Ein Tag im Arbeitsalltag eines Tierpflegers

Ein Interview mit dem Tierpfleger Abram Regier
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tierparks

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tierparks

Herr Regier, seit wann arbeiten Sie im Heimat-Tierpark?
Seit 1991. Am 21. Mai 2001 bin ich seit zehn Jahren im Heimat-Tierpark Olderdissen tätig.

Welche Ausbildung haben Sie?
Ursprünglich komme ich aus der Landwirtschaft. Ich habe aber dann hier im Tierpark eine Prüfung im Bereich Tierpflege absolviert. In der täglichen Arbeit mit den Tieren lernt man jedoch am meisten.

Welche persönlichen Voraussetzungen braucht man als Tierpfleger?
Neben den Fachkenntnissen, sollte man die Natur und Tiere mögen. Und, man sollte gut zu Fuß sein, denn die weiten Wege im großen Tierparkgelände sind am Anfang ganz schön anstrengend. Man gewöhnt sich aber daran. Und das Gute daran ist, daß man nach Feierabend keinen Sport mehr machen muß, weil man ja schon so viel Bewegung hatte.

Wann beginnt der Tag im Heimat-Tierpark und wie sieht der Tagesablauf aus?
Um sieben Uhr beginnt unser Arbeitstag. Erst einmal bekommen die Tiere ihr Futter. Um neun Uhr ist dann für uns eine viertel Stunde Frühstück angesagt. Dann werden die Ställe, Gehege oder ähnliche Behausungen gereinigt oder auch repariert. Unsere Großputztage sind aber der Donnerstag und der Freitag. Um 16.00 Uhr endet unsere Arbeit. Meistens. Da ich neben dem Tierpark wohne, werde ich jedoch auch oft noch Abends oder am Wochenende von besorgten Bürgern angesprochen oder angerufen, weil zum Beispiel Tiere ausgebrochen sind. Dies ist meist jedoch nicht wirklich schlimm, weil die vermeintlich entflohenen Tiere, zum Beispiel die Murmeltiere, sowieso frei herumlaufen dürfen.

Welche Arbeiten erledigen Sie?
Also ich bin so ´ne Art Springer. Ich helfe überall da, wo Not am Mann ist. Meistens mache ich aber Reparatur- und Bauarbeiten.

Sie haben also zum Beispiel das Bärengehege gebaut?
Nein, nein das nicht. Ich lege zum Beispiel gerade einen Teich an. Oder ich pflastere mit Natursteinen.

Gibt es eine lustige Geschichte aus dem Heimat-Tierpark Olderdissen?
Ja. Früher, wenn ich das Becken vom Fischotter gereinigt habe, bin ich immer mit Taucherausrüstung ins Becken gestiegen, damit ich die Scheiben saubermachen konnte. Dann konnte ich mit dem Fischotter eine Runde „schwimmen”. Der Fischotter ist nämlich ziemlich zutraulich. Aber einmal hat er mir doch tatsächlich ins Bein gekniffen. Heute fahre ich mit einem Gummiboot im Becken herum... Und dann gab es da vor einigen Jahren eine Krähe, Namens Jakob. Die habe ich vom Fenster aus gefüttert. Die war ganz zahm. Später war es dann sogar so, daß Jakob sich bei mir auf die Schulter setzte, wenn ich aus dem Haus kam.

Haben Sie Lieblingstiere im Heimat-Tierpark?
Nein. Ich mag eigentlich alle Tiere gleich gern. Ich bin ja auch jeden Tag mit anderen Tieren zusammen.

Erkennen die Tiere Sie? Und sind manche Tiere besonders zutraulich?
Naja, wenn man mit dem Futtereimer zu den Wölfen kommt, dann wissen die schon, daß man Futter bringt. Egal wer das nun ist. Auch die Fischotter kennen einen schon recht gut.

Pfau

Pfau

Ist die Arbeit gefährlich? Haben Sie nicht manchmal Angst, z.B. zu den Wölfen zu gehen?
Nein. Angst habe ich keine. Wildschweine, zum Beispiel, sind nur richtig gefährlich wenn sie Frischlinge, also kleine Ferkel, haben. Dann gehen wir nicht ins Gehege. Wisente sind die gefährlichsten Tiere. Da geht keiner rein, denn die Wisente würden hinter einem herlaufen und einen im schlimmsten Fall auch umbringen. Mit denen darf man nicht spaßen.

Die Besucher denken immer die Wölfe oder der Luchs wären besonders gefährlich. Aber nein, Wölfe und Luchse tun nichts. Außer wenn sie nicht satt sind. Also wenn die ein paar Tage kein Futter kriegen würden, dann würde ich das Gehege auch nicht betreten.

Woraus und wie wird das Tierfutter zubereitet?
Hier im Heimat-Tierpark Olderdissen gibt es eine sogenannte Tierfutterküche. Allerdings gekocht wird da seltener. Eigentlich nur, wenn wir Lämmer versorgen müssen und hier die Milch fürs Fläschchen kochen. Ansonsten werden hier die verschiedenen Futtersorten zubereitet. Die Greifvögel und die Raubtiere bekommen z.B. Rindfleisch. Dann stehen täglich noch Fisch, Gemüse, Getreide, Obst und gekochte Eier auf dem Speiseplan.

Gibt es etwas, was Sie den Besuchern des Heimat-Tierparks Olderdissen gerne einmal sagen möchten?
Die Besucher sind eigentlich immer ganz nett. Nur manchmal kommen vermeintliche „Besucher”, die dann Einrichtungen zerstören oder Schilder, als Souvenir, klauen. Das finde ich nicht gut. Und seitdem wir im Tierpark Sammelbehälter für mitgebrachtes Tierfutter aufgestellt haben, kommt es nur noch selten vor, daß Tiere wegen falschem oder schlechtem Futter von Besuchern krank werden. Jetzt verfüttern die Besucher lieber unser extra angemischtes Futter aus dem Automaten. Das bekommt und schmeckt den Tieren auch besser.

Insgesamt gesehen haben wir alle die Besucher gern, die sich für die Tiere interessieren. Kinder sind immer besonders neugierig und wir haben auch ältere Besucher, die jeden Tag kommen. Wenn die dann mal einen Tag nicht da sind, machen wir uns Sorgen, ob sie vielleicht krank sind.