Grenzfestlegung

Grenzbach, Grenzbach mit Stein, Findling, Schnatstein (v.l.)

Die früheste und einfachste Form der Grenzfestlegung war die schriftliche Fixierung in einem Grenzvertrag. Rein textlich wurde die Schnat, eine ältere Bezeichnung für Grenze, als Trennungslinie zwischen zwei benachbarten Gebieten beschrieben. Dieses Verfahren war natürlich nicht genau genug. Deshalb verlaufen seit alters her Grenzen, sofern möglich, an Flüssen und Bächen. Nur in einem Fall nördlich von Altenhagen – bei Deterings Mühle am Stein No. 17 – kreuzt die Landesgrenze einen Bach, den Hellebach. Als Schnatzeichen kamen Kieserlinge (Findlinge) und große Bäume in Frage. Bild in neuem Fenster anzeigenGrenzprotokolle mit Kartenskizzen ergänzten das geschriebene Wort.

Mit preußischer Gründlichkeit wurde 1784 vorgegangen, als selbst Bachläufe mit Grenzsteinen versehen wurden. Dafür finden sich an den Oberläufen des Sussieksbachs und des Menkhauser Bachs mehrere Beispiele. Im Verlauf der Windwehe (auch Windweihe) am Gut Eckendorf wurde jedoch auf eine Setzung von Grenzsteinen auf einer Strecke von cirka zwei Kilometern verzichtet. Durch die sonst penible Grenzziehung kam es andernorts zu einigen kuriosen Grenzverläufen.

Karte 1784 von J. L. Graf (Original im Staatsarchiv Detmold)

Grenzbegehungen oder Schnatgänge, wie man diese Inspektionen früher nannte, waren des öfteren zusätzlich erforderlich. Sie wurden von lippischen und ravensbergischen Beamten gemeinsam durchgeführt, unter Hinzuziehung älterer, der Gegend kundiger Einwohner. Die Teilnahme einiger jüngerer Leute hatte den Zweck, dass sie später bei eventuellen Zweifeln Auskunft geben konnten. Zur Stärkung ihres Erinnerungsvermögens sollen in alten Zeiten auch Ohrfeigen verteilt worden sein, was die lippischen Akten allerdings nicht bestätigen. Zur Schnatgang-Vereinbarung

Je genauer eine Grenze festgelegt werden sollte, desto mehr Aufwand musste betrieben werden. Das galt in personeller und materieller Hinsicht. Für die ravensbergisch-lippische Grenzbegehung wurde extra eine Grenzkommission gebildet, die gründliche Arbeit leistete. Ergebnis war dann ein genaues Grenzprotokoll und eine exakte Kartierung. Der Landvermesser Graf und seine Messgehilfen aus Schildesche lieferten mit preußischer Gründlichkeit ein kartographisches Meisterwerk ab. Zur Grenzkommission