Coronavirus in Bielefeld

24.03.2020
Kitas, Kontrollen, Drogenberatung und Obdachlosenhilfe

Bielefeld (bi)

Aktuelle Zahlen, Entwicklungen und Informationen zum Thema „Corona“:

Zahl der Erkrankten

Stand heute, 12 Uhr, sind 104 Bielefelderinnen und Bielefelder bestätigt am Coronavirus erkrankt. 1.565 Menschen befinden sich zur Zeit in Quarantäne.

Situation in den Kitas und der Kindertagespflege

Das Jugendamt erreichen seit gestern zahlreiche Fragen zur Situation in den Kitas und Kindertagespflegeeinrichtungen. Sind die dort tätigen Erzieher*innen ausreichend geschützt, um auch die Kinder zu schützen? Ingo Nürnberger, Sozialdezernent und Krisenstabsleiter, hat Verständnis für die geäußerten Sorgen. „Die Erzieher*innen stehen gerade an vorderster Front und leisten einen ganz wichtigen Dienst für uns alle. Sie sorgen mit der Betreuung der Kinder von so genannten Schlüsselpersonen dafür, dass unsere wichtige Infrastruktur – Gesundheitswesen, aber zum Beispiel auch Gesundheitsamt, Ordnungsamt oder Feuerwehr – weiter funktionieren. Die Erzieher*innen können sich dabei auch kaum schützen, weil Schutzausrüstung im Umgang mit Kindern kaum praktikabel ist und auch den Kindern nicht zugemutet werden kann.“

Die Träger müssen darauf achten, dass die Kinder in Kleinstgruppen in großen Räumen betreut werden. Die Betreuung sei wesentlicher Bestandteil für die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung. Deshalb habe auch das Land die Vorgaben für eine Notbetreuung gelockert. „Wir brauchen die Mütter und Väter in den sogenannten systemrelevanten Bereichen. Insbesondere die medizinische Betreuung wird ohne den Einsatz von Ärzten und Pflegepersonal nicht sicherzustellen sein. Aber auch das Gesundheitsamt, die Feuerwehr, die Ordnungsbehörden oder die Lebensmittelmärkte müssen auch morgen noch funktionieren. Aber ich appelliere wirklich ausdrücklich noch einmal an die berechtigten Eltern: Nehmen Sie die Notbetreuung nur in Anspruch, wenn es gar nicht anders geht – zum Schutz Ihrer Kinder, aber auch der Kitabeschäftigten oder Tageseltern!“ 

Da es auch wegen eines Schreibens des Jugendamtes vom Wochenende an alle Kita-Träger und alle Kindertagespflegepersonen Irritationen gibt, noch einmal zur Klarstellung: Darin wurde über die vom Land NRW getroffenen Regelungen informiert. Dabei ist nicht die Aussage getroffen worden, dass sich die Kindertagespflegepersonen darauf einstellen müssen, bis zu fünf Kinder aus bis zu fünf unterschiedlichen Einrichtungen betreuen zu müssen.

Ziel der Landesregelung ist nach wie vor, dass die Kinder in den Kitas oder in den Kindertagespflegestellen notbetreut werden, in denen sie auch vor der Corona-Krise betreut worden sind. Es bedarf aber auch einer Regelung für Kinder, die bisher nicht in einem Kindertagesbetreuungsangebot gewesen sind und jetzt notbetreut werden müssen. Und es kann auch sein, dass Kinder nicht mehr in der bisherigen Kita oder Kindertagespflegestelle notbetreut werden können, weil diese zum Beispiel wegen eines Corona-Falles geschlossen werden musste. Für diesen Fall hat das Land geregelt, dass das Jugendamt eine Notbetreuung in einem anderen Kindertagesbetreuungsangebot zu organisieren hat. In Betracht kommen nach den Landesvorgaben dabei nur Kitas und Kindertagespflegestellen, in denen aktuell keine Notbetreuung erfolgt.

Das Jugendamt achtet darauf, dass nach Möglichkeit keine neuen Gruppen gebildet werden, in denen Kinder nur einzeln in einer anderen Betreuungseinrichtung untergebracht werden.

Zu den aktuellen Betreuungszahlen: Am 20. März waren 216 Kinder in der Kita und 34 Kinder in der Kindertagespflege in der Notbetreuung (Summe: 250). Stand 24. März befinden sich 272 Kinder in der Kita und 34 Kinder in der Kindertagespflege in der Notbetreuung (Summe: 306). Die Steigerung ist nicht nur auf die geänderten Zugangsvoraussetzungen zurückzuführen, sondern liegt auch daran, dass manche Kinder nur tageweise betreut werden und es daher zwischen den einzelnen Tagen zu Veränderungen kommt. Mit Blick auf die vom Land NRW vorgenommene Neuregelung geht das Jugendamt aber davon aus, dass die Inanspruchnahme steigen wird.

Kontrollen im öffentlichen Raum     

Die Stadt kontrolliert an vielen Orten – auch an zentralen Bereichen wie Tüte, Kesselbrink und Treppenplatz. Die Ordnungskräfte werden sehr konsequent vorgehen und Gruppen von mehr als zwei Personen auflösen. Das wurde heute im Krisenstab so vereinbart.

Drogenberatung 

Vor der Drogenberatung warten zurzeit mehr als zwei Menschen – manchmal auch größere Gruppen. Grund ist, dass für die medizinisch verordnete Substitution nur einzeln Zugang möglich ist. Die Substitution muss aber unbedingt fortgeführt werden, damit die Menschen nicht ohne Hilfe in Entzug geraten. Wir werden aber gemeinsam mit der Drogenberatung nach Lösungen suchen, die Gruppe möglichst klein zu halten und auf den Sicherheitsabstand zu achten.

Wohnungslosenhilfe

Die Angebote der Wohnungslosenhilfe sind geöffnet. Bereits am 13. März wurde mit dem Träger Bethel vereinbart, dass sowohl der Sozialdienst als auch die „Kava“ für Menschen ohne eigene Wohnung zugänglich sind. Der Zugang wird allerdings gesteuert. Alle Bewohnerinnen und Bewohner unserer Unterkünfte dürfen sich in den Unterkünften zur Zeit ganztägig aufhalten. Natürlich müssen auch weitere Hilfsmöglichkeiten stark eingeschränkt werden, aber nicht alle. Wohnungslose Menschen stehen in ihrer Situation vor noch größeren Herausforderungen als ohnehin schon. Aber die Stadt kümmert sich und hat auch für Fälle möglicher Quarantäne bereits vorgesorgt. Auch die Straßensozialarbeit von Bethel.regional ist weiter unterwegs.