Oberbürgermeister Pit Clausen bezieht Stellung zur Diskussion rund um die Einsparvorgaben für das Theater Bielefeld:

"Ausgangslage der erneuten Konsolidierungsrunde bis 2020 war die Einschätzung im Bielefelder Verwaltungsvorstand, dass die Stadt Bielefeld auf der einen Seite zwar erhebliche Beträge – konkret 31 Millionen Euro bis 2022 - sparen muss, um insbesondere freiwilligen Leistungen wie das Theater weiterführen zu können. Auf der anderen Seite wurde aber auch vereinbart, dass die Konsolidierung nicht auf Kosten von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Strukturen in den Kultureinrichtungen durchgeführt werden darf.

Der Verwaltungsvorstand hatte sich bereits im September 2014 darauf geeinigt, auch von Beteiligungen und eigenbetriebsähnlichen Einrichtungen der Stadt einen Konsolidierungsbeitrag in Höhe von fünf Prozent des Zuschussbedarfs einzufordern. Für das Theater, das mit seinen drei Sparten von der Stadt einen Zuschuss von gerundet 20 Millionen Euro jährlich erhält, hätte dies eine Einsparsumme von 1 Million Euro bedeutet. Ein solcher Betrag kann nicht eingespart werden, ohne substantiell in die Angebotspalette und die künstlerische Qualität einzugreifen. Dieser Aspekt wurde in einer Mitarbeiterversammlung im Januar 2015 ausführlich zwischen Verwaltungsspitze und Theaterbelegschaft besprochen. Im Haushalt 2015 war noch ein Einsparbeitrag von 800.000 Euro eingepreist, im Haushalt 2016 wurde der Betrag nach den Einwänden aus der Mitarbeiterschaft auf 600.000 Euro reduziert. Jeweils 200.000 Euro Einsparbeitrag wurden zum Umweltbetrieb und zum Immobilienservicebetrieb verlagert und „nur” 600.000 Euro Einsparsumme dem Theater zugeordnet.

Nicht nur im Verwaltungsvorstand, auch in den Sitzungen des Betriebsausschusses Bühnen und Orchester hat Dr. Udo Witthaus stets darauf hingewiesen, dass keine substantiellen und strukturellen Einschnitte geplant sind, um den Einsparbeitrag von 600.000 Euro zu erbringen. Der Verwaltungsvorschlag sieht insbesondere keine Arbeitsverdichtungen oder Abstriche in der künstlerischen Arbeit vor: knapp 400.000 Euro sollen durch Einnahmeerhöhungen erbracht werden. Oberbürgermeister Pit Clausen: „Diese Einnahmeerhöhungen sind auch vertretbar: Rund 200.000 Besucher jährlich beweisen, dass das Theater hervorragende Leistungen erbringt. Wenn diese Besucher im Schnitt zwei Euro mehr bezahlen, und zwar in zwei Preiserhöhungsrunden bis 2019, dann entspricht das eher einer ganz normalen Preisanpassung als einer Konsolidierung, wie wir sie in anderen Bereichen notgedrungen vornehmen.”
Die Aufwandssenkungen in Höhe von 200.000 Euro speisen sich aus Optimierungen bei Mieten, Energie, Abfall und Lagerkosten, also aus Positionen, die die unmittelbare Arbeit der Theatermitarbeiter nicht erschweren.
Gleichzeitig wird dem Theater fünf Jahre Planungssicherheit – also ein Jahr mehr als bei den bisherigen Laufzeiten - zugestanden, indem der städtische Zuschuss unter gleichzeitiger Übernahme der tariflichen Personalkostensteigerungen für fünf Jahre zugesichert wird.

Sowohl Witthaus als auch der übrige Verwaltungsvorstand schätzen das Theater und seine Arbeit als unverzichtbaren Leuchtturm in der Kulturlandschaft. „Um auch diesen Leuchtturm zu schützen, betreiben wir Haushaltskonsolidierung”, so Clausen. „Denn nur ein genehmigungsfähiger Haushalt, der in 2022 eine schwarze Null unterm Strich aufweist, ermöglicht uns die Fortführung gemeinsam mit den engagierten und erfolgreichen Mitarbeitern des Theaters.”