„Bücher schlagen Brücken“

Bielefeld ist Modellstadt beim generationenübergreifenden Lese-Projekt
v.l.n.r.: Gisela Stender (Senioreneinrichtung „Im Kapellenbrink“), Dr. Asta Christa Plänitz (Caroline-Oetker-Stift), Edith Echterdiek (Seniorenrat),  Georgia Schönemann (Amt für Schule), Christine Kranz (Stiftung Lesen)
Junge und ältere Menschen über Bücher ins Gespräch bringen und den Austausch zwischen den Generationen fördern, das ist Ziel des generationenübergreifenden Modellprojektes „Bücher schlagen Brücken”, das in Bielefeld im November 2009 gestartet ist. 50 Jugendliche aus verschiedenen Bielefelder Schulen beteiligen sich und lesen älteren Menschen in Senioreneinrichtungen Geschichten vor. Dieser Kontakt zwischen Jung und Alt sei wichtig, „damit sich die Generationen auch in Zukunft noch verstehen”, sagte Staatssekretärin Dr. Marion Gierden-Jülich während der Auftaktveranstaltung am 13. November 2009 im Bielefelder Rathaus. „Literatur und Vorlesen sind eine ideale Möglichkeit, einen lebendigen Austausch zwischen den Generationen herzustellen.”

Der demographische Wandel und die Veränderungen in den Familien erfordern neue Wege im Miteinander der Generationen, betonte auch Oberbürgermeister Pit Clausen, der sich besonders freute, dass die Stiftung Lesen und das NRW-Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration Bielefeld als Modellstadt ausgewählt haben. Bielefeld beschäftigt sich schon lange mit den Auswirkungen des demographischen Wandels und hat auf diesem Gebiet über die Jahre Erfahrungen und Kompetenz gesammelt. „In Sachen demographischer Wandel ist Bielefeld eine unserer Ideenschmieden”, lobte Staatssekretärin Marion Gierden–Jülich. Anliegen der städtischen Demographiebeauftragten Susanne Tatje ist dabei vor allem, die demographischen Veränderungen als Chance zu begreifen und aktiv mitzugestalten. „Ein wichtiges Ziel unserer demographieorientierten Stadtpolitik ist, den Zusammenhalt der Generationen zu stärken und die Begegnungen von Jung und Alt zu fördern.” Das generationenübergreifende Leseprojekt unterstütze dieses Ziel optimal.

Auch in den Schulen und Senioreneinrichtungen ist das Projekt begeistert aufgenommen worden. „Das Interesse bei den Jugendlichen war so groß, dass gar nicht alle berücksichtigt werden konnten”, sagt Georgia Schönemann, Abteilungsleiterin Schulentwicklungs- und Bildungsplanung im Bielefelder Amt für Schule. Die 50 teilnehmenden Jugendlichen gehen auf die Bosseschule und die Gymnasien am Waldhof, Heepen und Helmholtz. Die Jugendlichen erhalten zunächst eine Intensivschulung mit praktischen Tipps fürs Vorlesen. Anschließend besuchen sie Senioreneinrichtungen in Bielefeld und können in regelmäßigen Vorlesestunden über die Literatur mit den Älteren ins Gespräch kommen, Erfahrungen, Meinungen und Erinnerungen austauschen. Plus für die Schüler: Sie erhalten einen Vermerk im Zeugnis, dass sie ehrenamtlich an dem Projekt teilgenommen haben. Das Modellprojekt ist in Bielefeld gestartet, die Region Siegen wird zeitnah folgen. Bewährt sich die Idee, soll das Vorlesen auch in anderen Städten in NRW Schule machen.


»Eine Vorlesestunde
im Seniorenheim

Jugendliche kommen mit der älteren Generation über Literatur ins Gespräch