Naturnahe Umgestaltung der Teichanlage Ravensberger Bleiche

Beim Klick auf das Bild kommen Sie zur vollständigen Infotafel.

Passend zum Aufwachen der Natur wird an der Teichanlage im Ortsteil Ummeln im Süden Bielefelds (Externer LinkStadtplanausschnitt) eine Infotafel aufgestellt, die die Renaturierung erläutert. Besucher und Interessierte erhalten einen Eindruck davon, wie es dort vorher aussah, was im Rahmen der Renaturierung passierte und sie erhalten Informationen, wie sich die Tier- und Pflanzenwelt an der Teichanlage entwickeln wird.
Für interessierte Naturliebhaber wurde oberhalb des Südsees ein kleiner Fußweg angelegt, von dem aus man das Geschehen im und am Teich zu allen Jahreszeiten gut beobachten kann.
Mit einer anschaulichen Karte geht die Infotafel auch auf die gesamte Lutteraue in Brackwede ein. Sie zeigt, dass die Teichanlage Ravensberger Bleiche eine der „Naturschutz-Perlen” in der Lutteraue ist. Von der Lutterquelle im Norden, in der Nähe des Brackweder Freibades bis zum Übergang in den Kreis Gütersloh gibt es viele weiterer solcher „Perlen”: zum Beispiel der naturnahe Grünzug Obere Lutter, der Bereich um Niemöllers Hof mit Artenschutzgewässern, Feuchtwiesen und Röhrichten oder die großen Feuchtwiesen im Süden, auf denen Kiebitz und Brachvogel brüten.

Was war?

Die Teichanlage wurde im 19. Jahrhundert von der Ravensberger Bleiche, seinerzeit einer der größten Leingarn-Bleichen Deutschlands, künstlich angelegt und diente als Wasservorrat. Auf den umliegenden Rasenflächen wurden Leinenstoffe mit Lauge und viel klaren Wasser gebleicht. Die Teiche erhielten ihr Wasser über einen Zulauf aus der Lutter, die dazu mit einem hohen Wehr angestaut wurde. In den letzten Jahren nutzte ein Angelverein die Teiche.
Das etwa 1,50 Meter hohe Wehr und der Zuleitungsgraben waren baufällig und der Anstau in der Lutter wurde deshalb Ende 2003 beseitigt. Als Folge davon fielen die ehemaligen Bleicheteiche trocken.

Renaturierung Ende 2004

Ziel des Umweltamtes ist es, die Fließgewässer im Stadtgebiet für Fische und andere Wasserorganismen wieder durchgängig zu machen und natürliche Wanderungen zu ermöglichen. Die Wiederherstellung des sanierungsbedürftigen Stauwehres in der Lutter kam deshalb aus ökologischen und finanziellen Gründen nicht mehr in Frage. Ende 2003 wurde der Stau beseitigt, die Teiche fielen trocken.

Eine naturnahe Stillgewässerfläche kann aber in diesem naturschutzwürdigen Lutterauen-Abschnitt südlich der Lister Straße mit seinen extensiv genutzten Feuchtwiesen, den bestehenden Bruch- und Röhrichtbereichen die Kernzone eines Naturschutz-Schwerpunktes im Bielefelder Süden darstellen. Eine Wasserfläche an dieser Stelle ist daher das Ziel. Nach gründlicher Prüfung aller Alternativen zur Umsetzung dieses Ziels entschied das Umweltamt, die ehemaligen Teiche zu einem einzigen See zu verbinden. Dazu wurden alte Dämme beseitigt und die Uferzonen neugestaltet. Durch die Vertiefung der Teichsohle um etwa zwei Meter wurde erreicht, dass nun Grundwasser den neuen „Südsee” speist.



Foto: W.Venne

Bergmolch

Die neue Wasserfläche des „Südsees” ist bei mittlerem Wasserspiegel etwa 0,75 Hektar groß. PDF-Dokument  [756 KB]Bestands- und Gestaltungsplan

Es wurden bei der Renaturierung der Teichanlage insgesamt etwa 10.500 Kubikmeter Boden bewegt. Nährstoffarme Bodenverhältnisse (magerer Sandboden im Untergrund) sind entstanden. Dies und die wechselnden Wasserstände sind Voraussetzung für seltene Pflanzen- und Tierlebensgemeinschaften, die sich dort nach Abschluss der Erdarbeiten bereits angesiedelt haben.
Der ausgekofferte, nährstoffreiche Teichschlamm wurde randlich als Unterbau zur Ausbildung der neuen Ufer verbaut. Die nördlichen Uferbereiche sind mit überschüssigem Sandmaterial aus dem Bodenaushub gestaltet worden. Die Fläche wird von Schafen beweidet, Dünger und Pflanzenbehandlungsmittel werden nicht ausgebracht. Hier werden sich unter der Beweidung zukünftig Sandmagerrasen und Heide entwickeln. Damit wird der kleinräumige Wechsel von nass zu trocken, wie er häufig in der Lutteraue vorkommt, an dieser Stelle besonders deutlich.

Nördlich der Teichanlage wurde ein kleiner Fußweg angelegt, von dem aus die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt an der renaturierten Teichanlage verfolgt werden kann. Die naturnahe Umgestaltung der Teichanlage Ravensberger Bleiche ist eine Maßnahme des Landschaftsplans „Bielefeld-West”(Ziffer 5.1-149) im Landschaftsschutzgebiet „Ostmünsterland”.

Naturschutzfachliche Entwicklung

Da der Wasserstand im Teich abhängig vom Grundwasserstand ist, fallen periodisch die Uferbereiche trocken. Röhrichtbereiche und Schwimmblattzonen entstehen, in denen Amphibien und Libellen neben einer typischen Fischfauna vorkommen. Außerdem bietet der „Südsee” konkurrenzschwachen Arten der Heideweiher- und Teichbodenflora, die Standorte mit wechselnden Wasserständen besiedeln können, eine Entwicklungsmöglichkeit.



Bild: F.Ahnfeldt

Knoblauchkröte

Bereits im ersten Frühjahr nach der Fertigstellung dieses Feuchtbiotops hatten Erdkröte und Grasfrosch den Teich in Beschlag genommen, die Uferbereiche waren schwarz vor Kaulquappen. Teich-, Bergmolch, Wasserfrosch, Kreuz- und hoffentlich auch die Knoblauchkröte werden sich noch dazu gesellen.

Auch von den Libellen wurde der „Südsee” sofort angenommen. Dort ist eine Entwicklung zu erwarten, wie sie bereits im nicht weit entfernten Naturschutzprojekt Landschaftspflegehof Ramsbrock an den Kleingewässern und Blänken im Ramsbruch stattgefunden hat. Dort haben sich die Libellenartenzahlen in den letzten Jahren um circa 70 Prozent erhöht (2005: 21 Arten). Für solche Arten wie die Südliche und die Glänzende Binsenjungfer oder die Gefleckte Heidelibelle sind gerade zeitweise austrocknende Flachwasserbereiche Voraussetzungen für ihr Überleben.

Der Südsee soll besonders den heimischen Kleinfischen zu Gute kommen. In Fischteichen mit intensiver Angelnutzung, bei der ständig Fangfische eingesetzt werden, haben Fischarten wie Moderlieschen, Neunstacheliger Stichling oder Bitterling keine Chance. Besonders der Bitterling ist erwähnenswert.
Er lebt im Teich in Abhängigkeit von Teichmuscheln, nur dort kann er vorkommen. Das Weibchen legt die Eier mittels einer Legeröhre in die Atemöffnung der Muschel; dort werden sie ständig mit sauerstoffreichem Frischwasser versorgt. Nach drei bis fünf Wochen verlassen die frisch geschlüpften selbstständigen Bitterlinge ihren „Aufpasser”. Im Gegenzug verbreitet sich die Teichmuschel, indem sie ihre Larven am Kiemenraum des Bitterlings anheftet.


› Ansprechpartner
Dietmar Althaus
Umweltamt
Tel. 0521/51 3313
Email: E-Maildietmar.althaus@bielefeld.de