Gesetzlich geschützte Biotope

nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)
In Bielefeld gibt es 320 Biotope, die aufgrund ihrer Natürlichkeit und des Artenvorkommens von den Landesdienststellen erfasst wurden und geschützt sind, ohne dass es eines förmlichen Verfahrens bedarf. Die Flächen, die in der Regel extensiv oder gar nicht bewirtschaftet werden, stehen überwiegend im Eigentum von Landwirten oder im Eigentum der Stadt.

Um festzustellen, wer als Eigentümer betroffen ist, bestehen zwei Möglichkeiten:
  • Im Digitalen Umweltatlas sind Karten veröffentlicht, die die mit dem Landesumweltamt abgestimmten Gebietsabgrenzungen und eine Beschreibung enthalten.

  • Die Karten liegen im Umweltamt, August-Bebel-Str. 75–77, zur
    Einsicht und Erläuterung aus. Termine können telefonisch unter 0521 51-6905 oder 0521 51-3771 vereinbart werden.

  • Warum gibt es gesetzlich geschützte Biotope?
  • Welche gesetzlich geschützten Biotope gibt es in Bielefeld?
  • Wie wurden die gesetzlich geschützten Biotope erfasst und abgegrenzt?
  • Wie dürfen gesetzlich geschützte Biotope genutzt werden?
  • Wo erhalte ich weitere Auskünfte?

  • Warum gibt es gesetzlich geschützte Biotope?

    Biotope sind Lebensräume wildlebender Tiere und Pflanzen. Viele in unserer Landschaft noch vorkommende, naturnahe Biotope sind direkt oder indirekt zum Beispiel durch Bebauung, Nutzungsintensivierung, Nährstoffeinträge oder Entwässerungsmaßnahmen gefährdet.
    Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber bestimmte Biotoptypen gemäß Paragraf 30 BNatSchG unter einen gesetzlichen Schutz gestellt. In Nordrhein-Westfalen sind zusätzlich artenreiche Magerwiesen und -weiden gemäß Paragraf 62 Abs. 1 Ziffer 3 Landschaftsgesetz NW geschützt.

    Welche gesetzlich geschützten Biotope gibt es in Bielefeld?

    Im Bielefelder Stadtgebiet wurden 320 gesetzlich geschützte Biotope mit einer Gesamtfläche von 544 Hektar vom Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) kartiert.

    Übersicht der in Bielefeld vorkommenden gesetzlich geschützten Biotoptypen
    • Fließende Gewässer (natürlich oder naturnah)
    • Stehende Binnengewässer (natürlich oder naturnah)
    • Sümpfe
    • Röhrichte
    • seggen- und binsenreiche Nasswiesen
    • Quellbereiche
    • offene Binnendünen
    • Borstgrasrasen
    • Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden
    • artenreiche Magerwiesen und -weiden
    • Trockenrasen
    • Buchenwälder auf trockenwarmen Standorte
    • Bruch- und Sumpfwälder
    • Auwälder
    98 gesetzlich geschützte Biotope mit einer Fläche von 351 ha liegen in Naturschutzgebieten. Die größten und bekanntesten gesetzlich geschützten Biotope in Bielefeld sind der Blömke- und der Jostberg mit den Waldmeister-Buchenwäldern, die Rieselfelder Windel mit ihren Feucht- und Nasswiesen, Röhrichten und Stillgewässern sowie der Flugplatz Bielefeld (Windelsbleiche) mit seinen Magerweiden, Trockenrasen und Heideflächen mit insgesamt 54 Hektar.
    Karten und Sachdaten der gesetzlich geschützten Biotope in Bielefeld können im Digitalen Umweltatlas eingesehen werden.

    Wie wurden die gesetzlich geschützten Biotope erfasst und abgegrenzt?

    Biotop Unterlauf Johannisbach
    Die Kartierung der gesetzlich geschützten Biotope wird in Nordrhein-Westfalen gemäß Paragraf 62 Abs. 3 Landschaftsgesetz durch das LANUV durchgeführt.

    Nach der Kartieranleitung werden diejenigen Biotope erfasst, die entweder eine natürliche Entstehungsgeschichte (als vom Menschen nicht oder wenig beeinflusst) besitzen oder die sich als Folge der bestehenden oder der historischen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung entwickelt haben. Biotope, die aufgrund anderer Landnutzungsformen entstanden sind oder geschaffen wurden, werden nur dann erfasst, wenn die ursprüngliche Nutzungsbestimmung aufgegeben wurde.

    Bei der Erfassung der geschützten Biotope sind die charakteristischen Ausprägungen der Biotope zu beachten. Im Rahmen des Kartierdurchganges werden Mindest- bzw. Bagatellgrößen als Ori-entierungswerte zu Grunde gelegt. Hierbei handelt es sich um funktional begründete Richtgrößen, die bei guter und typischer Ausbildung oder zur Sicherung der naturräumlichen Repräsentanz unterschritten werden können. Biotopkomplexe aus mehreren, direkt aneinandergrenzenden gesetzlich geschützten Biotoptypen werden kartiert, wenn zumindest ein Biotoptyp als zusammenhängende Fläche oder in der Summe mehrere aneinandergrenzender Teilflächen die vorgeschriebene Mindestflächengröße erreicht.

    Das LANUV grenzt die von ihm erfassten Biotope in Karten im Maßstab 1 : 5.000 eindeutig ab. In Bielefeld fand die Kartierung im Wesentlichen in den Jahren 2001 und 2003 statt und wurde aufgrund der Änderung des Landschaftsgesetzes im Jahr 2007 überarbeitet. Aufgrund von neueren Kartierungen, die überwiegend im Jahr 2012 stattfanden, wurden weitere gesetzlich geschützte Biotope erfasst.

    Wie dürfen gesetzlich geschützte Biotope genutzt werden?

    In der Regel kann eine solche Fläche weiterhin so genutzt werden wie bisher, da durch die meist extensive Nutzung der Lebensraum entstanden beziehungsweise erhalten geblieben ist.
    Es müssen aber alle Maßnahmen unterbleiben, die zu einer Zerstörung oder sonstigen erheblichen Beeinträchtigung des Biotops führen können. Im Zweifelsfall sollte sich der jeweilige Eigentümer oder Nutzer vor einem Wechsel in der Nutzung oder der Durchführung einer Maßnahme bei der unteren Landschaftsbehörde über die Zulässigkeit erkundigen.
    Zum Schutz der Biotope sind unter anderem nicht gestattet:

  • das Beschädigen, Zerstören der vorhandenen Vegetation,
  • das Errichten baulicher Anlagen sowie das Versiegeln von Flächen,
  • das Ablagern oder Aufbringen von Stoffen oder Gegenständen,
  • das Verändern der Bodengestalt durch Aufschütten, Verfüllen oder Abgraben,
  • das Anlegen oder Verändern von Gewässern,
  • das Verändern des Wasserhaushaltes der Biotope,
  • das Anwenden von Pflanzenschutzmitteln und das Ändern von Art und Umfang der bisherigen Düngung,
  • das Überführen von Brachen, Grünland oder landwirtschaftlich extensiv bewirtschafteten Flächen in eine Intensivnutzung sowie das Umbrechen und das Roden von Flächen,
  • das Anlegen von Kahlhieben über 0,3 Hektar Größe (ausgenommen Saum- und Femelhiebe) und das Umbrechen von Waldboden,
  • das Wiederaufforsten mit nicht heimischen und standortgerechten Baumarten,


    Für die naturschutzgerechte Bewirtschaftung gesetzlich geschützter Biotope können unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Zuwendungen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes über das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) der Stadt Bielefeld beantragt werden. Auskunft hierzu erteilen:
  • Herr Althaus, Tel. 0521 51-3313,
  • Herr Worms, Tel. 0521 51-2962,
  • Frau Köppe, Tel. 0521 51-65 43.
    Landwirte können sich auch bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Kreisstelle Herford - Bielefeld, Ravensberger Straße 6 in 32051 Herford über die Fördermöglichkeiten bei der Bewirtschaftung informieren und beraten lassen.


  • Kontakt

    Umweltamt
    August-Bebel-Str. 75 – 77
    Zimmer 125
    Silvia Iserlohn-Grafen
    Tel. 0521 51-3771
    E-MailE-Mail

    Guido Großmann
    Tel. 0521 51-6905
    E-MailE-Mail


    Broschüre