Entsorgungsproblem HBCD-haltige Dämmstoffe

HBCD-haltiger Dämmstoff
Durch eine Änderung der Abfallverzeichnisverordnung wurden Abfälle, die persistente organische Schadstoffe gemäß der EU-POP-Verordnung in bestimmten Konzentrationen enthalten, in Deutschland zu gefährlichen und getrennt zu sammelnden Abfällen erklärt. Dadurch gab es 2016 ein massives Entsorgungsproblem. Denn insbesondere Styropor-Dämmstoffplatten aus Sanierungsmaßnahmen enthalten große Mengen von Hexabromcyclododekan (HBCD), das als persistenter Schadstoff gilt. Sie waren plötzlich nur noch zu enormen Kosten entsorgbar und wurden von vielen Baustellen-Entsorgern, die die Zulassung zum Umgang mit gefährlichen Stoffen gar nicht besaßen, abgelehnt. Zugleich wurde bedeutsam, dass MVA, die diese Stoffe im Annahmekatalog hatten, diese als getrennt gesammelte Mono-Fraktion aus technischen Gründen nicht verarbeiten konnten. Ganze Baustellen lagen plötzlich still.

Ein Moratorium sorgte dafür, dass die Umsetzung dieser verhängnisvollen Regelung für das Jahr 2017 unterbrochen wurde, zugleich wurde nach einer Lösung gesucht, damit ein erneutes Chaos ab 2018 vermieden werden konnte.

Im Ergebnis trat bereits zum 01.08.2017 die sogenannte POP-Abfall-Überwachungsverordnung in Kraft, die in Bezug auf die Styropor-Dämmplatten folgendes regelte:

Die Klassifikation von Styropor- und anderen HBCD-haltigen Dämmstoffen als gefährlicher Abfall wurde zurück genommen, die getrennte Sammlung jedoch weiterhin vorgeschrieben. Um diese Stoffe grundsätzlich aus dem Materialkreislauf auszuschließen, wurde die Verbrennung als sicheres Entsorgungsverfahren vorgegeben und die Überwachungsbedürftigkeit verfügt. Das bedeutet, diese Abfälle sind auch als nicht gefährliche Abfälle dem Nachweisverfahren mit Entsorgungsnachweisen und Begleit- bzw. Übernahmescheinen unterworfen und dürfen nicht recycelt werden.

Erreicht wurde damit, dass Baustellen-Entsorger diese Stoffe wieder problemlos annehmen dürfen und dass sie, sofern sie über entsprechende Vorrichtungen und Genehmigungen verfügen, diese Abfälle mit anderen ungefährlichen mischen dürfen, um für MVA verträgliche Gemische zu erzeugen (in der MVA Bielefeld ein Anteil von 5 Volumenprozent im Regelfall, als Ausnahme zu höheren Kosten und nach Voranmeldung auch 20 Volumenprozent).

Damit hat sich die Entsorgung von Styropordämmplatten zwar etwas verkompliziert und verteuert, ein erneutes Chaos ab 2018 konnte jedoch vermieden werden. Die Regelung ist mittlerweile zur Routine geworden, Entsorger und MVA gehen reibungslos damit um. Abfallgemische mit HBCD-haltigen Dämmplatten müssen über Entsorger laufen.

Übrigens: neue Styropor-Dämmstoffe enthalten kein HBCD mehr. Es gibt aber auch viele andere Dämmstoffe, siehe in der Spalte rechts die Schrift „Ökologische Bewertung energetischer Sanierungsoptionen”.