dem Nachbarort Milse.

Der Hof Schelpmeyer wurde im Jahr 1269 erstmals namentlich erwähnt. Weitere Nennungen stammen aus den Jahren 1313 und 1491. Im Jahr 1556 - das sogenannte Ravensberger Urbar wurde erstellt - stammt eine schriftliche Erfassung von Abgaben "der auf den Höfen Sitzenden", dessen Auftraggeber der damalige Graf von Ravensberg war. Hier heißt es wie folgt:
"Johann Schelpmeyer, heelspan, ist Joachim van Grest (Lübrassen) mit Weib und Kindern eigen. Hat von Meinem gnedigen Herrn nichts, gibt oder dienet seiner fürstlich Gnade auch nichts. Zehenden: gibt van allem Land den Stift van Schildeßke den zehenden und auch den bloitzehenden. Dreibt in den Sondern ( Treibt in den Sundern )."

Als um 1700, schon in der preußischen Zeit, die Heeper Hausstätten mit Nummern versehen wurden, bekam der Hof Schelpmeyer die Nummer 1. Meyer zu Heepen als größter Heeper Hof hätte diese Einordnung eigentlich zugestanden. Da dieser aber ein lippischer Hof auf preußischen Territorium war, wurde er in der Hausnummernvergabe nicht berücksichtigt.



Torbogen
Wer mehr über das Gestaltungsmerkmal "Engel an Ravensberger Bauernhäusern" erfahren möchte, dem ist die Lektüre des gleichnamigen Buches von Gertrud Angermann - erschienen im F. Coppenrath Verlag Münster - zu empfehlen. Das Buch kann beim Stadtarchiv Bielefeld eingesehen werden.

Der Hof befand sich ursprünglich im Besitz der Familie von Grest, die ihn als Lehen von der Reichsabtei Herford bekam. Im Jahr 1719 wurde der Hof von der Familie Schelpmeyer für 1500 Taler, was zu damaliger Zeit eine unverhältnismäßig große Summe war, aus der Abhängigkeit freigekauft, unterlag somit keinen Zwängen mehr und war von da an abgabenfrei. Er gehörte zu den Sattelmeyerhöfen der alten Heeper Vogtei, deren Entstehungsgeschichte in weiten Teilen noch unbekannt ist. Als Sattelmeyer wurden engste Gefährten des Herzogs bezeichnet, die ihn auf Ritten zu Pferde begleiteten und ihm berittene Männer für Kriege zur Verfügung stellen mussten. Für diese Dienste waren sie von der Abgabe des Zehnt befreit und wurden bei Feierlichkeiten besonders geehrt. Es wird daher angenommen, dass die Sattelmeyerhöfe eine spezielle Sicherungsfunktion hatten. Im 19. Jahrhundert wurde der bäuerliche Betrieb durch Zukauf und Anpachtung von Ländereien wesentlich erweitert.

Im Jahr 1848 brannte der Hof ab. Das heutige Hauptgebäude der Hofanlage, ein Vierständer-Fachwerkhaus, wurde 1849 neu aufgebaut und ist in dieser Substanz noch heute erhalten. Das Gebäude steht heute unter Denkmalschutz. Besonders eindrucksvoll ist der reich verzierte Haupttorbogen mit Inschrift, "Schutzengeln" (Posaunenengeln) und Bemalungen.
Später wurde der Hof Otterpohl, einer der fünf ursprünglichen Hofstätten der alten Bauerschaft Schelpmilse aufgekauft.



Blick auf die Lutter

Blick auf die Lutter

Nachdem im Jahr 1932 Konkurs angemeldet wurde - es soll sich damals um das bisher größte Insolvenzverfahren eines landwirtschaftlichen Betriebes in Ostwestfalen gehandelt haben - musste das Anwesen schließlich zwangsversteigert werden. Käufer war zunächst der Fabrikant Ernst Hellemann aus Elverdissen. Die Anlage befindet sich seit 1959 im Besitz der Stadt Bielefeld. 1983 wurde das linke Stall- und Fachwerkgebäude abgerissen, so dass das symmetrische typische Erscheinungsbild verlorenging. Die 1986 gegründete Arbeitsgruppe Schelphof sorgt für die Erhaltung der natürlichen Umgebung der Hofanlage. Seit 1987 wird der Schelphof von Familie Fischer geführt, die die Anlage von der Stadt Bielefeld gepachtet hat (zuvor war Familie Güth Pächter des Hofes). Auf dem Hof wird ökologische Landwirtschaft und Landschaftspflege betrieben.

Der im Dezember 2000 gegründete Verein "Naturpädagogisches Zentrum Schelphof e.V." hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern und Erwachsenen ökologische Themen nahe zu bringen und den Naturraum rund um den Schelphof zu erhalten. Schulklassen können einen Tag auf dem Schelphof in Unterrichtsreihen einflechten, es finden außerdem verschiedene Workshops und offene Hofspaziergänge statt. Ein großer Bauerngarten mit heimischen Nutz- und Heilpflanzen gehört ebenfalls zum Hof. Das Gebiet rund um den Schelphof lädt zum Spaziergang oder zur Radtour ein. Es ist geprägt von kleinen Wäldchen, Wiesen, Feldern und einigen kleinen Teichen. Von der nahe gelegenen Wiesenstraße aus hat man einen schönen Blick auf den Bachlauf der Lutter.

Bauerngarten

Bauerngarten