Torbogen Hassebrock

Hassebrock, 33719 Bielefeld
Gasthof Hassebrock

Gasthof Hassebrock

Zwischen 1200 und 1250 entstanden aus dem Kampland (= sekundär genutztes oder nicht vollständig kultiviertes Ackerland) des Hofes Lübrassen, der über genügend Ländereien zur Eigenbewirtschaftung verfügte und zu damaliger Zeit die Bewirtschaftung der gesamten Fläche unwirtschaftlich gewesen wäre, die sogenannten Kamphöfe.

In Heepen entstanden seinerzeit sieben Kamphöfe:
  • Ruigsig - Heepen Nr. 7
  • Vahlkamp – Heepen Nr. 8
  • Fehring – Heepen Nr. 9
  • Quisbrock – Heepen Nr. 10, dessen Hofgebäudes als einziges der sieben Kamphöfe noch heute erhalten ist.
  • Hassebrock – Heepen Nr. 11, dessen Torbogen erhalten ist und am "Hassebrock" aufgestellt wurde.
  • Schröder – Heepen Nr. 12
  • Haase – Heepen Nr. 13, an dessen Stelle im Jahr 1833 das heute als Bezirksamt Heepen genutzte Gebäude errichtet wurde.
Die Heeper Kamphofgründer hatten maßgeblichen Anteil an der Besiedelung Heepens, da sie nicht nur ihre eigenen Hofstätten errichteten, sondern nach und nach auch Kotten und Wohnhäuser für andere schufen. Die Kamphöfe zahlten dem Meierhof Lübrassen Abgaben für das ihnen überlassene Land. Die Kamphofbauern hatten besondere Rechte und Vergünstigungen inne, wie zum Beispiel die Nutzung des als Dünger geschätzten "Flottes", einer Schlammablagerung der Lutter, oder ein besonderes Trauergeläut bei Beerdigungen.

Die Bauern der Kamphöfe fungierten zugleich als Schöffen für die Gerichtsbarkeit in der Heeper Gegend und waren an der Einführung der Reformation in der Heeper Kirche maßgeblich beteiligt. Ihr großer Einfluss machte sie zu geachteten und gleichzeitig gefürchteten Heeper Bürgern. Im Volksmund wurden sie als "Die Sieben Bösen" bezeichnet.

Der Kamphof Hassebrock erlangte im Laufe seiner Historie für Heepen eine besondere Bedeutung. Dem Urbar der Grafschaft Ravensberg aus dem Jahr 1556 ist zu entnehmen, dass der Hof seinerzeit aus lediglich 26 Scheffelsaat Land bestand. Die Größe des Landes war zur Existenzsicherung zu gering, da Abgaben an den Landesherrn und den Meierhof Lübrassen zu leisten waren.
Zwischen den Jahren 1780 und 1790 kam es zu einer Markenteilung und der Hof Hassebrock – Heepen Nr. 11 - vergrößerte sich um fünf Morgen auf dem Heeperholz. Das Bevölkerungswachstum in Heepen um 1800 eröffnete dem Ackerwirt und Höcker Heinrich Hassebrock zunächst die Chance ein Nebengewerbe in Form eines Kramladens und unwesentlich später einen Bier- und Schnapsausschank zu eröffnen. Das Anwachsen der Bevölkerung bedeutete gleichzeitig einen erhöhten Bedarf an Wohnraum, der nicht unmittelbar gedeckt werden konnte. So kam es, dass in Zeiten der Wohnungsnot schätzungsweise 80 Personen auf dem Hof Hassebrock lebten, da hier außer der Familie Hassebrock selbst noch sechs Spinnerfamilien und ein jüdischer Händler mit seiner Familie ein Zuhause fanden.

Im Jahr 1844 verstarb ein Mitglied der Familie als Spritzenmeister der Feuerwehr bei einem Brand an einem Schlaganfall. Mit Einführung des Postwesens wurde die Heeper Poststelle – das erste Heeper Postamt – auf dem Hof Hassebrock eingerichtet. Die Landwirtschaft spielte nunmehr eine sekundäre Rolle und wurde schließlich ganz aufgegeben.

Ein Bild des Gasthofes mit angebautem Kino aus den fünfziger Jahren.

Bild des Gasthofes mit angebautem Kino aus den fünfziger Jahren

Im Jahr 1860 wurde die Gastwirtschaft - das Bäckerhandwerk wurde hier ebenfalls ausgeübt - um einen Saalanbau, in dem auch Tanzveranstaltungen stattfanden und im Jahr 1885 sogar eine vierte Klasse der Volksschule eingerichtet wurde, erweitert. Später folgte eine Kegelbahn. Diese Lokalität mit Hotelbetrieb "Hotel zum Bahnhof" bildete über Jahrzehnte hinweg den gesellschaftlichen Mittelpunkt Heepens.

An der zentralen Lage und Bedeutung des Hofes sollte sich auch künftig nichts ändern, denn als im Jahr 1909 die Kleinbahnlinie Bielefeld-Brönninghausen - Endstation war der Runkelkrug, der übrigens im Jahr 1904 von einem Sohn des Hauses, Fritz Hassebrock, erbaut wurde - ihren Betrieb aufnahm, wurde Julius Hassebrock der erste Bahnhofsvorsteher des Heeper Bahnhofs, der genau gegenüber seines Hofes - am Lindenplatz - lag. Weitere Haltepunkte waren übrigens noch der Hof Meyer zu Heepen und Gut Lübrassen.
Am 30. April 1922 wurde der Betrieb der Kleinbahn bereits wieder eingestellt. Eine vorangegangene Unterschriftenaktion der Bevölkerung für den Erhalt bewirkte zwar einen Aufschub der Stillegung, verhinderte diese aber nicht. Nach dem Abbruch der Strecke im Jahr 1925 wurden die Schienen als Balken und Stützen in der Mühlenscheune der Wassermühle zu Bentrup verwendet. Sie sind noch heute zwischen dem Mauerwerk sichtbar.

Im Verlauf des Ersten Weltkriegs nutzte das Kriegswirtschaftsamt Saal und Scheune als Lager für Lebensmittel. Danach war Julius Hassebrock einige Jahre Gemeindevorsteher, verpachtete die Gastwirtschaft und betätigte sich als Händler für Getreide und Futtermittel. Vor dem Zweiten Weltkrieg übernahm er die Gastwirtschaft, welche ein beliebter Treffpunkt für Soldaten war, wieder. Der einzige Sohn der Familie, Gustav Adolf Hassebrock, verlor 1944 im Zweiten Weltkrieg als Soldat sein Leben.

1947 wich die Scheune des Hofes Hassebrock dem ersten Heeper Kino / Heeper Lichtspieltheater kurz "HELI" genannt, welches wiederum zu Zeiten, als mehr und mehr Fernseher in die Heeper Haushalte einzogen, zu einem Lebensmittelselbstbedienungsladen umgebaut wurde.
Nach dem Tod von Julius Hassebrock veräußerten die Erben das Anwesen an einen Glasgroßhändler, der es an eine Baugesellschaft verkaufte, welche schließlich im Jahr 1980 an dieser Stelle das Geschäftszentrum "Hassebrock" errichtete.


Aus diesem Grund kam es im Jahr 1979 zum Abbruch des alten Fachwerkhauses, dessen Erbauungsjahr mit 1728 angegeben war.

Der alte Torbogen des Hofes Hassebrock, für dessen Erhalt der Externer LinkHeimat- und Geschichtsverein Heepen e. V. sich seinerzeit erfolgreich einsetzte, hat seinen Platz an der ursprünglichen Hofstelle (an der nach ihm benannten Straße "Hassebrock") gefunden und kann dort besichtigt werden.