Regenrückhaltung: Stadt schlägt nach Abwägung aller Rahmenbedingungen und Stellungnahmen Kompromisslösung vor

14.11.2013
Im Laufe der Diskussion um die Luttersanierung hatte der Rat der Stadt Bielefeld im März 2012 die Verwaltung beauftragt, für die erforderliche Regenrückhaltung die Vor- und Nachteile der angedachten Standorte näher darzulegen und dabei auch die Belastungen für die jeweilige Anwohnerschaft deutlich zu machen. In verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen zur Luttersanierung im Rathaus, in der Ravensberger Spinnerei und an den beiden Gymnasien Am Waldhof und Ratsgymnasium hatte die Beigeordnete für Umwelt und Klimaschutz, Anja Ritschel, ergänzend zugesagt, weitere Ideen und Vorschläge aufzugreifen und in die Alternativenprüfung einzubeziehen.

In einem mehrmonatigen Prozess haben seitdem die Verwaltung und weitere Experten, die unmittelbar Betroffenen, aber auch interessierte Bielefelderinnen und Bielefelder denkbare und selbst ‚undenkbare’ Lösungswege angedacht und geprüft, Meinungen und Argumente ausgetauscht, Vor- und Nachteile abgewogen. Geblieben sind zu guter Letzt sechs Varianten, eine erneut ins Spiel gebrachte modifizierte alte Variante, und die Erkenntnis, dass es keine perfekte Lösung geben wird.

Ergänzend zu den bereits am 17.07.2013 öffentlich präsentierten Ergebnissen hat die Verwaltung zum einen konkrete Daten hinsichtlich der finanziellen Aspekte ausarbeiten lassen. Zum anderen wurde erneut ein Baumgutachter (Büro Achterberg) hinzugezogen, der für alle Varianten ermittelt hat, welcher Baumbestand in welcher Qualität von Baumaßnahmen betroffen sein würde.

Außerdem wurde nochmals die vom Rat seinerzeit nicht beschlossene Sanierung des zweiten Bauabschnitts (Teutoburger Straße bis Stauteich I) in offener Bauweise aufgegriffen. Diese berücksichtigt also den geltenden Ratsbeschluss nicht, sondern greift die seinerzeit vorgestellte Sanierungsvariante 4 auf, d. h. eine durchgehende Sanierung in offener Bauweise. Das erfordert für sich keine Regenrückhaltung. Es verbleibt aber eine Schwachstelle in Form des maroden Kanalabschnitts unter dem Gymnasium Am Waldhof, die zu beseitigen ist. Sinn der erneuten Prüfung ist der mehrfach geäußerte Wunsch, auf eine Rückhaltenotwendigkeit verzichten zu können. Um diesen Grundgedanken beizubehalten, kommt eine Inlinersanierung des Abschnitts nicht infrage, denn dies würde wegen des verminderten Querschnitts wiederum eine Rückhaltung notwendig machen. Deshalb wurde als Minimallösung vorgesehen, die Variante 4 um eine Verlegung dieses Lutterabschnitts in den Park der Menschrechte zu ergänzen.

Diese Lösung ist grundsätzlich realisierbar. Die Intention allerdings, zu geringeren Eingriffen in das städtische Grün zu kommen, wird nicht erreicht. Vielmehr ist der Eingriff in den Grünzug Ravensberger Straße mit einem Verlust von allein 56 Platanen mindestens so gravierend einzustufen wie die anderen Varianten. Auch ist das bürgerschaftliche Engagement des Vereins Pro Lutter e. V. betroffen. Die vom Verein geplante und vom Rat beschlossene (Teil-)Sanierung der Lutter im Grünzug wie auch in der Ravensberger Straße würde an fehlenden Fördermitteln definitiv scheitern. Da zudem wegen des maroden Kanalabschnitts unter dem Gymnasium Am Waldhof eine bauliche Maßnahme in diesem Bereich unabwendbar ist, sieht die Verwaltung keine Verbesserung darin, die entsprechenden Ratsbeschlüsse aufzuheben.

Die Verwaltung empfiehlt nun als aus ihrer Sicht tragbaren Kompromiss die so genannte Lösung C, d.h. einen erweiterten Bypass im Park der Menschenrechte und den Bau eines kleineren Rückhaltebeckens an der Teutoburger Straße.
Unter hydraulischen Gesichtspunkten ist die Lage im Park der Menschenrechte optimal. Der marode Kanalabschnitt unter dem Gymnasium kann endgültig aufgegeben werden – dies ist eine nachhaltige Lösung. Kostenmäßig liegt diese Lösung mit einem Investitionsvolumen von 30,2 Mio. € im mittleren Bereich der verschiedenen geprüften Varianten.
Während der Bauphase wird zwar ein Großteil des Parks beansprucht; aber bei der Wiederherstellung ergeben sich deutlich bessere Möglichkeiten als bei dem ursprünglich angedachten Zentralbecken. Die freigelegte Lutter wird zukünftig weiterhin dort fließen; vor allem aber ist es möglich, auch wieder viele große Bäume anzupflanzen.
Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass im Bereich der Teutoburger Straße eine weitere Baumaßnahme nötig wird, die auch einen gewissen Eingriff in das Stadtgrün bedeutet. Dennoch kann diese Lösung als Kompromiss angesehen werden im Sinne einer Verbesserung bei den qualitativen Kriterien gegenüber der Zentrallösung.


In den folgenden Wochen wird diese Empfehlung in den zuständigen Gremien beraten, das letzte Wort hat dann der Rat der Stadt Bielefeld.

Der Verwaltungsvorschlag wurde am 14.11.2013 mittels einer Tischvorlage in die Bezirksvertretung Mitte eingebracht. Hierbei kann es sich nur um eine so genannte 1. Lesung im Sinne einer Grundinformation handeln.
Dem Betriebsausschuss UWB und dem Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz wird die Verwaltung am 04.12.2013 in gemeinsamer öffentlicher Sitzung vortragen. Zu diesem Termin wie auch zur Sitzung der Bezirksvertretung Mitte am 16.01.2014 stehen alle beteiligten Gutachter und Experten für Erläuterungen, Nachfragen und Diskussion zur Verfügung.



Dokumente

Die Beschlussvorlage 6549/2009-2014 mit Anlagen finden Sie in unserem Externer LinkRatsinformationssystem
(Sitzungskalender:
BV Mitte 14.11.13)