Europäischer Klimaschutzpreis "Climate Star"

für Bielefelder Beratungsnetzwerk Altbau
Anfang Oktober 2014 ist der "Climate Star"-Preis vom Klimabündnis der Europäischen Städte in Wien an das "Bielefelder Beratungsnetzwerk Altbau" vergeben worden. Es ist neben Projekten aus Den Haag, Budapest, Gent und Essen ausgezeichnet worden. Das Klimabündnis übertitelte das Projekt euphorisch mit der Bezeichnung "Sanierungs-Boomtown Bielefeld".

Im Netzwerk arbeiten in erster Linie die Stadt, die Stadtwerke Bielefeld mit dem Haus der Technik und die Verbraucherzentrale zusammen. Daneben sind im Arbeitskreis der Beratungsstellen die BGW, Haus und Grund e.V. und der KlimaTisch e.V. aktiv.

Bürger besichtigen die Solarsiedlung Kupferheide in Quelle
Nahezu ein Drittel des gesamten CO2-Ausstoßes wird durch das Heizen von Gebäuden verursacht. Viele Gebäude haben veraltete Heizungen und sind unzureichend gedämmt. Das Defizit bei der energetischen Sanierung von Gebäuden in Bielefeld ist in einer Studie der Universität Bielefeld und der Bielefelder Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft im Jahre 2006 mit 110.000 Wohnungen ermittelt worden. Das vom Bielefelder Rat 2007 gesetzte politische Ziel, bis zum Jahr 2020 40 Prozent CO2 einzusparen, kann nur erreicht werden, wenn man das Angebot der Beratung und Information für Bürgerinnen und Bürger, Industrie und Gewerbe weiter ausbaut, fördert und koordiniert.
Im Jahr 2008 wurde das Bielefelder Beratungsnetzwerk Altbau (BiBAlt) mit Vertretern der Stadt (Bauberatung und Umweltamt) und Stadtwerke, der Verbraucherzentrale und örtlichen Energieberatern bei der der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft WEGE mit dem Ziel gegründet, mehr Hausbesitzer mit einem Beratungsangebot zu erreichen und die energetische Sanierungsquote zu verdoppeln.

Folgende Teilziele zur Verdoppelung der energetischen Sanierungsquote sollten erreicht werden: wesentlich mehr Gebäudebesitzerinnen und –besitzer für eine energetische Sanierung begeistern, unterschiedliche "Hausbesitzer-Gruppen" ansprechen, Beratungslücken füllen, zusätzliche Anreize schaffen, Angebote zur Beratung transparenter gestalten, Ausweitung der Verbreitung der Informationen, Qualität der Beratung und der Ausführung von Sanierungen sichern und nachvollziehbar verbessern, Förderprogramme kommunal erweitern und weitere gesellschaftlichen Gruppen einbinden.
In Arbeitsgruppengesprächen werden zweimal jährlich mit den hier ansässigen Energieberaterinnen und –beratern und dem Verein Bielefelder KlimaTisch, sowie Vertretern der Beratungsstellen in Bielefeld (Bauberatung der Stadt, Haus der Technik, Haus und Grund e.V., BGW, Verbraucherzentrale) unter anderem die Beratungsinhalte, die erreichten Ziele, sowie Änderungen von gesetzlichen Grundlagen und Förderprogrammen diskutiert, um weitere Handlungsoptionen zu erarbeiten.

Die Vielfalt der Beratungsmöglichkeiten hat sich seit 2008 enorm erweitert. Es erfolgte die Einstellung eines städtischen Energieberaters, der wie die örtliche Verbraucherzentrale die Initialberatung anbietet. Im Oktober 2010 erfolgte die Gründung des KlimaTisch Bielefeld e.V. als "Netzwerk der Praktiker" mit hauptsächlich Handwerkern, Energieberatern und Architekten. Der Verein ist regionaler Netzwerkpartner der bundesweiten Qualitätsinitiative "Gutes Bauen". Eine eigene Fachmesse zum Bauen, Sanieren und Wohnen wurde in den Jahren 2009 bis 2011 initiiert. Es folgten Beteiligungen an Fachmessen mit dem Bielefelder KlimaTisch, ein jährliches Thermografieangebot an Gebäudebesitzer mit Fachberatung am Gebäude wurde wieder aufgenommen, Stadtteilveranstaltungen seit 2010, Veranstaltungen mit Schwerpunktthemen, sowohl fürs Fachpublikum als auch für private Hausbesitzer, Beteiligung an Veranstaltungen der Kirchengemeinden, Initiativen und Stadtteilgruppen, Angebote zur Besichtigung von sanierten Objekten, Angebote Haus-zu-Haus-Beratung in ausgewählten Stadtquartieren seit 2014. 2013 wurde mit Hilfe der Verbraucherzentrale NRW im Rahmen der energetischen Stadtsanierung (KfW-Programm) in Sennestadt eine neue Form des Befragens und Beratens von Altbaubesitzerinnen und -besitzern eingeführt und analysiert. Das stadteigene Förderprogramm zur Sanierungsberatung als Ergänzung der Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau von wurde von 2009 bis 2013 angeboten.
Insbesondere die unabhängigen Initialberatungen durch Energieberater in der Bauberatung der Stadt Bielefeld und der Verbraucherzentrale Bielefeld haben aufgrund der vielen Kundenkontakte der beiden Beratungsstellen dazu geführt, dass Thema der Altbausanierung verstärkt in die Öffentlichkeit zu integrieren.

Auf gleiche Weise bauten die Projektpartner ihr Beratungsangebot aus. Die Bielefelder gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft hat nicht nur mehrere Millionen Euro in die Modernisierung und Instandhaltung ihres Bestandes (allen im Jahr 2013 zirka 23 Millionen Euro), insbesondere in die energetische Sanierung, investiert, sondern auch in die energetische Beratung, Außerdem bietet sie Immobilienbesitzern, die ihr Haus auf den neuesten Stand bringen wollen, eine umfassende Beratung und technische Betreuung der Maßnahmen an.

Im Haus der Technik der Stadtwerke Bielefeld werden auch zu komplexen Energiethemen wie Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen; Niedrigenergiehäusern oder Wärmedienstleistungen Detailberatungen angeboten. Über eine Vielzahl von Veranstaltungen, Workshops, Ausstellungen und Messen zu Energiethemen, insbesondere zu Energieeffizienz- und Wärmedämmfragen werden die Kundinnen und Kunden umfassend informiert.

Der Verein Haus und Grund als Eigentümerschutz-Gemeinschaft informiert über alle wichtigen Themen - von der Rechtsprechung bis zur Haustechnik - und bietet eine breite Auswahl an Fachliteratur, aktuelle Informationen und für die Mitglieder kostenlose Tipps nicht nur zur Bewirtschaftung ihrer Immobilien, sondern auch zu Umwelt- und Sanierungsfragen.

Im Jahr 2009 wurde der Umweltpreis der Stadt Bielefeld durch den Umwelt- und Klimaschutzpreis erweitert. Dabei werden alle zwei Jahre beispielhafte Projekte insbesondere zu vorbildlichen energetischen Gebäudesanierungen bei gewerblichen und privaten Neubauprojekten und Altbausanierungen ausgezeichnet.

Ein Indiz für die Sanierungsaktivität im Stadtgebiet bildet die Förderbilanz der KfW ab. So erhielten im Vier-Jahres-Zeitraum 2010 bis einschließlich 2013 insgesamt 8908 Wohneinheiten eine Förderung für das energieeffiziente Sanieren (101 Millionen Euro). Vergleichbar große Städte in Nordrhein-Westfalen (Bochum, Bonn, Gelsenkirchen, Mönchengladbach, Münster, Wuppertal) lagen hier zwischen 2351 und 7467 Wohneinheiten (22 bis 74 Millionen Euro). Auch im Jahr 2014 setzt sich dieser Trend fort.

Das Förderprogramm der Stadt zur Sanierungsbegleitung durch einen Energieberater nutzten insgesamt 216 Antragsteller für 672 Wohneinheiten. An der jährlich stattfindenden Thermografie mit Fachberatung nahmen zwischen 2009 und 2014 insgesamt 1298 Hausbesitzerinnen und -besitzer teil.