Geschichte und Entwicklung des Botanischen Gartens

Ein Kleinod der Gartenkultur
Im Jahre 1910 erwarb die Stadt Bielefeld von der Familie Dreckshage das ursprünglich ein Hektar große Wald- und Wiesengelände am Südhang des Kahlenberges. Auf Vorschlag des damaligen Bielefelder Gartenbaudirektors Meyerkamp sollte hier der Johannisfriedhof Erweiterungs- möglichkeit finden.
Die Projektierung des Sennefriedhofs änderte jedoch die Situation. So konnte 1912 nach einem Plan von Paul Meyerkamp ein städtischer Garten entstehen, für dessen Konzeption zwei Gesichtspunkte prägend waren. Der Garten sollte Anschauungsmaterial für den naturkundlichen Unterricht der Schulen liefern und den Bürgern der Stadt als Schau- und Lehrgarten dienen.
Meyerkamp lehnte einen ausschließlich nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen eingerichteten Garten ab. Vielmehr verfolgte er das Ziel eines botanischen Bürgergartens mit heimischen und fremdländischen Pflanzen sowie gärtnerischen Zuchtformen, der neben der "Belehrung" auch der Erholung dienen sollte. Deshalb wandte er sich auch gegen eine Einfriedigung des Gartens. Die Anlage sollte öffentlich sein und der Allgemeinheit gehören. So ist der Garten bis zum heutigen Tage allen Besuchern jederzeit geöffnet.
Mittelpunkt des Gartens war zu allen Zeiten das aus dem Jahre 1823 stammende Fachwerkhaus, das zusammen mit dem Gelände von der Familie Dreckshage erworben wurde und den jeweiligen Leitern des Botanischen Gartens als Wohnsitz diente.

Die erste große Erweiterung des Gartens erfolgte 1914-1915 mit der Anlage des Alpinums mit etwa 500 verschiedenen Pflanzenarten.
Von 1925 bis 1927 wurde die Gartenfläche um weitere 2,5 Hektar nach Westen in den Wald hinein vergrößert, wo sich im Schutz von Eichen und Buchen im Laufe der Zeit prächtige Rhododendronbestände entwickeln konnten. Gleichzeitig entstanden ein Seerosenbecken und das Rosarium.

Innerhalb des Gartens gab es im Laufe der Jahre viele Veränderungen. Der kleine Teich vor dem Bauernhaus machte Sommerblumen und Staudenpflanzungen Platz. Das alte Rosenparterre fiel dem Krieg zum Opfer. An seine Stelle traten Anfang der 50er Jahre Beete mit Sommerblumen und eine Rasenfläche.

Zum 40. Geburtstag des Gartens 1952 zählte man bereits wieder rund 3000 verschiedene Pflanzenarten. Besondere Anziehungspunkte waren vor allem zur Blütezeit die Rhododendron- und Azaleenbestände, das Alpinum, das Seerosenbecken und seltenere Pflanzen wie z. B. Gunnera manicata - Nesselschirm, Sequoia gigantea - Mammutbaum.
Nicht nur Sommerblumen sollten das Interesse der Besucher wecken, sondern auch die heimische Pflanzenwelt. So wurden 1957 auf der nördlichen Waldseite des Botanischen Gartens die mit der Buche in Lebensgemeinschaft vorkommenden Pflanzen, wie Heckenkirsche, Seidelbast, Leberblümchen, Anemone, Bärlauch, Lerchensporn u. a. eingebracht.

1961 wurden die Demonstrationsflächen der heimischen Nutz-, Gift- und Arzneipflanzen verkleinert. Auf den freigewordenen Flächen entstand ein Heidegarten mit typischen Pflanzen wie Wacholder, Besenheide, Birke, Zwergkiefer und Trockenstauden.
Zum 50jährigen Bestehen erhielt der Botanische Garten 1962 im Bereich des Seerosenbeckens eine Rasenfläche mit Terrasse und Pergola, berankt mit vielfältigen Schling- und Kletterpflanzen. Gleichzeitig wurde auch das Wasserbecken vergrößert und restauriert.

Im Frühjahr und Sommer 1987 feierte der Botanische Garten sein 75jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass wurde auf der Terrasse oberhalb des Haupteingangs eine geologische Erdzeituhr eingefügt, die geologische Zeitabschnitte in unsere tägliche Zeitrechnung überträgt. Natursteine und Pflanzen aus den jeweiligen Zeitaltern stellen den Bezug zur erdgeschichtlichen Entwicklung dar.
Der Botanische Garten Am Kahlenberg ist über die Stadt Bielefeld hinaus als Kleinod der Gartenkultur bekannt und beliebt. Die Verbundenheit mit ihrem Botanischen Garten zeigten die Bielefelder Bürger mit der Gründung des Vereins "Freunde des Botanischen Gartens in Bielefeld e.V." am 21.03.1998.
Der Verein hat sich die Aufgabe gestellt, den Botanischen Garten als herausragendes Kulturgut zu fördern, für künftige Generationen zu erhalten und das Gartenerleben in seiner Vielfalt auch dem Stadtmenschen zu ermöglichen.