Kanalsanierung Artur-Ladebeck-Straße: Fit machen für die Zukunft

Die Großbaustelle auf der Artur-Ladebeck-Straße ist beendet. Autofahrer haben ab dem 26.09.2017 zwischen Brackwede und der Bielefelder City wieder freie Fahrt auf je zwei Fahrspuren.
Bild zeigt einspurige Verkehrsführung

Warum wird hier gebaut?

Die Kanäle in der Artur-Ladebeck-Straße sind in die Jahre gekommen. Doch nicht nur das Alter spielt für den Neubau eine entscheidende Rolle. Einer der wichtigsten Gründe für die Erneuerung ist die sogenannte hydraulische Ertüchtigung. Die alten Rohre sind im Durchschnitt zu klein und müssen der immer weiter wachsenden Stadt und der veränderten Wettersituation angepasst werden.
Vor allem die hydraulischen Engpässe im Bereich Eggeweg und Am Großen Feld sollen damit behoben werden. Zusätzlich sorgt der neue Regenwasserkanal für eine Entlastung der verrohrten Lutter, die unterhalb der Baustelle entlang der Bahntrasse verläuft.

Vor allem der Bereich Eggeweg wird von der Baumaßnahme profitieren. Dort kam es in den letzten Jahren häufiger zu sogenannten Überstauungen mit anschließender Überflutung. Das bedeutet, dass das Wasser aus dem Kanal gedrückt wird und über die Straße abläuft. Der neue Regenwasserkanal wird daher im Querschnitt wesentlich größer und kann so die anfallenden Wassermengen effektiver zum Regenrückhaltebecken „Bolbrinkersweg” abführen.

Klassischer Stollenbau

Der erste Bauabschnitt wurde bereits Ende 2015 fertig gestellt. Die Kanalverlegung erfolgte größtenteils außerhalb der öffentlichen Verkehrsflächen. Los ging es am Regenrückhaltebecken „Bolbrinkersweg”. Von dort verlief die Baustelle quer über das Gelände der Firma Oetker bis rauf zur Artur-Ladebeck-Straße auf Höhe der Straße Sandhagen. Genau hier beginnt nun auch der zweite Bauabschnitt.
Als erstes muss der Kanal die Artur-Ladebeck-Straße unterqueren, denn der alte Kanal liegt unter der stadteinwärts führenden Fahrbahnseite der Artur-Ladebeck-Straße. Um den Straßenverkehr und vor allem die Stadtbahnlinie während der Bauzeit aufrechterhalten zu können, wird der Kanal unterirdisch verlegt.

Dazu wird ein klassischer Stollen gegraben, ein Jahrhunderte altes und bewährtes Bauverfahren, das vor allem aus dem Bergbau bekannt ist. Dabei wird in Handarbeit ein Stollen in Gewölbeform unter der Straße und dem Gleisbereich vorgetrieben.
Genau wie früher die Bergleute in den Bergwerken vorgingen, werden dabei Holzdielen aneinander liegend eingebracht und bilden für die Grabenden eine schützende Holzverkleidung. Der Boden innerhalb des Gewölbes wird mit Schaufeln und Hacken abgetragen und mit Schubkarren aus dem Stollen gefahren. Danach wird der Regenwasserkanal durch den Stollen verlegt. Anschließend wird der Stollen mit sogenanntem Bentonit (ein tonhaltiges, wasserbindendes Material in dem keine Hohlräume entstehen) verfüllt, um die Stabilität des Bauwerks zu sichern.

Verkehrsführung während der Bauarbeiten

Um den Verkehr über die Artur-Ladebeck-Straße weiter zu ermöglichen, wird der Verkehr in Richtung stadteinwärts einspurig auf die Gegenfahrbahn geleitet. Das bedeutet, dass die stadtauswärts führende Spur auf ein paar hundert Metern in jede Richtung einspurig wird. Die Überleitung erfolgt an der Straße Eggeweg, die Rückführung an der Straße Sandhagen. Die Querung der Gleise wird mittels einer Ampelanlage geregelt. Der Verkehr wird an den Zufahrtsstraßen mit Hinweistafeln auf eine weiträumige Umleitungsempfehlung hingewiesen. Für den Radfahrverkehr stadteinwärts wird eine Umleitung über Am Großen Feld - Deckertstraße - Quellenhofweg ausgeschildert. Fußgänger werden an den vorhandenen Ampeln auf die andere Straßenseite geleitet.

Während der Kanalbauarbeiten wird die vorhandene Kanalisation gegen deutlich größere Rohre ausgetauscht. Der Schmutzwasserkanal hatte bisher einen Durchmesser von 20 Zentimetern und wird jetzt 25 cm breit. Der alte Regenwasserkanal hatte einen Durchmesser von 50 Zentimeter, der neue wird einen Querschnitt von bis zu 1,40 Meter haben und in knapp sechs Metern Tiefe verlegt.

Das Baufeld selbst stellt hohe Ansprüche an Planung und Durchführung des Bauvorhabens. Trotz der Breite der Straße ist das Baufeld sehr eng, da es von der Stadtbahn auf der einen und Versorgungsleitungen der Stadtwerke auf der anderen Seite begrenzt wird. Insbesondere eine wichtige Trinkwasserzubringerleitung, die keinen Erschütterungen ausgesetzt werden darf, steht dabei im Fokus.

Deshalb ist z. B. der Einsatz von Flüssigboden zur Baugrubenverfüllung vorgesehen, um Erschütterungen an der Wasserleitung durch Bodenverdichtung zu vermeiden und die Baugrube wegen des geringen Abstandes zur Stadtbahntrasse schmal halten zu können.

Dank der Bereitstellung einer Lagerfläche für die Baustelle durch die Firma Hebie unterhalb der „Radwelt” erleichtern sich die Bauarbeiten. Diese wird als Einrichtungsstelle genutzt, auf der Material und Geräte nahe an der Baustelle gelagert wird. So kann die Behinderung des Anliegerverkehrs auf das unbedingt notwendige Maß begrenzt werden.
Ursprünglich sollten die Baumaßnahme bereits im Frühsommer 2017 abgeschlossen sein. Durch bautechnische Probleme haben sich die Arbeiten noch einmal verzögert. Nun sollen bis Ende September 2017 die Bauarbeiten abgeschlossen werden.


Ansprechpartner

Fragen zur direkten Baustellentätigkeit: Udo Jörißen, Ing.-Büro Zetcon Ingenieure GmbH, Mobil: 0177 / 567 473 6

Für alle anderen Fragen rund um das Kanalbauprojekt: Marcus Miller, Umweltbetrieb, Mobil: 0152 / 22 902 534