Bartholdskrug

Keine Grenze ohne Schmuggler! Auch an der ravensbergisch-lippischen Grenze in der Senne herrschte reges Treiben, ein Tummelplatz der Schmuggler, begünstigt durch die waldreiche und derzeit noch einsame Gegend. Zur Blütezeit des Schleichhandels, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, diente besonders der Bartholdskrug als Treffpunkt und Unterschlupf. Auf dem Kartenausschnitt von 1784 ist zu erkennen, dass zwei Krüge gegeneinander konkurrierten: Der (ältere) Jakobskrug und der Bertelskrug (eigentlich Bartoldskrug). Die gelbe Linie im Kartenausschnitt steht für den Hellweg, eine mittelalterliche Handelsstraße.

Kartenausschnitt von 1784



Bartoldskrug
Die Regierungen gaben die Rechte für die Zollnahme nur für fünf Jahre. So kam es zum Wechsel, wenn der Konkurrent seine Leistungen billiger anbot. Welche Rolle der dritte im Bunde, nämlich "Hüttemann" spielte (links in der Karte), ist unerforscht.
"Hier gib Zoll !" ermahnte ein Schild alle Vorüberkommenden an der Zollstation am Senner Hellweg.



Revidierte Zollrolle von 1780 (Auszug)
nach welcher der herrschaftliche Zoll entrichtet werden soll. 1. wann Landesprodukte als Korn, Wolle, Linnen, Steine evtl. außer Landes verfaren werden. 2. wann fremde Kaufmannsgüter mit fremden, Fuhrwerken durch oder vorbey passieren und nicht im Amte abgeladen werden.
Sodann wird bezahlet

1. von einem Fuder Korn, Wolle, Steinen, Linnen usw. auch
von einem Wagen mit futter Waren
1 Gr. 3 Pf.
2. von einer Karre, so damit beladen 1 " 1 "
3. von einem jedem Pferde - " 4 "
4. von einem Koppelpferde - " 3 "
5. von einer jeden Kuh, welche vom Markte kommt - " 3 "
6. von einem Schwein, welches vom Markte kommt - " 2 "
7. von einer solchen Ziege - " 2 "
8. von einer Trift Schafe oder Hammel zu 100 Stück 2 " - "
9. von einem Dreiling Paderbornschen Bier 1 " 3 "
10. sind auf einem Wagen 5 Dreilinge 7 " - "
11. von einem Juden mit einem Packen 1 " 3 "
12. von einem Fremden Juden der Leibzoll - " 3 "
13. von einem Strumpf- oder Messerkerl - " 1 "
14. von einem Bärenzieher für ihn und den Bären 1 " - "
15. von einem Packesel - " 2 "



Was erinnert uns heute noch an frühere Grenzen, ihre Landwehren und Schlagbäume? Außer Flurbezeichnungen und Straßenschildern wie Landwehrkamp, Am Speckenbaum oder Schlinghofstraße sind es insbesondere die Familiennamen, zum Beispiel Schnatmeier, Landwehr, Landwehrmann, Schlingmann, Bäumer, Hägerbäumer und Niebäumer, um nur einige zu nennen. Vom Hüten und Schließen des Schlagbaumes sind auch die Hausnamen "Hüttker", "Hüttemann" und "Schlüter" abgeleitet. Auch Ortsteilnamen wie Altenhagen und Kusenbaum zeugen von historischen Grenzverläufen.