Der Bielefelder Integrationspreis wird seit 2010 verliehen. Er soll Bielefelder Einzelpersonen, Organisationen und Einrichtungen auszeichnen und würdigen, die sich besonders engagiert, innovativ und vorbildlich für die Integration der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Bielefeld einsetzen.

Seit 2016 wird der Bielefelder Integrationspreis von der Stiftung Solidarität für Arbeitslosigkeit und Armut, dem Bielefelder Integrationsrat sowie der Stadt Bielefeld vergeben. Schirmherr ist Oberbürgermeister Pit Clausen, die Dotierung beträgt 10.000 Euro.
Die Preise für den Wettbewerb 2019 unter dem Motto "Integration braucht Haltung - von uns allen" werden am 28. November 2019 im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses verliehen. Die Laudatio hält Michael Heicks, Intendant Theater Bielefeld.

10. Integrationspreis 2019 - Preisträgerinnen und –träger

Ausgezeichnet wurden diesmal zwei Vereine, eine Firma und eine Projektgruppe, die nach Ansicht der Jury den Ideen des diesjährigen Mottos "Integration braucht Haltung - von uns allen" in besonderer Weise entsprachen.
Preisträgerinnen und  Preisträger bei der Auszeichnung am 28. November 2019
Kipp Umwelttechnik GmbH
Für seine Integrationsarbeit wird das Unternehmen häufig gelobt. Die Mitarbeiter stammen aus sechzehn verschiedenen Ländern und sind Christen, Muslime, Buddhisten, Hindus oder Atheisten, wobei die ethnische und religiöse Vielfalt eine Selbstverständlichkeit ist, die eigentlich keine Rolle spielt, da die deutsche Sprache als gemeinsamer Nenner benutzt wird. Z.B. hat Youssouf 2016 als erster Geflüchteter sein Einstiegsqualifizierungsjahr begonnen und macht bereits 2017 seine Ausbildung zum Straßenbauer. Herr T., der vor 6 Jahren weder lesen, schreiben, noch ein Wort Deutsch sprechen konnte, bestand gerade seine Prüfung zum Tiefbaufacharbeiter und wurde kürzlich vom Bundespräsidenten zu einem Bürgerfest eingeladen. Alle, gerade die jüngeren, haben zumindest das Sprachniveau B2 erreicht oder es zum Ziel. Die Auszubildenden, die noch deutlichen Förderbedarf haben, besuchen samstags den firmeneigenen Deutschunterricht, den eine Lehrerin aus Syrien durchführt.

Frauenkulturzentrum Bielefeld e.V.
Seit Oktober 2015 findet wöchentlich ein regelmäßiges, kulturelles Zusammensein mit spätem Frühstück statt, bei dem geflüchteten Frauen sowie Migrantinnen, Bielefelderinnen, Mädchen und Jungen bis 12 Jahre zusammen frühstücken und ihre gegenseitigen Kulturen näher kennenlernen. Zu ihren Problemlagen gehören Traumatisierung, sexualisierte Gewalterfahrungen, psychosoziale Krisen, Familienstreitigkeiten, Normenkonflikte und geschlechtsspezifische Verfolgung. Viele der Frauen leben hier alleine oder mit ihren Kindern. Ihnen fehlen oft Sprachkenntnisse und soziale Kontakte. Es wird großen Wert darauf gelegt, Deutsch zu sprechen. Es werden außerdem Fahrrad- oder Schwimmkurse vermittelt und Unterstützung bei Problemen mit Jobcenter, BAMF, Wohnungssuche und bei Behördengängen angeboten.

SC Bielefeld 04/26 e.V.
Der SCB 04/26 zählt rund 1.100 Mitglieder, davon haben cirka 40 Prozent einen Migrationshintergrund. Ca. 50 Prozent sind Kinder und Jugendliche. Er ist ein in den Stadtbezirken Sudbrack, Gellershagen und Mitte vernetzter Bielefelder Sportverein mit vielfältigen Angeboten des Breitensports (Eltern-Kind-Turnen, Fahrradfahren, Fußball, Gymnastik/Fitness, Handball, Kindersport, Nordic Walking, Rücken-Fit, Tischtennis, Yoga) sowie vielen offenen Bewegungsangeboten auch für Nichtmitglieder wie Open Sunday, Mini-Move, Spiel- und Sportfeste. Im Einzugsgebiet leben vergleichsweise viele Kinder in Haushalten mit prekärem sozialen Status (Kinder mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende und Familien, die Leistungen nach dem SGB II erhalten). Derzeit erhalten 89 Kinder und Jugendliche im Verein eine Förderung über das Bildung- und Teilhabepaket. Eltern, Jugendliche und Multiplikatoren werden gezielt zu diesen Leistungen beraten und bei Inanspruchnahme praktisch unterstützt.

Leonie Braun mit dem Team Jubico – Junge Bielefelder couragieren
Team Jubico (junge Bielefelder couragieren) besteht aus 20 Schüler*innen verschiedener Bielefelder (Hoch-) Schulen im Alter von 14 bis 22 Jahren, die es sich zum Ziel gemacht haben, neben dem Sport mehr Zivilcourage in den Alltag von Bielefelder Menschen zu bringen. Partner des Teams Jubico: Bielefelder Bürgerstiftung, Stadtwerke Stiftung, Luisenschule (auch Schüler*innen vom Ratsgymnasium, Helmholtzgymnasium und Berufskolleg für Gymnastik). Neben einer Plakatreihe "Ich stehe auf ... für deine Religion, deine Schwächen, deine Behinderung etc." im ÖPNV gab es u.a. eine Umfrage zum Thema Zivilcourage (Verteilung von Luftballons und Stickern mit Wunschzetteln), eine Valentinstagaktion (Basteln und Tanzen in Altenheimen und Verteilen von Obst und Tee an Obdachlose) sowie einen Zivilcourage-Workshop bei der Bezirksdelegiertenkonferenz. Die jungen Menschen treffen sich wöchentlich, um die nächsten Aktionen und Projekte zu planen (z. B. Erstellung Zivilcourage-Guide; Etablierung Zivilcourage-Workshop für verschiedene Altersgruppen; Vernetzung mit anderen Jugendgruppen / Initiativen).