Landwehr/Zollkrug

Eine Landwehr, bestehend aus einem Graben und einem Erdwall, der früher außer mit Bäumen mit viel dornigem Gesträuch und Schlingpflanzen bewachsen war, markierte auch zwischen Ravensberg und Lippe auf weiten Strecken den Grenzverlauf.


Landwehr - schematische Darstellung
Die Landwehren hatten die verschiedensten Funktionen zu erfüllen: Dienten sie der Landesverteidigung, waren es mächtige Anlagen, die aus mehreren parallel verlaufenden, dicht bewachsenen Erdwällen und Gräben bestanden, also ein schwer zu durchdringendes Hindernis bildeten. Ein markantes Beispiel befindet sich in Gräfinghagen unweit der alten Grenze zwischen Ravensberg und Lippe, südlich der Oerlinghauser Straße.



Weg in einer Landwehr (Hohlweg)
Die Grenzbefestigung um Dörfer und einzeln gelegene Höfe bestand in der Regel aus einem Graben und einem Wall, dessen dichter, dorniger Bewuchs das eigene Vieh am Weglaufen hinderte und fremdes Vieh von ihren Feldern fernhielt. Auch Dieben konnten diese bewachsenen Wälle, auch Hagen genannt, ein Hindernis sein.
Die wenigen Durchlässe, Schlinge oder Schling genannt, waren durch mächtige Schlagbäume zu schließen. Durch diese Schlinge wurde der Verkehr geleitet und kontrolliert, am Schlagbaum musste Zoll- und Wegegeld entrichtet werden. Ein Beispiel dafür ist die Speckenschling mit dem Krug namens "Speckenbaum". Die Umwege, welche die Fuhrwerke wegen der Landwehren zu machen gezwungen waren, müssen beträchtlich gewesen sein.

Auf der hier beschriebenen Grenze sind außerdem
  • der Lockhauser Baum
  • die Sieventer Schlinge
  • der Kusenbaum mit Kusenkrug (lippisch) und Neuem Krug (ravensbergisch)
  • der Dammkrug
  • die Asemisser Schlinge (so genannt in alten Schnatbeschreibungen) mit dem Rollkrug
  • die Homer Schlinge
  • und der Durchlass in der Senne mit dem Bartholdskrug hervorzuheben.
Der Krüger an der Grenze bemühte sich um das Zollrecht als Nebenerwerb zu seiner Landwirtschaft. Das Krug- und Zollrecht musste sich der Bauer erkaufen. Der eingenommene Zoll wurde natürlich an die jeweiligen Regierungen abgeführt.

Nachdem man 1784 die ersten Grenzsteine an diesen Abschnitt gesetzt hatte, erübrigten sich die Wälle und Landwehren, sie wurden vermessen und an die Bauern verkauft, die sie größtenteils einebneten und als Ackerland nutzten. Nur in Waldgebieten sind heute noch Reste erhalten, wie die im Foto ersichtliche Partie in Lockhausen.