Geschichte des Bielefelder Markthandels

Foto: W. Schlake, Bielefeld
aus: Reinhard Vogelsang – Bielefelds Weg ins Industriezeitalter

Marktbetrieb auf dem Neumarkt (1892), später „Schillerplatz” und heute „Niederwall"

Die Märkte bildeten sich im frühen Mittelalter hauptsächlich am Schnittpunkt wichtiger Handelsstraßen, bei Flussübergängen und neben politischen und kirchlichen Mittelpunkten. Diese Handelsplätze entwickelten sich dann meistens zum Mittelpunkt des städtischen Handels- und Wirtschaftslebens. Die Märkte wurden bald mit besonderen Vorrechten ausgestattet. Der Marktfriede wurde zugesichert und es entwickelte sich ein besonderes Marktrecht.

1214 erhielt Bielefeld das Stadt- und Marktrecht. Die Geschichte der Bielefelder Märkte beginnt, wie in den meisten anderen Städten, mit der Entwicklung der mittelalterlichen Jahrmärkte. Erstmalig fand ein solcher Markt 1338 vor und nach Johannis (24. Juni) statt – der Johannismarkt. Doch diese Einrichtung war nicht von Dauer. Erst die Oktoberkirmes im Jahre 1485 wird als nächstes in einem Freiheitsbrief über die Abhaltung eines Jahrmarktes in Bielefeld urkundlich erwähnt. Dieser Jahrmarkt war ein Kram- und Viehmarkt. Er fand später mehrmals jährlich statt.

Den Anstoß für die Abhaltung von Wochenmärkten gab in erster Linie eine in der Stadt auftretende Lebensmittelknappheit im Jahr 1717. Ein Befehlshaber der Miliz, Obrist Mosel, setzte sich für die Einführung der Wochenmärkte ein. Die Geburtsstunde des Bielefelder Wochenmarktes hatte geschlagen. Doch begann der Handel nur zögerlich. Denn in Bielefeld war das Leinengewerbe tief verwurzelt und einträglicher als der Anbau von Feldfrüchten. So wurde erst 1826 wieder von Wochenmärkten, die sonnabends in der Alt- und mittwochs in der Neustadt abgehalten wurden, berichtet.

Bielefeld liegt, wie 1894 von Brockhaus beschrieben, an der uralten Straße vom Rhein zur Elbe an einem Eingangstor durch den Teutoburger Wald in die Weserfestung. Aus dem ganzen Mindener und Ravensberger Land kamen fahrende Händler und Bauern nach Bielefeld. Mit Pferdefuhrwerken, auf Karren oder auf dem eigenen Rücken brachten Sie ihre Waren wie Korn, Früchte, Vieh, Butter, Käse, Schinken und Speck, Öl, getrocknetes und grünes Obst, Gartengewächse, Fisch, Flachs, Hanf, Heu, Stroh und Brennholz in die Stadt.

Der Markt wurde zuerst in der Breiten Straße abgehalten, später zog er zum Altstädter Kirchplatz und dann zum Alten Markt. Im Jahr 1870 wurde der Neumarkt fertig gestellt. Dort gab es, wie auch auf anderen Marktplätzen, keine festgelegten Stände, jeder Wagen fuhr dorthin, wo er Platz fand. Für die Verkäufer war es sehr wichtig, dass sie immer denselben Stand hatten. Die Verkäufer, die 20 – 30 km entfernt wohnten, mussten bereits um 22 oder 23 Uhr am Vorabend aufbrechen, um sich bei Ankunft in Bielefeld gegen 4 oder 5 Uhr morgens ihren festen Standplatz zu sichern. Dieser Missstand wurde durch eine neue Marktordnung, die am 01. April 1881 in Kraft trat, beseitigt. Die Händler bekamen einen bestimmten Platz zugewiesen und mussten dafür ein Marktstandgeld zahlen.1)

Westf. Zeitung vom 20.01.1936: „Hier im Mittelpunkt der Stadt blüht und gedeiht unser Wochenmarkt in schönster Weise. Nach Zehntausenden zählt an jedem Dienstag, Donnerstag und Sonnabend die Schar der Besucher."

Im Jahr 1903 wurde zusätzlich der Siegfriedmarkt auf dem Siegfriedplatz eröffnet. Anschließend kam im Mai 1934 der Ostmarkt auf dem Jakobuskirchplatz hinzu. Beide Märkte bestehen heute noch.

Während des 2. Weltkrieges wurde der Hauptwochenmarkt durch Bomben zerstört. Kurze Zeit nach dem Krieg richteten ihn die Händler aus eigenen Mitteln wieder her. Aufgrund der hohen Nachfrage wurden bis zu 300 feste Verkaufsstellen errichtet.2)

Ab 1966 und später mit der Eingemeindung selbständiger Gemeinden wurden immer weitere Nebenmärkte in den Bielefelder Stadtteilen errichtet: Sennestadt (1966), Senne (1967), Schildesche (1974), Heepen (1975), Jöllenbeck (1976), Windflöte (1976), Stieghorst (1976), Baumheide (1977), Ummeln (1980).

Der Neumarkt war bis 1992 der Hauptmarktplatz Bielefelds. Aufgrund einer Umgestaltung des Geländes zog er zum 01.03.1992 vorübergehend auf das Gelände des Kesselbrinks um, wo er noch heute abgehalten wird.
1) Vgl. Bielefelder Spiegel – Informationen aus Kultur und Wirtschaft, 1. – 15. Oktober 1972
2) Vgl. ebd.