Die Saatkrähe – Ein Steppenvogel in der Stadt

Saatkrähe, Foto: Bernhard Walter

Die Saatkrähe ist ursprünglich ein Brutvogel der osteuropäischen Steppen. Dort findet der Vogel in einzelnen Baumgruppen oder Galeriewäldern entlang von Flüssen geeignete Brutmöglichkeiten und in der sonst offenen Landschaft seine Nahrung.

Durch ihr Auftreten in Schwärmen und ihre Vorliebe für Insekten war die Saatkrähe früher ein beliebter Gast auf den Feldern, da sie den Schädlingsbefall verminderten. Das hat sich mit der Intensivierung der Landwirtschaft grundlegend geändert: Durch den Einsatz von Pestiziden wurde der Krähe ein Teil ihrer Nahrung genommen und sie wich notgedrungen zum Teil auf Feldfrüchte oder Saatgut aus - dies nun allerdings zum Schaden mancher Landwirte.

Durch intensive Bejagung in der Landschaft in den späten 60er Jahren wurde die Saatkrähe stark dezimiert und in die Stadt vertrieben. Dort boten die kurz gehaltenen Grünflächen dem Vogel noch einen gut gedeckten Tisch. Erst nach Verbot der Jagd durch Unterschutzstellung als streng geschützte Vogelart 1979 konnte sich der Bestand langsam wieder etwas erholen.

Nun sind nicht alle Bürgerinnen und Bürger vom lauten Krächzen der gesellig brütenden Stadtbewohner begeistert oder sie fühlen sich durch den Kot unter den Bäumen gestört. Die Forderung eine Kolonie im Siedlungsbereich aufzulösen, steht schnell im Raum. Es zeigt aber die Erfahrung, dass mit einer Auflösung das "Problem" nicht gelöst, sondern nur verlagert wird: Saatkrähenkolonien siedeln bei Störungen in andere Teile des Stadtgebietes um und teilen sich dabei auf, wodurch andere und auch deutlich mehr Bürger "betroffen" sein können. Eine Vertreibung einer Kolonie kann also nur in einem fachlich sehr gut begründeten Einzelfall eine Möglichkeit sein und muss von der unteren Landschaftsbehörde im Umweltamt genehmigt werden.

Noch immer ist die Saatkrähe ein seltener Vogel und der Mensch trägt die Verantwortung für den Erhalt dieser Art. Wildlebende Tiere im Siedlungsbereich des Menschen brauchen Verständnis - eine vorurteilsfreie Naturbeobachtung ist der beste Weg dahin. Die Saatkrähe ist ein intelligenter und sehr anpassungsfähiger Vogel – soziales Verhalten wie gegenseitiges Kraulen und Füttern ist häufig zu beobachten, auch gegenseitige Gefiederpflege. Besonders im Frühling sind häufig rasante Balzflüge über der Kolonie zu beobachten. Und mancher als Saatkrähe bestimmter Vogel ist in Wahrheit eine Rabenkrähe.


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Umweltamt
Katharina Strunk
Tel. 0521 51-2264
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