Sanierung Lutter

Da müssen wir jetzt durch!
Sanierung Lutter Regenrückhaltebecken Lutteroffenlegung

Für die Sanierung der Lutter gibt es keine Alternative. Mehr als 115 Jahre hat der alte Lutterkanal im Herzen der Bielefelder Altstadt gehalten. Nun ist es an der Zeit, die alten Strukturen zu erneuern und an die Erfordernisse der Zukunft anzupassen.

Als sich die Stadtväter um 1900 das erste Mal mit der Lutter befassen mussten, gaben vor allem hygienische Gründe den Ausschlag für eine Verrohrung des kleinen Gewässers. Zur damaligen Zeit war die Weser-Lutter ein offen fließender Bach, der stark mit Fäkalien und anderem Unrat belastet war. So wurde also der Beschluss gefasst, die Lutter in einen unterirdischen Kanal umzuleiten - für damalige Verhältnisse ein echter abwassertechnischer Fortschritt.

Doch auch an diesem großartigen Werk einstiger Tiefbaukunst nagt der Zahn der Zeit. Der stete Druck von unten durch das Grundwasser und von oben durch Bebauung und Straße haben Spuren hinterlassen. Daher ist es unumgänglich, den Kanal grundlegend zu erneuern.

Im November 2010 befasste sich der Rat der Stadt Bielefeld zum ersten Mal mit diesem Thema. Bei dieser Sitzung wurde der nachhaltige Wunsch formuliert, neben dem damals vorgestellten Sanierungsplan noch weitere Alternativen aufzuzeigen. Daraufhin wurde die Arbeitsgruppe „Sanierung Weser-Lutter” eingerichtet, bestehend aus verschiedensten Ämtern, Fachstellen und externen Beratern. In diesem Gremium wurden viele Varianten erarbeitet, bewertet und vorgestellt – sechs davon kamen in die engere Auswahl. Schlussendlich entschied sich der Rat der Stadt Bielefeld für die Variante C, die den Bau zweier Rückhaltebecken in Verbindung mit einer teils in offener, teils in geschlossener Bauweise bedingten Sanierung beinhaltet.


Erste Vorarbeiten

Unabhängig vom Ratsbeschluss wurde im Jahr 2013 zur Vorbereitung der Sanierung am Bolbrinkersweg ein Regenrückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Kubikmetern gebaut. Das Becken dient einerseits der Entlastung des nachfolgenden Entwässerungsnetzes und schafft andererseits gleichzeitig die Voraussetzung für eine Sanierung des oberhalb gelegenen Gadderbaumer Kanalnetzes wie beispielsweise Eggeweg und Artur-Ladebeck-Straße.



Verfüllte Sohle, rechts im Bild die Wasserhaltung, in die das Wasser aus dem Kanal umgeleitet wurde.
Ein anderer, sehr wichtiger Schritt in der Vorbereitungsphase war die Sanierung der Sohle des Kanals. In einer aufwendigen Aktion wurde dafür zwischen dem Siekerwall und der Teutoburger Straße die Sohle des Kanals mit schnell trocknendem Spezialbeton ausgegossen, um einen so genannten hydraulischen Grundbruch (Bruch der Sohle) zu verhindern. Die Betonierung der brüchigen Sohle war Voraussetzung für die anschließende offene Sanierung des maroden Lutterkanals und diente zugleich der Reduzierung der Einsturzgefahr. Innerhalb der geplanten Bauzeit von sechs Monaten wurden bis Ende Dezember 2013 insgesamt 400 m3 Spezialbeton und 30 Tonnen Baustahl in der nur 1,62 Meter hohen Röhre auf einer Länge von 700 Metern verbaut.

Der Sanierungsplan

Im Januar 2015 hat der erste PDF-Dokument Sanierungsabschnitt begonnen. Im ersten Bauabschnitt dreht sich alles um die Sanierung der verrohrten Lutter unterhalb der Ravensberger Straße zwischen Niederwall bis hin zur Teutoburger Straße. Hier wird in offener Bauweise der Kanal komplett erneuert.

Bevor diese Arbeiten allerdings beginnen können, müssen die vielen Versorgungsleitungen, die unterhalb der Ravensberger Straße platziert sind, aufgrund der offenen Bauweise verlegt werden. Darüber hinaus muss die Versorgung mit Gas, Wasser, Strom und Fernwärme auch während der Baumaßnahme sichergestellt sein. Diese Baumaßnahmen, ausgeführt von den Stadtwerken Bielefeld, werden vor, während und nach der Lutter-Sanierung ausgeführt.

Neben der Herstellung der Trassenfreiheit für die Lutter-Sanierung muss auch die zukünftige Straßenausbauplanung und eine mögliche Offenlegung der Lutter berücksichtigt werden. Dazu kommt, dass bei der Bauausführung erhebliche restriktive Brandschutzauflagen der Feuerwehr mit dem Ziel der höchstmöglichen Sicherheit für die Anliegerinnen und Anlieger berücksichtigt werden müssen. Dies erfordert eine enge Abstimmung unter allen Projektbeteiligten und bedeutet eine hochkomplexe Planungsleistung für die Ingenieurinnen und Ingenieure. War die Beeinträchtigung der Bewohnerinnen und Bewohner in der Ravensberger Straße in 2013 noch eher begrenzt, wird die Belastung ab 2015 durch die offene Bauweise erheblich steigen. Baulärm, Staub, Verkehrsbehinderungen und fehlende Parkplätze zählen zu den Beeinträchtigungen, die sich nicht vermeiden lassen.

Wie wird gebaut?

Zunächst sind vorlaufend einige Leitungen umzulegen, hierzu zählt neben den Versorgungsleitungen der Stadtwerke auch die Verlegung eines großen Schmutzwassersammlers. Dieser ersetzt den alten Schmutzwassersammler auf dem Lutterprofil. Nachdem die Trassenfreiheit für die bis zu sechs Meter breite Hauptbaugrube für die Gewässererneuerung besteht, wird – beginnend von der Teutoburger Straße – in etwa 20 Meter langen Teilstücken der Lutterkanal freigelegt.
Das stellt sowohl eine technische als auch logistische Herausforderung dar.

Um den Kanal zu erreichen, wird etwa fünf Meter tief gegraben. Während des Aushubs werden sukzessive die Seitenwände gesichert. Danach wird der obere Teil des alten Kanals abgetragen und durch die neuen Fertigteil-Elemente ersetzt. Die neuen Kastenprofile, die den alten Kanal ersetzen, werden auf die in der Vorbereitungsphase hergestellte Stahlbetonsohle aufgesetzt. Bei diesem Arbeitsvorgang wird nicht nur ein neuer Kanal für die Lutter, sondern noch ein weiterer kleinerer Schmutzwasserkanal verlegt.
Während der Verlegearbeiten muss das gesamte Lutterwasser frei abfließen können. Um das zu gewährleisten, wird gegen die Fließrichtung der Lutter gearbeitet. Das bedeutet, die Bauarbeiten beginnen an der Teutoburger Straße und verlagern sich entlang der Ravensberger Straße Stück für Stück in Richtung Niederwall.

Wenn alles wie geplant verläuft, sind die eigentlichen Bauarbeiten am Kanal im Februar 2017 weitestgehend abgeschlossen. Im Anschluss folgt noch die endgültige Verlegung der Versorgungsleitungen durch die Stadtwerke Bielefeld und die Wiederherstellung der Ravensberger Straße inklusive einer eventuellen Offenlegung der Lutter. Diese Arbeiten werden voraussichtlich im August 2018 abgeschlossen sein.

Hinzu kommen der zweite Bauabschnitt der Sanierung des Lutterkanals zwischen Teutoburger Straße und Stauteich I. Auf dem 1200 m langen Teilstück werden in das vorhandene Lutterprofil Glasfaserelemente eingezogen. Bis auf einige zwingend erforderliche Einzugsgruben handelt es sich ausschließlich um ein geschlossenes Bauverfahren, so dass die sehr schöne Plantanenallee erhalten bleibt und Lutterwasser die nächsten Jahrzehnte wieder sicher fließen kann.