Tunnel - Betriebstechnische Ausstattung


Entwässerung und Abwasseranalyse

Über ein an den Fahrbahnrändern eingebautes Schlitzrinnensystem werden im Tunnel anfallende Flüssigkeiten wie Schlepp- und Reinigungswässer oder auch Havarieflüssigkeiten aus Fahrzeugen zu zwei Abwasserbecken im Tunnel geleitet. Messsysteme in einem dazugehörigen Betriebsraum analysieren die Abwässer auf Öleintragungen und unzulässige Gaskonzentrationen.


Beleuchtung (Grund- und Adaptationsbeleuchtung, Lichtsteueranlage)

Der Tunnel ist mit einer Grundbeleuchtung ausgestattet, die unterbrechungsfrei mit Strom versorgt wird. Gleichzeitig dient die Grundbeleuchtung auch als Sicherheitsbeleuchtung für den gesamten Tunnel. Insgesamt sind 36 zweilampige Leuchten in der Nordröhre und 37 Leuchten in der Südröhre installiert. Damit in einem Schadenfall die Beleuchtung in einer Röhre nicht komplett ausfällt, ist jede Tunnelröhre in etwa drei gleichlange Versorgungsabschnitte unterteilt.

Bestückt mit je zwei 100 Watt-Lampen kann die Leuchtenleistung entsprechend der Anforderungen am Tag mit 100 Watt und in der Nacht mit 35 Watt betrieben werden. Die Umschaltung zwischen den jeweiligen Beleuchtungsstufen erfolgt über die Auswertung der Messungen der Photometer-Kamera der Lichtsteueranlage.

Innerhalb der Einfahrstrecken von Nord- und Südröhre befindet sich die Adaptationsbeleuchtung. Mit Hilfe der Adaptationsbeleuchtung sollen sich die Augen an die im Tunnel geringere Helligkeit gewöhnen. Die Adaptationsbeleuchtungsstrecken bestehen aus insgesamt 98 Leuchten mit Leistungsaufnahmen von 150 Watt, 250 Watt und 400 Watt.
Sind die Helligkeitsunterschiede im Zufahrtbereich des Tunnels und im Tunnel zu groß, wird die zulässige Geschwindigkeit im Tunnel automatisch auf 30 Stundenkilometer reduziert.


Optische Leiteinrichtung an den Fahrbahnrändern

Die Grundfunktion der selbstleuchtenden Markierungselemente ist die Kennzeichnung des rechten und linken Fahrbahnrandes. Sie sind in einem Abstand von etwa 25 Metern jeweils mittig zwischen den Brandnotleuchten montiert. Zur Ergänzung der Orientierungsbeleuchtung werden sie im Brandfall mit voller Leistung in Fahrtrichtung als auch entgegengesetzt der Fahrtrichtung eingeschaltet.

Brandmeldeanlage

Bei einem Brandfall im Tunnel wird der Brandort auf verschiedene Weise gemeldet:
  • über ein an der Tunneldecke montiertes Sensorkabel oder
  • über einen der 8 Handbrandmelder im Tunnel oder
  • die Kohlenmonoxid- und Sichttrübungsschwellenwerte in der jeweiligen Röhre über-schreiten festgelegte Grenzwerte oder
  • der Brandmelder im Kabelsteigeschacht (Verbindung zwischen Tunnel und Betriebsgebäude) zeigt einen Brand an.

    Die Brandmeldeanlage im Betriebsgebäude wertet die Meldungen aus und leitet die Brandmeldung (mit Lage der Brandstelle beziehungsweise des betätigten Handbrandmelders) automatisch an die Feuerwehrleitstelle weiter.


Brandnotleuchten

In Abstand von etwa 25 Metern sind Brandnotleuchten jeweils auf der Mittelwand des Tunnels montiert. Sie zeigen die Entfernung zu den beiden nächstgelegenen Notausgängen. Im Brandfall wird automatisch ein eingebauter 150 Watt-Strahler in der Leuchte als Orientie-rungsbeleuchtung eingeschaltet. Die Unterkante der Leuchten befindet sich in circa 1,20 Meter Höhe, um im Fall der Verrauchung des Tunnels die Leuchten möglichst lange erkennbar zu halten.


Kohlenmonoxid- und Sichttrübungsmessstellen

In jeder Tunnelröhre befinden sich insgesamt fünf Sichttrübungsmessstellen. Zwei Messstellen sind kombinierte Erfassungsgeräte, die auch den Kohlenmonoxidgehalt der Luft ermitteln. Diese Messstellen befinden sich circa in der Mitte und etwa 50 Meter vor der Ausfahrt der jeweiligen Tunnelröhre. Die Sichttrübungssensoren sprechen bereits bei einer geringen Rauchgasfreisetzung an, so dass automatisch die Tunnelröhren frühzeitig geschlossen werden.


Lautsprecheranlage

Über jeweils acht Gruppen mit je drei Lautsprechern in jeder Röhre und einem Lautsprecher im Bereich der Schranke an der Abfahrt Ernst-Rein-Straße ist es möglich, die Verkehrsteilnehmer über Durchsagen zu informieren. Die Informationen können in Form von direkten Sprachdurchsagen oder über gespeicherte Texte durchgegeben werden.


Fluchttüren

Fluchttüren
In Abständen zwischen 40 und 120 Metern befinden sich in der Tunnelmittelwand Türen. Die Türen sind wichtige Teile der Flucht- und Rettungswege, um bei Gefahr schnellstmöglich in einen sicheren Bereich wechseln zu können. Sichtfenster in den Fluchttüren und zusätzliche Hinweisschilder sollen auf den möglichen Fahrverkehr in der anderen Röhre aufmerksam machen. Die Oberfläche der Türen und eine Umrandung von 50 cm heben sich durch einen dunkelgrünen Farbton von der eigentlichen Tunnelwandfläche ab. Auf Grund einer Stufe kann die Tür 7 nicht als Fluchttür ausgewiesen werden und ist somit auch nicht farblich gekennzeichnet.

Jedes Öffnen einer Tür wird in der Leitzentrale angezeigt und die zulässige Geschwindigkeit in beiden Röhren automatisch auf 30 Stundenkilometer beschränkt.

SOS-Sprechstellen

In jeder Tunnelröhre befinden sich in gleichmäßigen Abständen jeweils vier SOS-Sprechstellen. An den Tunnelportalen befindet sich ebenfalls für jede Fahrtrichtung eine Sprechstelle. Bei Betätigung laufen die Meldungen direkt bei der ständig besetzten Leitstelle der Feuerwehr auf.
Die Türen der Notrufstationen im Tunnel sind in der RAL-Farbe verkehrsorange gestrichen. Zusätzlich wird auf sie durch das blaue Hinweisschild Notrufstation hingewiesen. Mit Öffnen der Schranktür wird die zulässige Geschwindigkeit in der betroffenen Röhre automatisch auf 30 Stundenkilometer beschränkt, weiterhin werden die gelben Rundumlichter unter den Hinweisschildern und gelbe Blinklichter an der Tunneleinfahrt eingeschaltet, um den nachfolgenden Verkehr vor einem möglichen Hindernis zu warnen.

Strahlventilatoren und Umkehrlüfter

Die Längslüftung des Tunnels besteht aus Strahlventilatoren, die in Fahrtrichtung betrieben werden. Durch die Kolbenwirkung der Fahrzeuge steht bei ungehindert fließendem Verkehr immer eine ausreichende Selbstlüftung der Tunnelröhren zur Verfügung, so dass die Ventilatoren nur ausnahmsweise, z. B. im Staufall bei erhöhten Kohlenmonoxidkonzentrationen oder der Überschreitung von Sichttrübungswerten eingeschaltet werden.

Zur Immissionsentlastung der Umgebung im Bereich der Walther-Rathenau-Straße sind am Ostportal sechs Strahlventilatoren mit angebauten Umlenkdüsen im Tunnel vorhanden, die bei hohem Verkehrsaufkommen Luft aus der Südröhre in die Nordröhre überführen.
Im Brandfall wird sowohl die Längs- als auch die Umkehrlüftung automatisch abgeschaltet, um eine Rauchverwirbelung durch die Strahlventilatoren und eine Rauchverschleppung aus der Süd- in die Nordröhre zu vermeiden.

In der Südröhre sind zwei und in der Nordröhre drei Strahlventilatoren eingebaut. Der zusätzliche Strahlventilator in der Nordröhre wird auf Grund des größeren Luftdurchsatzes beim Betrieb der Umkehrlüftung und der Kompensation des höheren Winddrucks auf das Westportal benötigt.

An jedem Lüfter ist ein Näherungsschalter montiert, mit dem die Befestigung des Lüfters überwacht wird. Verändert sich der Abstand durch einen Lüfterabriss oder durch die Berührung des Lüfters durch ein zu hohes Fahrzeug erfolgt eine Meldung an die Leittechnik und eine sofortige Sperrung der betroffenen Röhre oder beider Röhren.

Tunnelfunkanlage

Zur Information der Tunnelnutzer sowie der Rettungsdienste und der Polizei versorgt die Tunnel-Antennenanlage den Tunnel mit folgenden Sendern

1. Radio Bielefeld, 98,3 Mhz
2. WDR 2, 93.2 Mhz
3. Polizeifunk, 4-Meter-Band
4. Feuerwehrfunk, 2- und 4-Meter-Band


Verkehrsdatenerfassung

In den Fahrstreifen jeweils einmal vor den Tunnelportalen und an drei Stellen innerhalb der Tunnelstrecke sind Induktionsschleifen eingebaut. Die Detektoren sind als Doppel-Induktionsschleifen ausgeführt. Nach der Detektorauswertung erhält man Verkehrsdaten über die Anzahl der unterschiedlichen Fahrzeugarten (Pkw, Lkw oder Bus) als auch für die Erkennung von Stau und die Geschwindigkeitsermittlung.
Kurz hinter der Schranke in Höhe der Ausfahrt Ernst-Rein-Straße sind zwei Induktionsschleifen in der Fahrbahn eingebaut, die einen Stau erkennen. Bei einer entsprechenden Meldung wird an den Wechselverkehrszeichen auf dem Ostwestfalendamm ein entsprechender Hinweis angezeigt.
Alle Signale werden zur Leitzentrale übertragen, dort ausgewertet und zur automatischen Steuerfunktion (z. B. Vorgabe der zulässigen Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern bei hohem Verkehrsaufkommen) und für statistisch Zwecke herangezogen.


Videoanlage

In beiden Tunnelröhren sind jeweils acht feststehende Kameras installiert, so dass eine lückenlose Überwachung der Fahrbahnen und Notgehwege sowie die Bereiche vor den Fluchttüren und den SOS-Notrufstationen gegeben ist.

Über eine Kamera mit Schwenk-Neige-Kopf am Ostportal und zwei schwenkbare Kameras vorm Westportal können die Zu- und Ausfahrtbereiche des Tunnels eingesehen werden.


Die Bilder der Kameras werden in der Leitzentrale ausgewertet und können an den Arbeitsplätzen im Betriebsgebäude und bei der Feuerwehr jederzeit abgerufen werden.

Die automatische Bildaufschaltung im Alarmfall (z. B. Falschfahrer, Stau, liegengebliebenes Fahrzeug oder Personen im Tunnel) erfolgt ereignisorientiert oder durch externe Signale (z.B. Sichttrübungsalarm, Öffnung einer Fluchttür oder SOS-Tür).


Windgeschwindigkeitsmessanlage

Eine optimale Lüftersteuerung erfordert die Kenntnis der jeweiligen Luftströmungen in den beiden Tunnelröhren. Deshalb wird die Windgeschwindigkeit und die Windrichtung mit je einem Messgerät jeweils im Bereich der Tunnelausfahrten erfasst und als zusätzliches Kriterium für die Ansteuerung der Strahlventilatoren herangezogen. Die Messung der Windgeschwindigkeit und Windrichtung wird nach dem „Ultraschall-Laufzeitdifferenzverfahren” ermittelt.


Trockenleitung

Als Feuerlöscheinrichtung ist eine Trockenleitung im Tunnel vorhanden. Über Hydranten an den Tunnelportalen können die Leitungen mit Wasser befüllt werden, so dass im Ereignisfall Wasser direkt an den Entnahmestellen im Tunnel zur Verfügung steht.


Geschwindigkeitsüberwachung

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Tunnel beträgt 60 Stundenkilometer. Das derzeitige Verkehrsaufkommen erreicht an Werktagen innerhalb von 24 Stunden circa 40.000 Kraftfahrzeuge. Bei einem Geschwindigkeitsniveau von 60 Stundenkilometern im Tunnel ist die Wahrscheinlichkeit von Verkehrsunfällen als sehr gering einzuschätzen. Um diese Verkehrssicherheit zu erzielen und zu erhalten, sind vorm Westportal und jeweils in jeder Tunnelröhre digitale Kameras zur Geschwindigkeitsüberwachung installiert. Vor jeder Kamera ist für jede Fahrspur ein Blitz installiert. Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen erzielt man mit den beiden Anlagen im Tunnel durch die „Black-Flash-Technik” Bilder in einer sehr guten Bildqualität, ohne dass dabei der Autofahrer geblendet wird.