Bielefelder Beitrag zum Wettbewerb „KWK-Modellkommune“

Der Wettbewerb ist Teil des landesweiten 250 Millionen Euro umfassenden KWK- Impulsprogramms, mit dem die Landesregierung NRW das Ziel verfolgt, den Anteil des Stroms, der mit KWK-Anlagen erzeugt wird, bis 2020 landesweit auf mindestens 25 Prozent zu erhöhen.
An dem Wettbewerb beteiligten sich in der ersten Stufe im Januar 2013 insgesamt 51 Kommunen mit einem Grobkonzept. Eine Jury wählte 21 Konzepte aus, die eine Förderung für die Ausgestaltung eines handlungsorientierten und umsetzungsfähigen Feinkonzeptes vom NRW-Klimaschutzministerium erhielten. Unter diesen befand sich auch das Bielefelder Konzept eines Bürgernetzes für die Sennestadt.

Die Sennestadt ist 1954 nach Entwürfen des Stadtplaners Hans Bernhard Reichow in der Heidelandschaft im Süden von Bielefeld entstanden. Wie viele Großwohnsiedlungen dieser Zeit hat auch die Sennestadt mit einigen Problemen zu kämpfen. Bereits im Jahr 2006 hat die Stadt Bielefeld mit städtebaulichen Entwicklungskonzepten und energetischer Stadtsanierung begonnen. Nun folgte das KWK-Modellprojekt. KWK steht für Kraft-Wärme-Kopplung. Mit dieser Technik werden Strom und Wärme vor Ort im Quartier mit Blockheizkraftwerken erzeugt und verteilt. Gebäudesanierung und KWK können so schrittweise und folgerichtig aufeinander abgestimmt werden.

Die Stadt Bielefeld hatte unter Federführung des Umweltamts nach einer europaweiten Ausschreibung die Arbeitsgemeinschaft Stadtwerke Bielefeld GmbH und Jung Stadtkonzepte, Köln, mit der Erstellung des Konzepts beauftragt. Die Dezernate für Umwelt und Klimaschutz sowie Planen und Bauen haben bereits im Vorfeld eng mit den Stadtwerken Bielefeld und der Sennestadt GmbH zusammengearbeitet und bildeten ein gemeinsames Projektteam mit den Stadtplanern aus Köln.

Das Feinkonzept beschreibt eine umfassende Strategie zur Neugestaltung der Wärme- und Stromversorgung in der Sennestadt. Das offene Stadtteilnetz für die Sennestadt soll Bürgern eine Beteiligung ermöglichen und auch als „virtuelles Kraftwerk” einen geordneten Handel mit Wärme zwischen vielfältigen Erzeugern und Abnehmern nach festen wirtschaftlich und sozial verträglichen Regeln ermöglichen. Dazu entwirft das Konzept nicht nur eine technische Strategie, sondern auch ein Wirtschafts- und Rechtsmodell sowie neue Angebote und Dienstleistungen für die Bürger.

Die Vorteile für die Sennestadt liegen auf der Hand. Nord- und Südstadt könnten bei einer Umsetzung des Feinkonzepts nun auch „energetisch” an der Schnittstelle „Paderborner Straße zusammenwachsen. Gerade hier bestehen die größten Anschlussgrade ans beabsichtigte Wärmenetz. Für die Startphase kann sich das Konzept auf zwei vorhandene Blockheizkraftwerke stützen. Darüber hinaus würde auch die Wertschöpfung in Sennestadt verbleiben, da bei einer Umstellung der Energieversorgung auf lokale Erzeugung die Aufwendungen der Bürger mit 12,3 Mio. Euro fast gleich gegenüber den derzeitigen Ausgaben für Strom und Gas blieben. Lokale Erzeugung über das Stadtteilnetz bedeutet aber auch lokale Wertschöpfung.

Insgesamt bietet das Konzept einen weiteren Baustein zur Reduzierung der städtischen CO2-Emissionen. Mit steigendem KWK-Stromanteil wachsen auch die CO2-Einsparungen. Bis zum Jahr 2037 spart der erzeugte KWK-Strom kumuliert rund 28.500 Tonnen CO2 ein. Das entspricht etwa der Menge CO2, die 2681 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger im Durchschnitt im Jahr verbrauchen.

Die Stadt Bielefeld hat sich für ein Konzept entschieden, das in besonderer Weise auf die Kontinuität des erfolgreich begonnenen Projektprozesses der vergangenen Jahre in der Sennestadt setzt. Das Konzept zählt sehr anschaulich auf, warum Bielefeld ein Stadtteilnetz gründen will, welche Schlüsseltrends dafür sprechen, warum die Sennestadt besonders geeignet ist, welche Rechtsformen zu bevorzugen sind, wie eine Ausbaustrategie aussehen kann, welche wirtschaftlichen Zusammenhänge bestehen, wo Chancen und Risiken liegen, welche Angebote und Dienstleistungen nötig sind und nicht zuletzt welche regionale Wertschöpfung entsteht. Die Übertragbarkeit dieses Konzepts auf andere Kommunen wurde durch eine landesweite Untersuchung nachgewiesen.

Leider fand das Konzept im Juli 2014 keine Empfehlung des Gutachtergremiums zur KWK-Modellkommune. Die Stadt möchte aber den eingeschlagenen und vielversprechenden Weg mit den Partnern gemeinsam weiterführen.


Kontakt

Umweltamt
Uwe Hofmeister
Tel. 0521 51-3316
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PDF-Dokument  [22159 KB]Feinkonzept KWK-MODELLKOMMUNE BIELEFELD