Bielefeld - Stadtgeschichte


Stadtgründung

Noch deutlich im heutigen Stadtbild zu erkennen ist der hufeisenförmige Grundriss der mittelalterlichen Stadt. (Städtisches Adressbuch 1868, Stadtarchiv Bielefeld)

Bielefeld ("Biliuelde") wurde im Jahr 1214 vom Graf Hermann von Ravensberg gegründet. Den Kern der Stadt bildete eine Kreuzung an alten Handelswegen in unmittelbarer Nähe eines Passes durch den Teutoburger Wald.

Bielefeld entstand als eine der zahlreichen Stadtgründungen im Mittelalter. Gründungen dieser Art erfolgten in der Regel, um die Herrschaft des jeweiligen Landesherrn zu sichern. Hermann von Ravensberg plante Bielefeld zugleich als Kaufmannsstadt. Die Stadtneugründung sollte dazu beitragen, die Wirtschafts- und Finanzkraft des Grafen zu steigern.

Zahlreiche Kaufleute aus der Umgebung und aus dem benachbarten Münster nutzten die ihnen vom Landesherrn in der neuen Stadt gebotenen Freiheiten und bestimmten seit dem 13. Jahrhundert die Entwicklung Bielefelds.

Die Stadt war, den mittelalterlichen Erfordernissen entsprechend, mit Mauern, Wällen und Wassergräben gesichert und dadurch, wie in jener Zeit üblich, vom Umland abgeschlossen. Der Zugang war nur tagsüber durch die Stadttore möglich. Das mittelalterliche Stadtbild Bielefelds prägten der Markt als wichtiges Handelszentrum (heute: Externer LinkAlter Markt), das Rathaus und die Kirche (Externer LinkAltstädter Nicolai-Kirche).

Die Sparrenburg



Die Sparrenburg um 1900 und heute.

Die Sparrenburg um 1900 und heute. (Foto: Stadtarchiv Bielefeld)

In den vierziger Jahren des 13. Jahrhunderts wurde wohl mit dem Bau der Externer LinkSparrenburg begonnen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1256.

Die Grafen von Ravensberg machten die Burg zum Verwaltungsmittelpunkt. Sie diente als Sitz des Amtmannes für das Amt Sparrenberg, des Drosten für die Grafschaft Ravensberg und als Wohnsitz des Landesherrn und seines Gefolges. Die Sparrenburg erfüllte außerdem militärische Zwecke. Zum einen sicherte sie den Pass durch den Teutoburger Wald, zum anderen schützte sie die Stadtneugründung Bielefeld. Das Aussehen der mittelalterlichen Burg unterschied sich deutlich vom heutigen Erscheinungsbild. Sie bestand anfangs lediglich aus einer 45 mal 85 Meter großen, rechteckigen Anlage. Durch eine Schildmauer wurde sie in eine Vor- und eine Hauptburg geteilt. Der Turm stand in der Mitte der Schildmauer. Daneben gab es vermutlich Wohngebäude, Lagerräume und Stallungen.

Die heute noch sichtbaren Festungsanlagen wurden erst Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet. Sie boten der Burg zeitgemäßen Schutz. Denn die alte Burganlage hätte einem Beschuss mit Kanonen nicht mehr standgehalten. An den vier Ecken gab es nun mächtige Rondelle und nach Westen hin einen spitzen Vorbau, den Scherpentiner. Die Rondelle verband man paarweise mit unterirdischen Gängen. Die Gangsysteme und Kasematten können heute teilweise besichtigt werden.

Die Sparrenburg überstand die Wirren des 30-jährigen Krieges unbeschadet. Sie wurde zwar mehrfach belagert, auch wechselten die Besatzungen, sie wurde aber nie erobert. Nach der Mitte des 18. Jahrhunderts setzte der Verfall der Burg ein. Das immer durchschlagkräftiger werdende Kriegsgerät hatte die Anlage militärisch nutzlos werden lassen.

Im 19. Jahrhundert begann im Zeichen der "Ruinen"-Romantik der Wiederaufbau. 1879 kaufte die Stadt Bielefeld die Burganlage für 8.934,90 Mark vom preußischen Staat. Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten präsentiert sich die Burg heute in einer imponierenden Gestalt.

Die Neustadt zwischen Burg und Altstadt

Für den Bau der Sparrenburg brauchte man zahlreiche Handwerker. Ein Großteil von ihnen siedelte sich wahrscheinlich zwischen der Stadt und dem Sparrenberg an. Aus diesen Anfängen entwickelte sich binnen recht kurzer Zeit vor den Toren der Altstadt die Bielefelder Neustadt. Die ungeplant gewachsene Siedlung der Neustadt wird erstmals 1293 im Zusammenhang mit der Errichtung des Marienstifts erwähnt. Dieses Stift entstand an der Neustädter Pfarrkirche. Sie wurde zur Familienkirche des Ravensberger Grafen Otto III. und seiner Gemahlin Hedwig und ihrer Nachfolger umgebaut. Drei Siedlungskerne lassen sich in der Neustadt ausmachen: die Stiftsimmunität, eine Handwerkersiedlung an der Breiten Straße und Adelshöfe um die heutige Kreuzstraße. Eine Mauer gab der Neustadt den nötigen Schutz.

Das spätmittelalterliche Bielefeld

Die Einwohnerzahl beider Städte hat vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit bei etwa 3.000 gelegen. Altstadt und Neustadt waren bis ins 16. Jahrhundert zwei voneinander unabhängige Städte mit eigener Verwaltung. Es gab also zwei Städte "Bielefeld". Sie wuchsen erst allmählich zusammen, bis sie im Jahr 1520 endgültig zu einer Stadt vereinigt wurden.

Bielefeld gehörte nach dem Aussterben der männlichen Linie der Grafen von Ravensberg seit 1346 zum Haus Jülich-Berg. Die Stadt konnte sich weit ab vom Sitz der neuen Landesherren ziemlich frei entfalten. Von den großen Fehden und Kriegen des späten Mittelalters blieb sie glücklicherweise verschont.

In der Stadt lebten vorwiegend Handwerker und Kaufleute. Bielefeld gehört seit dem 15. Jahrhundert der Hanse an, hatte aber keine auffällige Stellung innerhalb des Kaufmannsbundes. Trotzdem reichten die Geschäftsbeziehungen bis ins russische Nowgorod, eine der heutigen Partnerstädte Bielefelds.

Das Leinen spielte noch keine Rolle. Erst Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich die ländliche Hausspinnerei und -weberei allmählich zu einem berufsmäßig betriebenen Gewerbe. Leinen wurde zum Exportartikel und Bielefeld zur Leinenstadt.

Im Jahr 1502 gründeten Franziskanermönche ein Waldkloster am Jostberg. Aus unterschiedlichen Gründen, besonders aber wegen der großen Entfernung zur Stadt, gaben sie diesen Standort auf und fanden zunächst im Waldhof eine Unterkunft. 1511 bezogen Sie ein neues Gebäude am heutigen Klosterplatz. In der Externer LinkJodokus-Kirche ist als sehenswerter Kirchenschatz die Bielefelder "Schwarze Madonna" aus der Zeit um 1220 zu besichtigen. Der Bau am Jostberg verfiel bereits zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Heute sind nur die Grundmauern zu sehen.

Von der frühen Neuzeit bis zur Zeit der Industrialisierung

1648 fielen die Grafschaft Ravensberg und die Stadt Bielefeld an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm) und damit an das Haus Hohenzollern. Seit jener Zeit bis zum Jahr 1947 war Bielefeld Teil des Staates Brandenburg bzw. Preußen.

Im 17. Jahrhundert begann der Aufstieg des Bielefelder Leinengewerbes. Die Produktion von Garn und Leinwand hatte im Umland von Bielefeld ihren Schwerpunkt. Bielefeld selbst war eine Stadt des Leinenhandels. Eine starke Kaufmannschaft sorgte für einen florierenden Absatz und brachte der Stadt beträchtlichen Wohlstand. Leinen aus Bielefeld etablierte sich als fester Qualitätsbegriff, während benachbarte Städte vom Leinenmarkt verdrängt wurden. Der Export reichte bis nach England, Holland, Skandinavien und ins Baltikum. Auch auf dem nordamerikanischen Markt war Bielefelder Leinen ein begehrter Artikel.

Zu einem wichtigen Kontrollfaktor und Qualitätsprüfinstrument entwickelte sich die 1652 eingeführte "Legge". In dieser Prüfanstalt untersuchte man die Leinwand auf rechtes Maß und einwandfreie Verarbeitung, teilte sie in Kategorien ein und stempelte sie entsprechend.


Der Sitz der Bielefelder Legge und die Leggeordnung mit Siegel. (Foto: Stadtarchiv Bielefeld)

Trotz guter Qualität geriet das Bielefelder Leinenhandwerk nach 1830 in eine schwere Krise. Der Grund dafür waren die Konkurrenz der Baumwolle und die in Irland maschinell hergestellten Garne und Stoffe. Sie konnten billiger auf den Markt gebracht werden. Die heimischen handgesponnenen und -gewebten Garne und Stoffe konnten nicht mehr konkurrieren. Die finanzielle Not der Weber und Spinner verschärfte sich 1844 durch eine Ernährungskrise in der Region. In der Revolution von 1848 schlugen die aufgestauten Probleme in Unruhen um.

Bielefelds Weg ins Industriezeitalter

Das Industriezeitalter ist die Epoche, die das heutige Bielefeld wohl am stärksten geprägt hat. Immer wieder findet man den Hinweis, dass die Bielefelder Wirtschaft am "leinenen Faden" gewachsen sei. Ein genauerer Blick in die Geburtsstunde der Industrie verdeutlicht die Bedeutung dieses Ausspruchs.

1847 erhielt Bielefeld die Anbindung an die Köln-Mindener-Eisenbahn. Den Bahnhof baute man - für die damalige Zeit weit entfernt von der Stadt - in der nördlichen Feldmark. Er stand bereits an der Stelle des heutigen Hauptbahnhofes. Mit dem Eisenbahnanschluss wurde die Voraussetzung für die preisgünstige Anlieferung von Kohle - man brauchte sie als Heizmaterial für die Dampfmaschinen - und für den Abtransport der hergestellten Waren gegeben.

Auf Auslandsreisen hatten Bielefelder Kaufleute zahlreiche Erfahrungen gesammelt. Die Zukunft für die Garn- und Stoffproduktion schien im Betrieb von Fabriken zu liegen. Die Voraussetzungen für den Fabrikstandort Bielefeld mit einer Massenproduktion waren günstig. Es gab Flachs in unmittelbarer Umgebung. Zahlreiche billige Arbeitskräfte mit dem nötigen Verständnis für den Produktionsablauf standen mit den Handspinnern und -webern zur Verfügung.

Der erste Schritt zu einer Fabrikgründung wurde von Kaufleuten getan, deren Familie noch nicht lange in Bielefeld ansässig war: den Gebrüdern Bozi. Sie gründeten 1851 in Gadderbaum direkt an der Köln-Mindener Eisenbahn die "Spinnerei Vorwärts". Bis 1858 erreichte "Vorwärts" eine Kapazität von 8.000 Spindeln. Der große Durchbruch gelang den Brüdern Bozi jedoch vorerst nicht, weil sich Kapitalausstattung und Gesamtkapazität als zu gering erwiesen.


Die Ravensberger Spinnerei im Wandel der Zeit.

Die Ravensberger Spinnerei im Wandel der Zeit. (Foto: Stadtarchiv Bielefeld)

1854 wurde die Externer LinkRavensberger Spinnerei gegründet. Ein Teil der Bielefelder Kaufmannschaft trug neben dem Hauptinitiator Hermann Delius das Kapital für die Großspinnerei zusammen. Sie wurde als Aktiengesellschaft betrieben. Die Ravensberger Spinnerei stieg zur zeitweise größten Maschinenspinnerei auf dem europäischen Kontinent auf. In ihr liefen bis zu 20.000 Spindeln. "Wo Garne entstehen, können sie auch weiterverarbeitet werden". Dieser Gedankengang mag die Bielefelder Kaufleute bewegt haben, als sie 1862 konsequenterweise die Gründung der ersten "Mechanischen Weberei" in Bielefeld beschlossen. Hier konnten die produzierten Garne zu Stoffen weiterverarbeitet werden. Hervorragende Qualität und eine daraus resultierende große Nachfrage sorgten für rasche Erfolge.

Der Grad des Erfolges und die Kapazität dieser Fabriken lassen sich eindrucksvoll belegen. Im Jahr 1870 liefen etwa 11% aller Spindeln und Webstühle Deutschlands in Bielefeld.

Schließlich folgte die Weiterverarbeitung der Stoffe zu der weit über die Region hinaus bekannten "Bielefelder Wäsche". Um die
Jahrhundertwende begann die Umstellung der Handnäherei auf die industrielle Fertigung von Tisch- und Bettwäsche, Blusen und Hemden. Noch heute prägen bedeutende Firmen der Wäsche- und Bekleidungsindustrie die Bielefelder Wirtschaft.

Die verwendeten Maschinen mussten anfangs importiert werden. Im Laufe der Jahre wurden jedoch nach und nach immer mehr metallverarbeitende Fabriken gegründet, in denen die benötigten Maschinen vor Ort hergestellt wurden, und zwar sowohl die Dampfmaschinen und Werkzeugmaschinen als auch Arbeitsgeräte wie z.B. Nähmaschinen. Noch heute ist Bielefeld ein bedeutender Maschinenbaustandort (fünftgrößter Deutschlands).

Beispielhaft für die Entwicklung der Industrie in Bielefeld ist der Werdegang der Dürkopp-Werke. Nikolaus Dürkopp und Carl Schmidt waren beide als Mechaniker bei den "Koch's Adler Nähmaschinen Werken" angestellt. Sie verließen die Firma 1867 und gründeten die Nähmaschinenfabrik "Dürkopp & Schmidt". Als Schmidt nach wenigen Jahren ausschied, fand der Techniker Dürkopp in Richard Kaselowsky einen finanzstarken Partner. Die neue Fabrik erweiterte bald ihre Produktionspalette. Hergestellt wurden unterschiedliche Nähmaschinen, auch Spezialmaschinen z.B. für Schuhmacher und Sattler. Später kamen noch Fahrräder, Motorräder und sogar Autos, Lastkraftwagen und Autobusse hinzu. Heute produziert Dürkopp-Adler Industrienähmaschinen und Förderanlagen.

Auch die Nahrungsmittelproduktion wurde für Bielefeld bedeutsam. Dem Apotheker Dr. August Oetker, der zunächst Backtreibmittel in seiner Apotheke verkauft hatte, glückte Ende des 19. Jahrhunderts der große Wurf. Er entwickelte gebrauchsgerecht abgepacktes Backpulver. Die verbraucherfreundliche Verpackung der Produkte und umfassende Werbestrategien bildeten die Grundlagen für den Erfolg des heute weltweit bekannten Unternehmens.


Der Wandel vom Leinenhandelszentrum zur Industriestadt schlug sich auch im Stadtbild nieder. Besonders entlang der Bahnlinie und östlich des Stadtzentrums waren Fabriken entstanden. Neue Wohnviertel mit den heute noch das Stadtbild prägenden zwei- bis dreigeschossigen Häusern wurden aufgeschlossen. Repräsentative Gebäude wie das Rathaus und das mit Barock- und Jugendstilelementen gestaltete Theater, das Landgericht und die mit Motiven der Weserrenaissance ausgeschmückte Post, der Bahnhof im Jugendstil und die durch ihre hohe Kuppel weit sichtbare Synagoge wurden in den Jahren nach der Jahrhundertwende errichtet. 1900 fuhr erstmals eine Straßenbahn. Fast gleichzeitig eröffneten die Kleinbahnlinien, die Bielefeld mit den umliegenden Orten verbanden und der Arbeiterschaft ein günstiges Verkehrsmittel für den Weg in die Fabriken bot.

Bielefelder Stadtbahnen

Bielefelder Stadtbahnen. (Foto: Stadtarchiv Bielefeld)

Die Einwohnerzahl stieg in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich an. 1848 zählte Bielefeld 8.150 Einwohner. 1914 lebten 82.580 Menschen in der Stadt. Die Stadt begann auch nach außen hin zu wachsen: 1900 wurden Teile von Quelle und Gadderbaum - einschließlich der Sparrenburg - eingemeindet. 1907 kam das Johannistal mit Olderdissen hinzu.

Bielefeld wird Großstadt

Für Bielefelds Weg zur Großstadt stellte das Jahr 1930 ein wichtiges Datum dar. Besonders an Wohnungen fehlte es im bis dahin immer noch recht kleinen Stadtgebiet. Auch die sich weiter ausdehnende Industrie benötigte mehr und mehr Raum. Um den Platzbedarf zu decken, führte der damalige Oberbürgermeister Rudolf Stapenhorst zähe Verhandlungen mit den angrenzenden Gemeinden. Am Ende seiner erfolgreichen Bemühungen stand ein flächenmäßig erheblich vergrößertes Stadtgebiet. Zu den neuen Stadtteilen zählten die bis dahin selbständigen Gemeinden Schildesche, Sieker, Stieghorst sowie Teile Heepens und Gadderbaums. Durch die Eingemeindungen überschritt Bielefeld deutlich die Grenze von 100.000 Einwohnern. (1929 = 89.719 Einwohner, 1930 = 129.963 Einwohner).

Die NS-Zeit

Die Radikalisierung des politischen Lebens machte auch vor Bielefeld nicht halt. Bereits 1930 hatte es als erste deutsche Großstadt einen nationalsozialistischen Stadtverordnetenvorsteher. Das Jahr 1933 brachte die Nationalsozialisten im Bielefelder Rathaus endgültig an die Macht. Unter Zwang lösten sich alle übrigen Parteien auf. 1935 wurde ein führendes NSDAP-Mitglied Oberbürgermeister. Die hier rasch gebildeten Widerstandsgruppen von Kommunisten und Sozialdemokraten wurden aufgerieben. Hakenkreuze und braune Uniformen prägten das Bild der Stadt. Feste und Aufmärsche sollten die Macht des "neuen Deutschlands" demonstrieren.


Die Nationalsozialisten an der Macht, Deportation am Bielefelder Bahnhof.

Die Nationalsozialisten an der Macht | Deportation am Bielefelder Bahnhof. (Fotos: Stadtarchiv Bielefeld)

Am 10. November 1938 brannte die prächtige Synagoge an der Turnerstraße nieder. Sie wurde ein Opfer der von den Nazis inszenierten sogenannten Externer LinkReichskristallnacht. Zwar gelang es einigen der 900 Bielefelder Juden, rechtzeitig ins Ausland zu flüchten, viele aber gingen während des Krieges den Weg in die Vernichtungslager, wo nur ein kleiner Teil überlebt hat.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Wirtschaft auf die Erfordernisse der Rüstungsproduktion um. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter vor allem aus Polen, Russland und der Ukraine mussten die Arbeit in den Fabriken übernehmen. Etwa 10.000 Menschen sind in die Region Bielefeld-Halle verschleppt worden. Genaue Zahlen sind nicht bekannt.

Die ersten Bomben fielen im Juni 1940 auf Bielefeld. Dabei hielten sich die Schäden zunächst in Grenzen. Die schwersten Angriffe trafen das Zentrum im Jahr 1944. Besonders beim Luftangriff am 30. September wurden viele Gebäude in Schutt und Asche gelegt. Der Großteil der historischen Gebäude in der Altstadt fiel den Bomben zum Opfer. Über 600 Todesopfer waren alleine nach diesem Luftangriff zu beklagen. Mehr als 1.300 Menschen kamen während des Krieges in Bielefeld durch Bomben ums Leben. 15.600 Wohnungen waren beschädigt oder zerstört.

Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt

Am 4. April 1945 wehte vom Bielefelder Rathaus die weiße Fahne. Die Amerikaner nahmen an diesem Tag die Stadt ein, ohne dass sie auf Widerstand stießen. Ihnen folgten die Engländer und richteten eine neue Verwaltung ein. Die vielen evakuierten Frauen und Kinder kamen nun zurück, Soldaten kehrten heim, und es begann der Zustrom der Ostvertriebenen. Die Einwohnerzahl wuchs von etwa 127.000 vor dem Krieg auf 155.000 im Jahr 1950.

Bei der Besichtigung der Kriegsschäden stellte sich die Frage: historischer Wiederaufbau oder moderne Neugestaltung. In Bielefeld entschied man sich für den zweiten Weg. Im Rahmen des Wiederaufbaus blieben nur wenige historische Gebäude erhalten. Verbreiterte Straßen und dringend benötigter Wohnraum prägten diese Phase. Bielefeld erhielt ein neues Gesicht.

Bemerkenswert war der schnelle Aufbau der Industrie. Der alte Arbeiterstamm und die neu Zugezogenen wirkten dabei tatkräftig mit. Es begann ein Wirtschaftsaufschwung ohnegleichen. Die Vielseitigkeit der Industrie konnte zunächst wiederhergestellt werden. Die Textilindustrie verlor jedoch bald an Bedeutung. Schon in der Weimarer Zeit war es zu schweren Krisen gekommen, die 50er und 60er Jahre brachten für viele Betriebe das Aus. Auch der Fahrrad- und Nähmaschinenbau ging zurück, während das Dienstleistungsgewerbe im Wachsen begriffen ist. Wie alle Großstädte macht Bielefeld den Wandel vom Produktionsstandort zum Dienstleistungszentrum mit.

Jüngste Entwicklung

Seit 1969 ist Bielefeld Externer LinkUniversitätsstadt. Im Westen, unterhalb des Teutoburger Waldes, entstand ein Gebäudekomplex, der alle Fakultäten unter einem Dach vereint. Zentrale Begegnungsstätte ist die gut 300 Meeter lange "Große Halle". Die noch junge Bielefelder Universität genießt mittlerweile einen hervorragenden Ruf in der deutschen Hochschullandschaft.

Eine einschneidende Veränderung für die Stadt brachte die kommunale Neuordnung 1973. Der Landkreis Bielefeld wurde aufgelöst. Die bisher selbständigen Gemeinden in den Ämtern Heepen, Jöllenbeck und Dornberg, dazu Gadderbaum und Senne I sowie die Sennestadt und die Stadt Brackwede wurden Teil des Stadtgebietes Bielefeld.

Die Sennestadt blickt dabei auf eine besonders kurze Geschichte zurück. In der Nachkriegszeit musste das Problem der Wohnungsnot rasch gelöst werden. In der Senne vor den Toren Bielefelds fand man genügend Freiraum zur Bebauung. So entstand ab 1956 auf dem Gebiet der Gemeinde Senne II ein neues, modernes Wohngebiet. 1965 wurde die stetig wachsende Gemeinde von der Landesregierung zur Stadt, genauer gesagt: zur "Sennestadt", erhoben.

Seit 1973 gehört auch sie zur Großstadt Bielefeld. Die neue Stadt umfasst eine Grundfläche von 25.900 Hektar. Mit der Externer LinkGebietsreform wuchs die Einwohnerzahl auf über 300.000 an. Heute leben hier knapp 330.000 Einwohner. Die typische Struktur einer natürlich gewachsenen Großstadt fehlt Bielefeld. Zwischen dem Zentrum und den Außenbezirken gibt es nach wie vor viele Freiflächen; sie werden landwirtschaftlich oder als Erholungsgebiete genutzt.

1991 brach für Bielefeld ein neues Verkehrszeitalter an. Nach über zwanzigjähriger Bauzeit wurde die Bielefelder Stadtbahn eröffnet. Kernstück ist dabei eine knapp fünf Kilometer lange Tunnelstrecke im Innenstadtbereich, deren Ausbau vorerst im Jahre 2000 abgeschlossen wurde.


Bielefelder Architektur: Universität, Kesselbrink mit Skatepark, Kunsthalle, SchücoArena, Stadthalle.

Bielefelder Architektur: Universität, Kesselbrink mit Skatepark, Kunsthalle, SchücoArena, Stadthalle. (Fotos: Universität Bielefeld, Bielefeld Marketing GmbH)

Vor dem Jahrtausendwechsel haben der Bau der Externer LinkKunsthalle (1968), der Externer LinkStadthalle (1990), der Externer LinkSeidensticker Halle (1993), des Externer LinkHistorischen Museums (1994) und des Externer LinkMuseums Huelsmann (1995) im Ravensberger Park das architektonische Stadtbild auf markante Weise geprägt und das kulturelle Angebot für Stadt und Region um ein vielfaches erweitert.

2014 feierte die Stadt ihren 800. Geburtstag.


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Weitere Informationen

Bei Fragen rund um die Geschichte Bielefelds stehen das Stadtarchiv und die Landesgeschichtliche Bibliothek gerne zur Verfügung.

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