Rückblick auf den Demographie-Aktionstag in Bielefeld am 19.04.2008
Vorträge, Stadtrundgang, Theater und Ausstellungen: Bielefeld hat sich mit umfangreichem Programm an der ARD-Themenwoche „Mehr Zeit zu leben” beteiligt.
Schule, Arbeitswelt, Wohnen oder Freizeit – der demographische Wandel geht jeden etwas an. Beim Aktionstag in Bielefeld am 19. April diskutierten darum auch alle Generationen über die Zukunft einer Gesellschaft, die weniger, älter und bunter wird. Interessierte konnten sich auf ganz unterschiedliche Weise dem Thema nähern: bei einem Stadtrundgang, Ausstellungen, einer Diskussionsrunde oder Sportvorführungen. Das umfangreiche Programm, mit dem sich die Stadt Bielefeld an der bundesweiten ARD-Themenwoche „Mehr Zeit zu leben” beteiligt hat, ist federführend von der Demographiebeauftragten Susanne Tatje organisiert worden. Im Mittelpunkt des Aktionstages stand eine Podiumsdiskussion über die Zukunftsperspektiven von jungen Menschen.
»Jung in einer alternden Gesellschaft

In einer schrumpfenden Gesellschaft spielt Bildung eine zentrale Rolle. „Alterung bedeutet, in das Know-how der Jungen zu investieren”, sagte ZEIT-Journalistin Elisabeth Niejahr, die die Diskussionsrunde mit einem Vortrag zum Thema „Bildung als Zukunftschance” eröffnete. Vor allem bei der vorschulischen Bildung gebe es in Deutschland großen Nachholbedarf, genauso im Bereich Weiterbildung und lebenslanges Lernen. Schon heute fehlen gut ausgebildete Facharbeiter und Ingenieure, bestätigte Dr. Guido Sandler (eh. Firma Oetker). Auch Universitäts-Rektor Prof. Dr. Dieter Timmermann hielt ein Plädoyer für mehr Bildung: Je mehr Geld eine Gesellschaft in Bildung investiert, desto besser geht es ihr ökonomisch. Doch im Vergleich mit anderen Ländern ist die Investitionsquote in Deutschland verhältnismäßig niedrig, so Timmermann. Auf die schlechten Bildungschancen von Zuwanderern machte Kyriaki Argyriadou, Vorsitzende des Bielefelder Migrationsrates, aufmerksam. So finden sich an Haupt- und Förderschulen überproportional viele Schüler mit Migrationshintergrund. Ganztagsschulen könnten helfen, diese Kinder besser zu fördern, sagte Markus Lehrmann, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes.
Und wie sehen junge Menschen selbst ihre Zukunft in Bielefeld? In einer Zukunftswerkstatt haben 32 Jugendliche aus vier Bielefelder Schulen ihre Visionen und Träume in dem Video „Was lebst du?” zusammen gefasst. Überraschend: Neben guten Ausbildungsmöglichkeiten wünschen sich viele eine Familie mit Kindern und wollen heiraten. Bürgermeister Horst Grube begrüßte es, dass sich so viele Bürgerinnen und Bürger an der Diskussion über den demographischen Wandel beteiligen. In seiner Ansprache wies er darauf hin, dass sich die Stadt Bielefeld mit der Demographiebeauftragten Susanne Tatje bereits seit 2004 intensiv mit dem Thema befasst.
Und wie sehen junge Menschen selbst ihre Zukunft in Bielefeld? In einer Zukunftswerkstatt haben 32 Jugendliche aus vier Bielefelder Schulen ihre Visionen und Träume in dem Video „Was lebst du?” zusammen gefasst. Überraschend: Neben guten Ausbildungsmöglichkeiten wünschen sich viele eine Familie mit Kindern und wollen heiraten. Bürgermeister Horst Grube begrüßte es, dass sich so viele Bürgerinnen und Bürger an der Diskussion über den demographischen Wandel beteiligen. In seiner Ansprache wies er darauf hin, dass sich die Stadt Bielefeld mit der Demographiebeauftragten Susanne Tatje bereits seit 2004 intensiv mit dem Thema befasst.
»Demographischer Stadtrundgang
Ganz konkret wurde die demographische Entwicklung bei einem Stadtrundgang sichtbar. Die Teilnehmer erkundeten das alte Kamphofviertel in Bielefeld-Mitte und erlebten an ausgewählten Stationen, wie sich der Bevölkerungswandel in dem Quartier auswirkt. Erste Station war die Kindertagesstätte Nordpark. Hier haben 81 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund, Sprachförderung und vorschulische Bildungsangebote bekommen vor diesem Hintergrund eine ganz neue Bedeutung, sagte Sozialdezernent Tim Kähler. Bei einer Demonstration des Umweltbetriebs konnte die Gruppe dann hautnah erleben, wie schwierig für ältere Menschen selbst so alltägliche Dinge wie Straße fegen oder Mülltonne herausstellen sind. Für den Umweltbetrieb ist klar, dass sie sich auf eine älter werdende Bevölkerung einstellen müssen.

Um Zuwanderung und Integration ging es beim Besuch der Merkez Moschee, eine von zwölf Moscheen in Bielefeld. In Bielefeld leben schätzungsweise 30.000 Muslime, die meisten davon sind türkischer Abstammung. Mittlerweile hat in Bielefeld jeder 4. Bürger und jedes 2. Kind einen Migrationshintergrund, Tendenz steigend. Die Demographiebeauftragten der Stadt Bielefeld, Susanne Tatje, und der Historiker Thomas Niekamp haben den Demographischen Stadtrundgang entwickelt und inhaltlich in das Thema eingeführt. Ergänzend zum Rundgang präsentierten Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek Dokumente zur Zuwanderung nach Bielefeld Mitte des 20. Jahrhunderts und zur Integration von Flüchtlingen.
»Theater, Tanz, Ausstellungen und viel Sport
Einblicke in die Lebenswelt von Zuwanderern vermittelte auch die Ausstellung „Ich integriere mich von frühmorgens bis spätabends” von Hermine Oberück (Fotos) und Gertraud Strohm-Katzer (Texte). 30 Porträtaufnahmen und persönliche Statements erzählen, warum Menschen ihre Heimat verlassen haben und was es bedeutet, an einem fremden Ort neu anzufangen.
Kreativ haben sich auch ältere Langzeitarbeitslose mit dem Thema Demographie und Arbeitswelt auseinandergesetzt. In dem Theaterprojekt „Wen(n) die Muse küsst….” haben über 50-Jährige mit der freien Regisseurin Claudia Bieber Visionen von einer sinnvollen Balance zwischen Arbeit und Leben entworfen. Entstanden ist das Projekt in dem regionalen Beschäftigungspakt „Generation Gold”, der langzeitarbeitslosen Menschen über 50 neue berufliche Perspektiven eröffnen will. Und was bedeutet der demographische Wandel für den Sport? „Wir werden in den Vereinen nicht weniger, aber älter, bunter und weiblicher”, sagt Karl-Wilhelm Schulze, Geschäftsführer vom Stadtsportbund Bielefeld, der sich am Aktionstag mit verschiedenen Vorführungen beteiligt hat, z.B. einer Tanzdarbietung von Kindern und Senioren. Schulze fordert die Sportvereine auf, sich auf die wachsende Zahl älterer Mitglieder einzustellen und für diese Zielgruppe Angebote zu entwickeln, z.B. ein Mobilitätstraining für Hochbetagte. Beim Thema Integration spielt Sport ebenfalls eine wichtige Rolle. „Im Sport wird multikulturelles Miteinander gelebt”, sagt Schulze. Wie, das zeigten junge Kampfsportler unterschiedlicher Nationalitäten, die sich bei der Vorführung von Übungen auch ganz ohne Worte verstanden.
Kreativ haben sich auch ältere Langzeitarbeitslose mit dem Thema Demographie und Arbeitswelt auseinandergesetzt. In dem Theaterprojekt „Wen(n) die Muse küsst….” haben über 50-Jährige mit der freien Regisseurin Claudia Bieber Visionen von einer sinnvollen Balance zwischen Arbeit und Leben entworfen. Entstanden ist das Projekt in dem regionalen Beschäftigungspakt „Generation Gold”, der langzeitarbeitslosen Menschen über 50 neue berufliche Perspektiven eröffnen will. Und was bedeutet der demographische Wandel für den Sport? „Wir werden in den Vereinen nicht weniger, aber älter, bunter und weiblicher”, sagt Karl-Wilhelm Schulze, Geschäftsführer vom Stadtsportbund Bielefeld, der sich am Aktionstag mit verschiedenen Vorführungen beteiligt hat, z.B. einer Tanzdarbietung von Kindern und Senioren. Schulze fordert die Sportvereine auf, sich auf die wachsende Zahl älterer Mitglieder einzustellen und für diese Zielgruppe Angebote zu entwickeln, z.B. ein Mobilitätstraining für Hochbetagte. Beim Thema Integration spielt Sport ebenfalls eine wichtige Rolle. „Im Sport wird multikulturelles Miteinander gelebt”, sagt Schulze. Wie, das zeigten junge Kampfsportler unterschiedlicher Nationalitäten, die sich bei der Vorführung von Übungen auch ganz ohne Worte verstanden.
»„Mehr Zeit zu leben“ - Bielefeld setzt Akzente in der ARD-Themenwoche
Auch bundesweit hat die Stadt Bielefeld in der ARD-Themenwoche „Mehr Zeit zu leben” Akzente gesetzt: Die Demographiebeauftragte Susanne Tatje war Podiumsgast bei einem von ARD und Süddeutscher Zeitung veranstalteten Forum in München. Unter dem Titel „Schwarz, rot, grau - wie wollen wir altern?" diskutierte Susanne Tatje u.a. mit dem ehemaligen Münchener Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und der SZ-Buchautorin Nina von Hardenberg über die oft problematische Situation pflegebedürftiger alter Menschen und Möglichkeiten, ihre Lage zu verbessern. In der ARD-Sendung
„Bauen und Wohnen” wurden außerdem zukunftsweisende Wohnformen für Ältere aus Bielefeld gezeigt, zum Beispiel das von der Bielefelder Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft (BGW) entwickelte „Bielefelder Modell”. Es ermöglicht älteren Menschen auch bei hoher Pflegebedürftigkeit ein selbstbestimmtes Wohnen in der eigenen Wohnung. „Wir wohnen zukunftsfähig” lautet auch eines der Leitziele für Bielefeld, die die Demographiebeauftragte Susanne Tatje in ihrem Handlungskonzept „Demographischer Wandel als Chance” entworfen hat. In der ARD-Sendung wurde sie zu diesem Thema interviewt.


