Multikulturelle Bestattungen

› Multikulturelle Bestattungen auf dem Sennefriedhof

In Bielefeld leben knapp 40.000 ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger. Immer mehr von ihnen entscheiden sich, ihren Lebensabend in Deutschland zu verbringen und sich hier bestatten zu lassen. Vor diesem Hintergrund richtete die Stadt Bielefeld schon vor über zehn Jahren zwei separate Grabfelder auf dem Sennefriedhof ein, die speziell für muslimische und yezidische Glaubensrichtungen vorgehalten werden. Ergänzt wird dieses Angebot seit 2004 durch ein Gräberfeld für Angehörige orthodoxen Glaubens. Die Anlage aller drei Grabfelder erfolgte in enger Abstimmung mit den religiösen Repräsentanten der drei Glaubensgemeinschaften, so dass den jeweiligen Ansprüchen entsprochen werden konnte.

Hinsichtlich der Gestaltung der Grabstätten sowie der Auswahl der Grabsteine werden von der Friedhofsverwaltung keine weitergehenden Vorschriften erhoben, da alle drei Gräberfelder als Felder ohne besondere Gestaltungsvorschriften ausgewiesen sind. Hier gelten lediglich die Mindestanforderungen an die Pflege der Grabstätten sowie die Standsicherheit der aufgestellten Grabmale. Den Hinterbliebenen soll es ermöglicht werden, die Grabstätten entsprechend ihrer religiösen Vorstellungen gestalten zu können.



Das islamische Gräberfeld auf dem Sennefriedhof

Muslimisches Grabfeld
Da nach islamischen Glauben Moslems nicht unter Nichtmoslems bestattet werden dürfen, wurde für die Anlage des moslemischen Grabfeldes eine separat liegende Fläche ausgesucht, auf der noch niemals zuvor bestattet worden war.
Die Ausrichtung der Grabstätten wurde derart vorgenommen, dass die Gesichter der Verstorbenen nach Mekka weisen. Innerhalb des Grabfeldes gibt es einen Bereich für Verstorbene unter fünf Jahren sowie für Erwachsene. Für die rituellen Waschungen stehen Räumlichkeiten in der Neuen Friedhofskapelle zur Verfügung.

Umfassende Informationen rund um das Thema „Islamische Bestattungen auf dem Sennefriedhof” hat die Friedhofsverwaltung im Umweltbetrieb - in Kooperation mit dem Interkulturellen Büro - in einem vierfarbigen Informationsfaltblatt für Sie zusammengestellt. Es ist kostenlos erhältlich beim Umweltbetrieb (Eckendorfer Straße 43 und 57), bei der Friedhofsverwaltung auf dem Sennefriedhof (Brackweder Straße 80), in der Bürgerberatung im Neuen Rathaus (Niederwall 23) sowie in allen Filialen der Bürgerberatung in den Stadtbezirken, im Interkulturellen Büro im Alten Rathaus (Niederwall 25), bei der Tourist-Information (Niederwall 23) und im moBiel-Haus am Niederwall sowie im Stadtarchiv, Rohrteichstraße 19.
Es sind zwei Sprachversionen erhältlich: PDF-Dokument  [863 KB]deutsch und PDF-Dokument  [948 KB]türkisch. Beide Versionen können Sie hier auch durch Anklicken der jeweiligen Sprache als PDF-Datei herunterladen.

Das yezidische Gräberfeld auf dem Sennefriedhof

Die Yeziden sind von der Volkszugehörigkeit Kurden, die hauptsächlich im Irak, Syrien sowie in der Türkei leben. Die rund 35.000 bis 40.000 Yeziden, die in Deutschland ansässig sind, haben sich vorwiegend in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen angesiedelt; etwa 3.000 davon leben im Raum Bielefeld.

Die yezidische Gesellschaft gliedert sich in Gruppen, die gegeneinander abgegrenzt sind. Darauf nimmt auch die Anordnung der Grabstätten, die nach der aufgehenden Sonne hin ausgerichtet sind, Rücksicht. Die Grabstätten sind reihenweise angeordnet; in einer Reihe werden Verstorbene der 1. Kaste, die „Sheikhs”, in der nächsten Reihe die der „Pirs” sowie in der dritten die der „Merits” beigesetzt.

Fast immer haben die Grabstätten der Männer zusätzlich zum Grabstein am Kopfende einen zweiten am Fußende, die Grabstätten yezidischer Frauen hingegen stets nur den „Kopfstein”. Der „Kopfstein” ist zumeist mit dem Symbol der Sonne geschmückt, das der Kennzeichnung der yezidischen Religion dient.

In der Neuen Friedhofskapelle stehen Räumlichkeiten für die rituellen Waschungen zur Verfügung.



Das orthodoxe Gräberfeld auf dem Sennefriedhof

Orthodoxes Grabfeld
Christliche Kirchen, die im frühen griechischen Kulturraum entstanden oder dort gegründet worden sind, nennen sich orthodoxe Kirchen (von griechisch ορθος, richtig oder geradlinig, und δοξα, Lehre oder Verehrung). Sie sind nach der katholischen Kirche weltweit gesehen die zweitgrößte christliche Konfession.

Das neu angelegte Gräberfeld auf dem Sennefriedhof steht allen Personen orthodoxen Glaubens (serbisch, russisch, griechisch), sowie unter bestimmten Bedingungen auch Moslems und Katholiken aus gemischten Ehen für Bestattungszwecke zur Verfügung. Vorab muss eine Bescheinigung vorgelegt werden, der zu entnehmen ist, dass der/ die Verstorbene Mitglied einer orthodoxen Kirche war. Die Bescheinigung wird durch die serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde (Herrn Smilijic, Wellensiek 69 a, 33619 Bielefeld) ausgestellt. So kann eine missbräuchliche Nutzung durch Andersgläubige verhindert werden.