„Hilfe zur Selbsthilfe“

Ein Interview mit Simone Pott
Die Folgen des verheerenden Erdbebens vom 12. Januar 2010 haben Haiti als eines der ärmsten Länder der Welt besonders hart getroffen. Auf Initiative der Ratsparteien hat die Stadt Bielefeld am 28. Januar 2010 das Spenden-Projekt "Bielefeld hilft Haiti" beschlossen. Die Schirmherrschaft hat Oberbürgermeister Pit Clausen übernommen. Projektpartner ist die Welthungerhilfe, die seit 1974 in Haiti tätig ist. Wie man über Grenzen hinweg effizient helfen kann war Thema der Veranstaltung der Stadt Bielefeld am 24. Februar 2010, an der Thorsten Meier vom Technischen Hilfswerk, Dr. Volker Hausmann, ehemaliger Generalsekretär der Welthungerhilfe, und Simone Pott, seit 2009 Pressesprecherin der Welthungerhilfe, teilgenommen haben. Mit Simone Pott sprach die städtische Spendenkoordinatorin Susanne Tatje.

Frau Pott, Sie waren kurz nach dem schrecklichen Erbeben am 12. Januar in Haiti. Welche Situation haben Sie dort vorgefunden?
Simone Pott: Die Lage in Port au Prince glich einer Apokalypse. Überall stießen wir auf Bilder der Zerstörung: kaputte und eingestürzte Häuser, unter den Trümmern befanden sich noch viele Verschüttete, überall übernachteten Menschen unter freiem Himmel.

Wie wird die Welthungerhilfe auf Haiti aktiv?
Simone Pott: Zunächst haben wir in Port au Prince Nahrungsmittel und Wasser verteilt. Mittlerweile haben wir uns auf zwei Standorte südlich und westlich der Hauptstadt konzentriert. Dort werden sowohl Nahrungsmittel als auch Zelte und planen an bedürftige Familien ausgegeben. Parallel dazu beseitigen jeweils ca. 500 Arbeiter Schutt und Trümmer und bekommen dafür einen Monatslohn, mit dem sich die Familien ernähren können.

Experten sagen, dass die katastrophale Situation in Haiti nur bedingt etwas mit der Naturkatastrophe zu tun habe. Haben wir zu lange weggesehen?
Simone Pott: Haiti gehörte auch vor dem Erdbeben zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Infrastruktur lag am Boden, die Analphabetenrate lag bei fast 50 Prozent und das Land konnte seine Bevölkerung nicht ernähren.

Die Aktion der Stadt Bielefeld unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Pit Clausen will gezielt Akzente setzten und nachhaltige Aufbauhilfe ermöglichen. Sind wir damit auf dem richtigen Weg?
Simone Pott: Das ist der einzige Weg, der den Haitianern langfristig eine neue Perspektive aufzeigen kann. Die Soforthilfe in Form von Nahrungsmitteln und Zelten ist wichtig aber um das Land aufzubauen braucht es einen langen Atem und Projekte, die nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe” funktionieren. Dazu gehört auch, dass wir u.a. die Landwirtschaft so unterstützen, dass sich das Land viel stärker als bisher allein versorgen kann.

Unrealistischer Zeitdruck werde weder die Katastrophenhilfe verbessern noch einen sinnvollen Wiederaufbau fördern, sagen Experten. Trotzdem die Frage: Wie lange wird es in etwa dauern, bis wir den Spendern nachvollziehbar erklären können, wie und wofür ihr Geld verwendet wird?
Simone Pott: Die Vereinten Nationen sind in enger Absprache mit der haitianischen Regierung was den Wiederaufbau von staatlichen Gebäuden angeht und Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe klären mit den lokalen Behörden wie etwa einem Bürgermeister welche Schulen auf welchen Grundstücken hier errichtet werden können. All dies braucht Zeit, denn am Ende sollen ja Lösungen herauskommen, die Bestand haben. Ich denke, dass wir in einigen Monaten ganz konkrete Projektvorschläge vorlegen können.


»Grußwort des OB

zur Veranstaltung
am 24. Februar 2010