Anliegerdialog Luttersanierung: Regenrückhaltung
Informations- und Dialogveranstaltung über Zwischenergebnisse der Prüfung möglicher Alternativen

29.04.2013
Am heutigen Montag wird die Verwaltung erste Zwischenergebnisse der Alternativenprüfung zur Regenrückhaltung im Zuge der Luttersanierung vorstellen.

Da durch die Vielzahl der Alternativen auch eine Vielzahl von Menschen potentiell betroffen sein kann, wurde der Termin nicht nur den bisher am Verfahren beteiligten Institutionen bekannt gegeben, sondern es erfolgte eine öffentliche Ankündigung. Zudem sind die Mitglieder der Bezirksvertretung Mitte sowie des Betriebsausschusses Umweltbetrieb eingeladen. Politik und Öffentlichkeit werden also zeitgleich informiert.

Bislang sind noch nicht alle Kriterien in der notwendigen Tiefe betrachtet worden. Es kann und wird also noch keine "Vorzugsvariante" benannt werden.

Allerdings haben die bisherigen Prüfungen zumindest einige sehr klare Ausschlussaspekte ergeben. So kommen beispielsweise zwei mögliche Standorte (55er Kaserne sowie Obernstraße) schon allein aus Gründen des Brandschutzes nicht infrage - es besteht kein ausreichender Gebäude-Zugang während der Bauphase. Andere Standorte scheitern an der Nichtverfügbarkeit; dies betrifft insbesondere das Parkhaus Hermannstraße und den Parkplatz des REAL-Marktes.

Auch die in der Öffentlichkeit sehr begrüßte Idee einer Flutung der OWD-Unterführung lässt sich nicht realisieren. Die Deutsche Bahn AG sowie die Stadtwerke Bielefeld haben technische Bedenken geltend gemacht. Zudem wäre die Unterführung auch bei kleineren Regenmengen komplett zu sperren, da oftmals nicht belastbar abschätzbar ist, wie sich Niederschlagsereignisse entwickeln. Darüber hinaus ist eine dauerhafte Zuordnung einer Nutzung der Straßenfläche als Regenrückhaltebereich rechtlich nur dann möglich, wenn die Straße entwidmet wird und damit nicht mehr dem Verkehr zur Verfügung steht.

Neue Perspektiven haben sich hingegen durch das Konzept "Baukastensystem" ergeben. Durch die Kopplung von Maßnahmen, die für sich genommen nicht ausreichend wirksam sind, hat die Verwaltung gemeinsam mit den beratenden Ingenieurbüros vier weitere Alternativen eruiert. Diese sollen nun weiter ausgearbeitet und gemäß dem umfassenden Kriterienkatalog noch genauer betrachtet werden.

Die Verwaltung beabsichtigt insofern, die beiden ursprünglichen, aus technischen und wirtschaftlichen Gründen favorisierten Alternativen (ein zentrales Regenrückhaltebecken im Kunsthallenpark oder im Park der Menschenrechte) sowie die vier neuen Baukasten-Alternativen (Skizzen siehe Anlage) in die engere Wahl zu nehmen und die Alternativenprüfung diesbezüglich zu vertiefen.

Ob der vorgesehene Zeitplan hinsichtlich der abschließenden Entscheidung zur Regenrückhaltung eingehalten werden kann, ist fraglich, da es bei den bisherigen Prüfschritten zu deutlichen zeitlichen Verzögerungen gekommen ist. Die Verwaltung wird zunächst den jetzigen Zwischenstand in einer Vorlage zusammenfassen, um die politischen Gremien angemessen zu informieren. Nach Abschluss der Alternativenprüfung wird die Verwaltung auch diese Ergebnisse öffentlich präsentieren und zur Diskussion stellen. Die Entscheidung ist letztlich durch den Rat der Stadt Bielefeld zu treffen.

Zum Hintergrund: Regenrückhaltung
Um den Erhalt der Platanenallee an der Ravensberger Straße zu ermöglichen, hatte der Rat beschlossen, Alternativen zu einer Sanierung der verrohrten Lutter in gänzlich offener Bauweise prüfen zu lassen.

Am 29.03.2012 hat der Rat den Beschluss gefasst, für die weitere Sanierungsplanung die Variante zwei zugrunde zu legen (Vorlage 3813/2009-2014). Es handelt sich um eine Kombination aus offener Sanierung zwischen Teutoburger Straße und Niederwall und geschlossener, sog. Inliner-Sanierung zwischen Teutoburger Straße und Stauteich I. Neu aufgenommen wurde der Abschnitt der verrohrten Lutter im Bereich des Gymnasiums Am Waldhof, nachdem Untersuchungen ergeben hatten, dass auch dort die Lutterverrohrung sanierungsbedürftig ist. Die Sanierung ist hier nicht in offener Bauweise möglich, weil der Kanal teilweise unter den Schulgebäuden des Gymnasiums Am Waldhof entlang führt.

Die beauftragten Gutachter haben die Einschätzung der Verwaltung bestätigt, dass bei Anwendung eines Inlinerverfahrens wegen des dann verringerten Querschnitts und der damit verbundenen Minderung der hydraulischen Leistungsfähigkeit dem zu sanierenden Abschnitt dann eine Regenrückhaltung vorzuschalten ist. Die Abflussminderung beträgt rund 37 Prozent.

Bei der Standort-/Aiternativensuche für die Regenrückhaltung spielen unter anderem die notwendigen hydraulischen Rahmenbedingungen Volumen, sinnvoller Anschluss an die Lutter, Gewährleistung des Abflusses, nachweisbarer hydraulischer Entlastungseffekt) eine Rolle.

Die Regenrückhaltung kann nicht vor dem Adenauerplatz erfolgen, da die wesentlichen Zuflüsse der verrohrten Lutter erst am Rand der Altstadt erfolgen. Ein hydraulischer Problembereich befindet sich in der Straße Am Bach. Zudem ist das Regenüberlaufbecken Turnerstraße als Teil des Entwässerungssystems mit zu berücksichtigen.

Die bisherigen zwei Dialogtermine am 29. Oktober und 12. November 2012 über die Alternativensuche für eine Regenrückhaltung im Rahmen der Luttersanierung konzentrierten sich zunächst auf die potentiell betroffenen Institutionen (Schulen, Vereine und Einrichtungen) im Umfeld von Kunsthallenpark und Park der Menschenrechte. Aus dem Kreis wurden weitere Ideen für eine Regenrückhaltung benannt. Es wurde eine Einigung erzielt über den Katalog der zu prüfenden 17 alternativen Varianten für die notwendige Regenrückhaltung und über den Katalog der Prüfkriterien. Dieser erweiterten Alternativenprüfung hatten die Bezirksvertretung Mitte und der Betriebsausschuss UWB am 14. Januar 2013 zugestimmt.



Anlage

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