Mehr Sicherheit in Bielefeld: Bessere Hilfen für rückfallgefährdete Haftentlassene

Gemeinsames Pressegespräch am 03.07.2013
Das Projekt zur aufsuchenden Betreuung und Behandlung von psychisch erkrankten Haftentlassenen zwischen dem Land NRW (Justizministerium) und dem Evangelischen Krankenhaus Bielefeld (EvKB) ist endlich ausverhandelt.

Hintergrund dieser Verhandlungen war ein Konzept, das bereits 2009 gestartet werden sollte. Wegen erheblicher Bedenken in der Stadtgesellschaft, dass Bethel ein Schwerpunktort für Beratungen von ehemaligen Straftätern werden könne, war das Projekt zunächst auf Eis gelegt worden. Alle Experten waren sich jedoch einig, dass die Situation von psychisch kranken Haftentlassenen in Bielefeld verbesserungsfähig ist. Der Hauptausschuss der Stadt Bielefeld hatte im Januar 2011 eine entsprechende Bitte des Oberbürgermeisters an das Justizministerium befürwortet.
In der Folge fanden intensive Verhandlungen zwischen dem Justizministerium und dem EvKB statt, in denen eine aufsuchende Beratung für psychisch erkrankte Bielefelder Haftentlassene vereinbart wurde.
„Nachdem die Feinabstimmung gelaufen ist, konnte ich die Fördermittel für das EvKB freigeben”, so Ulrike Rothstein, Leitende Ministerialrätin im Justizministerium NRW.

„Die Anregungen aus Bielefeld –, ein aufsuchendes Angebot ohne zentrale Anlaufstelle nur für Bielefelder, die vor und nach der Haft in der Region sesshaft waren – wurden aufgenommen”, freut sich Oberbürgermeister Pit Clausen. „Die Sorge, dass verstärkt Haftentlassene nach Bielefeld kommen, ist damit ausgeräumt. Das Konzept der aufsuchenden Beratung macht eine zentrale Anlaufstelle unnötig, kein Stadtteil muss sich besondere Sorgen machen.”

„Wir gehen jetzt in die Startphase”, so Prof. Günther Wienberg, Vorstand von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel. „Wir nehmen Kontakt zu psychisch erkrankten Häftlingen auf, die in den Justizvollzugsanstalten sitzen und Anfang nächsten Jahres an ihren Wohnort in Bielefeld zurückkehren. Nach der Entlassung waren diese Menschen früher auf sich selbst gestellt und erfuhren keine therapeutische Hilfe”.

„Wir wissen aus dem Maßregelvollzug, dass eine Beratung und Behandlung die Rückfallgefahr deutlich mindert und erwarten hier nun denselben Effekt”, erläutert Dr. Carl-Ernst von Schönfeld, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, EvKB. „Die Betreuung am Ende der Haftzeit und zu Beginn der Zeit in Freiheit trägt deutlich zur Stabilisierung der Menschen bei und fördert die Aussicht auf ein straffreies Leben”.

„Genau deshalb ist dieses Konzept eine Verbesserung der Sicherheit in Bielefeld”, bestätigt Dr. Katharina Giere, Polizeipräsidentin. „Damit wird Opferschutz praktiziert, denn Prävention ist der beste Opferschutz”, macht die Polizeipräsidentin deutlich.
PDF-Dokument  [26 KB]Informationsvorlage der Verwaltung
für den Haupt- und Beteiligungsausschuss am 11.07.2013