Stadt arbeitet weiter an Alternativenprüfung Regenrückhaltung

Beschlussvorschlag soll den Ratsgremien im Herbst vorgelegt werden
Die Verwaltung arbeitet derzeit intensiv an der zusammenfassenden Wertung der verschiedenen geprüften Alternativen zur Regenrückhaltung im Zuge der Luttersanierung. Neben den sechs vertieft betrachteten Lösungsansätzen soll auch der damalige Ratsbeschluss zum Erhalt der Platanenallee noch mal aufgegriffen werden. Zudem wird - weil vieles sich um die Wertigkeit des jeweils betroffenen Baumbestandes dreht - ein Baumgutachter hinzugezogen.

In einer gemeinsamen Sitzung von Bezirksvertretung Mitte und des Betriebsausschusses Umweltbetrieb mit anschließendem Bürgerdialog hatten die beauftragten Gutachter sowie Fachleute der Verwaltung am 17.07.2013 die Ergebnisse der Alternativenprüfung vorgestellt. Hierbei wurden zwei Kriterienkataloge betrachtet und bezogen auf jedes einzelne Kriterium bewertet: einerseits technische Kriterien (u.a. hydraulische Wirksamkeit und Genehmigungsfähigkeit) und andererseits qualitative Kriterien wie Anwohnerverträglichkeit und Umweltauswirkungen. Aufgabe der Verwaltung ist es nun, dies zu einer Gesamtwertung zusammenzuführen. Die zuständige Beigeordnete Anja Ritschel macht deutlich, dass das keine leichte Aufgabe ist: „Wir bewegen uns mit allen Regenrückhalte-Varianten mitten in der Altstadt. Da gibt es schlicht nicht die ideale Alternative ohne spürbare Auswirkungen. Unser Ziel ist es aber nach wie vor, die am ehesten verträgliche Lösung zu finden - denn eine Lösung brauchen wir.”

Die Notwendigkeit einer Regenrückhaltung ergibt sich insb. durch die Wahl der Sanierungsvariante 2, die auf Vorschlag der Verwaltung als Grundlage für die weitere Planung vom Rat am 29. März 2012 beschlossen worden war. Um die Platanenallee zu schützen, wurde festgelegt, dass der zweite Bauabschnitt (Teutoburger Straße bis Stauteich I) nicht offen, sondern mittels Inliner saniert wird. Dies aber führt zu einer Verringerung des Querschnitts. Um Überflutungen und damit verbundene Schäden zu verhindern, ist eine Regenrückhaltung zwingend erforderlich. Allerdings gibt es zusätzlich im Bereich des Gymnasiums Am Waldhof eine Schwachstelle. Dort führt der marode Lutterkanal unter der Schule entlang; eine Sanierung in offener Bauweise ist hier logischerweise nicht machbar. Hier muss entweder eine komplette Verlegung des Gewässerabschnitts oder aber auch eine gewisse Regenrückhaltung vorgesehen werden.

Vor dem Hintergrund der schwierigen Entscheidungsfindung wurde aktuell von einzelnen Ratsmitgliedern, aber auch in der Bürgerschaft hinterfragt, ob die Festlegung auf eine Inlinersanierung für den zweiten Bauabschnitt überhaupt richtig ist. In offener Bauweise müsste zwar die gesamte Platanenallee mit rund 55 Bäumen entfallen, der Kanal könnte dann aber neu so dimensioniert werden, dass ein baulicher Eingriff z.B. im Park der Menschrechte oder im Kunsthallenpark zumindest weitgehend vermieden würde.

„Selbstverständlich sieht sich die Verwaltung an den Ratsbeschluss gebunden und hat insofern immer auf dieser Grundlage gearbeitet – zumal dem Beschluss seinerzeit eine intensive Diskussion und Abwägung vorangegangen war. Gleichwohl macht es Sinn, die seinerzeitigen Argumente für diese Alternative wie auch deren wirtschaftlichen Aspekte noch mal darzustellen. Das werden wir für die Beschlussvorlage zur Regenrückhaltung aufbereiten, damit eine umfassende Abwägung möglich ist. ” erläutert Anja Ritschel. Eine Änderung der grundlegenden Sanierungsvariante könne aber nur durch einen erneuten Ratsbeschluss erfolgen.

In besonderer Weise spielt bei der Abwägung der einzelnen Regenrückhalte-Alternativen der jeweils betroffene Baumbestand eine Rolle. Bei jeder der Varianten müssen im Rahmen der Baumaßnahme Bäume gefällt werden – sei es an der Alfred-Bozi-Straße, in einem der Parks oder bei den sog. Bypass-Lösungen. Und wäre die Platanenallee zur Disposition gestellt, würde auch dies einen erheblichen Eingriff bedeuten. „Gerade weil der Baumbestand eine so wichtige Rolle bei der Wertung spielt, wollen wir hier noch mal externen Sachverstand hinzuziehen.” so die Umweltdezernentin. Es soll für jede Variante detailliert dargestellt werden, wie viele Bäume welcher Qualität voraussichtlich gefällt werden müssen und inwieweit diese durch Neuanpflanzungen vor Ort ersetzt werden können.

Die Beschlussempfehlung soll den zuständigen Gremien im Herbst dieses Jahr vorgelegt werden. Ziel ist es, bis Ende 2013 Klarheit über das weitere Vorgehen zu haben. Anja Ritschel betont: „Die Sicherheit hat bei der Lutterkanalsanierung oberste Priorität. Wenn mit einer Inlinersanierung begonnen wird, muss zuvor die notwendige Regenrückhaltung auch baulich realisiert sein. Deshalb brauchen wir den Beschluss über das „wie” in den nächsten Monaten.”