Burg und Festung Sparrenberg

Am Sparrenberg 38 a
Um das Jahr 1200 haben die Ravensberger Grafen die Sparrenburg erbaut und bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts als Residenz genutzt. Im 16. Jahrhundert begann der Ausbau der mittelalterlichen Burg zu einer der größten renaissancezeitlichen Festungen in Westfalen. Heute sind Burg und Festung das Wahrzeichen Bielefelds.


Von der Burg zur Festung

(Text: Michael Blomberg, Arbeitskreis Burg und Festung Sparrenberg)
Vor etwa 800 Jahren wurde auf dem Sparrenberg von den Grafen von Ravensberg die erste mittelalterliche Befestigungsanlage als neue Residenz errichtet.
1511 erbte Herzog Johann von Kleve die Grafschaft Ravensberg mit der Sparrenburg. Zu dieser Zeit verbreitete sich gerade die neue Technik der Feuerwaffen und Geschütze. Da die alte Burg diesen Waffen nicht gewachsen war, wurde sie zu einer modernen Festungsanlage ausgebaut. Davon zeugen noch heute die Rondelle an den Ecken der Festung, die mächtigen Kurtinenmauern, die sie verbinden und die Kasemattengänge, die zu den unteren Geschützstellungen und Lagerräumen führen.
Der italienische Baumeister Pasqualini entwarf ab 1554 noch die Bastion Scherpentiner mit ihrer imposanten Spitze an der Westecke.
Nach einigen Schäden beim Erdbeben 1612 war die Festung im 30-jährigen Krieg 1618 bis 1648 Schauplatz mehrerer gewaltsamer Besatzerwechsel. Die Holländer legten zu dieser Zeit zusätzliche Erdwälle als Außenwerke an. Nachdem die Festung 1679 ihrer letzten Belagerung standhielt, wurde 1738 ein Gefängnis auf ihr eingerichtet, das 1877 abbrannte.
1879 wurde die Anlage von der Stadt Bielefeld erworben. Schon ab 1830 richteten die Gefängnisinsassen große Teile der Ruinen wieder als Ausflugsziel her. So entstand 1842 auch der neue Aussichtsturm. Nach erheblichen Kriegszerstörungen 1944 wurden vor 50 Jahren Restaurant und Kiosk erbaut. So wurde die Burg und Festung Sparrenberg ein bedeutendes historisches Denkmal und eine beliebte Attraktion.

Ausgrabungen

(Text: LWL, Dr. Werner Best)
Im Jahr 2007 setzten umfangreiche Ausgrabungen auf der Sparrenburg ein, die für Deutschland einmalige Befunde freilegten. Auf dem nördlichen der vier Rondelle der Festung, dem Kiekstattrondell, war der originale Sandsteinfußboden der oberen Geschützplattform unter einer meterhohen Aufschüttung fast völlig unversehrt erhalten geblieben. Beeindruckend ist die Präzision mit der die vorgefertigten Platten in elf konzentrischen Ringen verlegt worden sind. Nach Südwesten schließt sich ein Gebäude von 40 m Länge und 15,40 m Breite an. Es gliedert sich in vier Räume, die jeweils von außen durch Tore erschlossen wurden und innen durch Türen miteinander verbunden waren. Das Gebäude diente als Zeughaus und ist im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts errichtet worden.
An den noch bis zwei Meter hoch erhaltenen Querwänden fallen je sieben Sandsteinkonsolen zur Aufnahme einer Deckenkonstruktion auf. Im vierten Raum wird der Zugang zu einer Brücke vermutet, die das vorgelagerte, westliche Windmühlenrondell ursprünglich mit der Festung verband.
Während der Festungsbau viele Spuren der mittelalterlichen Burg verwischte, ist der Keller eines Hauses aus dem 13./14. Jahrhunderts südwestlich des Bergfriedes erhalten geblieben.


Blick auf die Ausgrabungsarbeiten (Foto: LWL/M. Hahne)
Ein Blick vom Bergfried der Sparrenburg auf das Grabungsgelände zeigt die gewaltigen Ausmaße der aufgedeckten Gebäudestrukturen zwischen Kiekstattrondell (rechts) und Windmühlenrondell (hinter den Bäumen versteckt). In der Bildmitte über dem Raum 3 sind Grundmauern eines Pulverhauses von 1805 und links daneben die Ruine und die Grundmauern eines gleichaltrigen Magazins zu erkennen.

Die Sparrenburg und der Fledermausschutz - Das Umweltamt informiert

(Text: Arnt Becker, Umweltamt Stadt Bielefeld)
Neben den wichtigen historischen und touristischen Belangen ist die Sparrenburg auch für den Natur- und Artenschutz ein wichtiger Standort. Sie hat eine herausragende Bedeutung als Winterquartier für Fledermäuse und wurde daher von der Europäischen Union als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (kurz FFH-Gebiet) ausgewiesen.
Das nur etwa sechs Hektar große FFH-Gebiet umfasst die baulichen Anlagen der Sparrenburg und das ringsum liegende Parkgelände. Die unterirdischen Gewölbe (Kasematten) der Burg bieten mit zahlreichen tiefen Spalten und kleinklimatisch unterschiedlichen Bereichen ideale Vorraussetzungen für die Überwinterung von Fledermäusen. Aber auch zu anderen Jahreszeiten wird die Burg von Fledermäusen genutzt. Die Kasematten dienen als Schlafplatz, Zwischenquartier und Treffpunkt für die Balz, die umgebende Grünanlage auch als Jagdgebiet. Das FFH-Gebiet Sparrenburg ist eingebunden in den landesweit bedeutsamen Biotopverbund Teutoburger Wald / Egge.
In den letzten Jahren konnten insgesamt zwölf Fledermausarten im Bereich der Sparrenburg nachgewiesen werden, das sind zwei Drittel der in Nordrhein-Westfalen vorkommenden Arten. Als Arten von besonderem europäischem Interesse wurden die Bechsteinfledermaus, die Teichfledermaus und das Große Mausohr gefunden.

Für die Burganlage als FFH-Gebiet wurden die folgenden Schutzziele formuliert:
Erhaltung der Burg-Kasematten als unterirdisches Quartier Vermeidung von Belastungen und Beeinträchtigungen der unterirdischen Quartiere z.B. durch Lärm und Licht Erhalt und Förderung des Strukturreichtums und der Lebensraumqualitäten der umgebenden Parkanlage für Fledermäuse Erhalt und Förderung des Alt- und Totholzanteils und der Höhlenbäume in den waldähnlichen Baumbeständen.
Diese Schutzziele sind für alle Planungen und Aktivitäten an der Sparrenburg verbindlich und zu beachten.


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