Sprachbildung / Sprachförderung / Sprachkompetenz

Um aktiv am kulturellen und politischen Leben der Gesellschaft teilnehmen zu können, stellt Sprachbeherrschung eine Schlüsselkompetenz dar. Deshalb gehört die Vermittlung und Entwicklung von Sprachkompetenz zu einer der wichtigsten Aufgaben gegenwärtiger Schulpraxis.

Mangelnde Sprachkompetenz hat nicht nur negative Auswirkungen auf den Schriftspracherwerb (Rechtschreibung und Lesen), sondern auch auf andere Schulfächer (zum Beispiel: bei textgebundenen Mathematikaufgaben; beim Verfassen von Bewerbungen im Arbeitslehre-Wirtschaft-Unterricht, etc.).

Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung altersgemäßer Sprachkompetenz ist die Erzählsprache. Sie ist ein zentraler Baustein der Kommunikation. Zuhören ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Teilnahme am sprachlichen Austausch.


Projekt ´Wir erzählen – Sprachbildung und Sprachförderung auf neuen Wegen`
Das Projekt ´Wir erzählen – Sprachbildung und Sprachförderung auf neuen Wegen`, welches auf dem Berliner Projekt ”Erzählzeit”* und dem Lipper Projekt „Lippe erzählt”** basiert, verfolgt das Ziel einer bedarfsgerechten Sprachförderung als Konzept in bildungsrelevant stark belasteten Stadtgebieten. Es schließt sowohl die Primarstufe (Start in der 4. Klasse) als auch die Sekundarstufe I (Fortführung in der 5. Klasse) ein, um den Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe harmonisch zu gestalten.

Professionelle und ehrenamtliche Erzählerinnen und Erzähler, ebenso interessierte Lehrerinnen und Lehrer, nutzen das Erzählen als Zugang zu Sprachgebrauch und Sprachkompetenz. Das Erzählen wird als Mittel zur sprachlichen Auseinandersetzung eingesetzt. Als Inhalte dienen Märchen und Mythen, die in jedem Kulturkreis als Kulturgut vorhanden sind.

Unter dem Motto ´Erzählen – zuhören – weitererzählen` hören Kinder aus der Primarstufe und der Sekundarstufe I einmal wöchentlich internationale Märchen. Sie erzählen sie nach und erfinden eigene Geschichten. Aus Zuhörerinnen und Zuhörern werden Erzählerinnen und Erzähler, die Sprache als Schlüssel zur Welt erleben.
Die Erzählstunden sind in den Schulalltag eingebettet und finden im Klassenzimmer mit der ganzen Klasse statt.

Ziele des Projektes
  • Förderung der Weiterentwicklung der sprachlichen Kompetenz aller Schülerinnen und Schüler
  • Erweiterung der Sprach-, Erzähl- und Schreibkompetenz der Kinder in einem für die Kinder unbewussten (latenten) Lernprozess
  • Stärkung der Konzentrationsfähigkeit der Kinder
  • Heranführung der Kinder an Literatur durch künstlerisches Erzählen
  • Harmonisierung des Übergangs von der Primarstufe in die Sekundarstufe I durch Fortsetzung einer den Kindern bekannten Methode

Nutzen und Wirksamkeit
Kinder mit und ohne Migrationshintergrund
  • hören mit sichtbar emotionaler Beteiligung zu,
  • erinnern sich beim Nacherzählen an viele Details,
  • lernen strukturiert „mit einem roten Faden” zu erzählen und
  • können nach einem Jahr deutlich besser formulieren und sind sicher in der Anwendung der Interpunktion.

  • Das Erzählprojekt erreicht alle Kinder einer Klasse.
  • Es kann in jeder Schule eingesetzt werden.
  • Es bedarf keiner technischen Ausstattung.
  • Es ist in der Praxis flexibel.

Das Erzählprojekt wird in Berlin* und dem Kreis Lippe** schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich durchgeführt. Hier haben sich die Sprech- und Erzählkompetenzen von Schülerinnen und Schülern durch die Mündlichkeit - das Erzählen von Märchen und Mythen - außerordentlich verbessert. Die Auswirkung der verbesserten Sprachkompetenz führte in allen Schulfächern zu Verbesserungen.

* Projekt ´ErzählZeit` aus Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Kristin Wardetzky:
Externer Linkwww.erzaehlzeit.de

** Projekt ´Lippe erzählt` griff die Erfahrungen aus Berlin auf und förderte in den vergangenen drei Jahren 800 Kinder:
Externer Linkwww.stiftung-standortsicherung.de

Nachhaltigkeit
Durch die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern zur Erzählerin / zum Erzähler bleiben diese dem Projekt und der Schule erhalten, das Projekt wird im Schulprogramm verankert.

Methodik/Mittel
Die im vorliegenden Projekt beschriebenen Wirkungen lassen sich nur erzielen, wenn professionell ausgebildete Erzählerinnen und Erzähler zur Verfügung stehen. Das geplante Vorhaben ist daher nicht mit den in vielen Schulen vorhandenen „Vorleserinnen und Vorlesern” zu vergleichen oder zu bewerkstelligen. Dennoch sind derartige Aktivitäten ein guter Ausgangspunkt für eine Mitarbeit im Projekt.

Das Projekt ´Wir erzählen` wird seit Februar 2016 an der Hellingskampschule (Grundschule) in allen vierten Klassen angeboten. Das Projekt wird anfangs von professionellen und später von ausgebildeten ehrenamtlichen Erzählerinnen und Erzählern oder Lehrerinnen und Lehrern getragen. Diese präsentieren den Schülerinnen und Schülern in den wöchentlich stattfindenden Erzählstunden eine bildreiche und anspruchsvolle Sprache und ermutigen sie dazu, sich selbst in dieser Sprache zu üben. Das Erzählen wird als Mittel zur sprachlichen Auseinandersetzung eingesetzt.



Kontakt

Stadt Bielefeld
Amt für Schule -Bildungsbüro-
Neues Rathaus
Niederwall 23
33602 Bielefeld
Melanie Schwarz
Tel. 0521 51-5716
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