Sparrenburg

Stolz thront die Sparrenburg über Bielefeld, die ehemalige Festung des Grafen von Ravensberg gilt heute als Wahrzeichen der Stadt und beliebtes Ausflugsziel.
Die Sparrenburg wurde wohl zwischen 1240 und 1250 durch Graf Ludwig von Ravensberg erbaut. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1256. Der Name der Burg leitet sich von den Sparren in dem Wappenschild der von Ravensberg ab. Die Geschichte Bielefelds steht im engen Zusammenhang mit der Sparrenburg.

Zum einen diente sie dem Grafen von Ravensberg zur Verwaltung, dem Amtmann als Sitz für das Amt Sparrenberg und dem Landesherrn und seinem Gefolge als Wohnsitz. Zum anderen sicherte sie den Schutz des Territoriums und der Stadt. Den Bielefeldern symbolisierte sie die Macht des Landesherrn. Das damalige Aussehen der Sparrenburg unterschied sich jedoch sehr vom heutigen. So bestand die Burganlage lediglich aus einem etwa 45 mal 85 Meter großen Rechteck, welches durch eine Quermauer in eine Vor- und Hauptburg geteilt wurde.

Der Turm stand in der Mitte der Quermauer und daneben befanden sich die Wohngebäude und Stallungen. Die erste Erweiterung erfolgte um 1450 mit dem Bau des Windmühlenrondells. Im 16. Jahrhundert erfolgte der vollständige Umbau der Burg unter der Leitung des Festungsbaumeisters Pasqualini mit der Errichtung des Kiekstattrondells (1535), des Marien- und Schusterrondells (1538), der Erweiterung der Kurtinen (1540) (Verbindende Mauer zwischen zwei Bastionen einer Festung) und dem Bau des Scherpentiners (1556). Die Rondelle wurden mit unterirdischen Gängen verbunden, welche heute noch teilweise besichtigt werden können.
1578 wurde die Burg vollendet. Diese massige Befestigung bot einen zeitgemäßen Schutz, da die ursprüngliche Festung einem Angriff mit Kanonen nicht mehr standgehalten hätte.

Die Burg hielt einigen Belagerungen stand, wurde zwar 1631 teilweise dem Erdboden gleichgemacht, jedoch nie gestürmt. Viel größere Schäden als die durch Kriegseinwirkungen richtete jedoch 1612 ein Erdbeben an, von dem noch ein großer Riss in der Gewölbedecke des Kieckstattrondells zeugt.
Mit Ausnahme der Zeit des siebenjährigen Krieges diente die Burg zwischen 1743 und 1877 als Gefängnis. Währenddessen wurden aufstehende baufällige Gebäude abgerissen und das Abrissmaterial zur Erweiterung der Gefängnisanlagen verwendet. Als 1877 in Folge einer Unachtsamkeit bei Dachdeckerarbeiten das Gefängnis abbrannte, wurde es aufgelöst. Die rund 170 Gefangenen wurden auf Haftanstalten in der ganzen Provinz verlegt.
Hatte die Burg schon 1775 durch den Abbruch des Mauermantels stark gelitten – die Steine wurden für den Bau der „55er Kaserne” verwendet, die an der Hans-Sachs-Straße liegt –, so war der vollständige bauliche Verfall nicht mehr aufzuhalten. Auf Druck der Bürgerschaft erwarb die Stadt Bielefeld am 19. Mai 1879 für 8.934,90 Goldmark die Festungsruine. Nun begann eine rege Bautätigkeit. Die Burg wurde zu einem „echten” Bielefelder Wahrzeichen. Mehrere Besuche des Kaisers Wilhelm II. u.a. anlässlich der Enthüllung des Denkmals des Großen Kurfürsten am 6. August 1900 durch ihn unterstreichen das.
Durch Fliegerbomben wurden im Jahre 1944 bis auf den Turm alle Gebäude mehr oder weniger vollständig zerstört. Der Wiederaufbau der Burg vollzog sich in mehreren kleinen Schritten: Nach den Aufräum- und Sicherungsmaßnahmen (1948 – 1950), der Wiederherstellung der Brücke (1953), des Wiederaufbaus eines Nebengebäudes (1954) und des früheren Wirtschaftsgebäudes (1957 – 1958), erfolgten zwischen 1968 und 1995 die Restaurierungen der Außenmauern.

Pflanzenbewuchs und Wassereinbruch machen jedoch ihre erneute Restaurierung erforderlich. Seit dem Frühjahr 2007 laufen die Sanierungsarbeiten des ersten Bauabschnitts. Dabei wurde im Oktober am Zugang zum Kiekstattrondel unter einer Baumwurzel die zum Teil zerstörte Gewölbedecke eines Treppenaufganges aus dem unterirdischen Gangsystem der Kasematten zur oberirdischen Fläche des Kiekstattrondels freigelegt.

Als prominenteste Übernachtungsgäste von historischer Bedeutung beherbergte die Burg im Mai 1377 Kaiser Karl IV und vom 29. bis 31. Juli 1697 den Zar Peter der Große, der hier auf seiner Reise von Moskau nach den Niederlanden Station machte. Ein anderer prominenter - sicherlich aber unfreiwilliger Gast - war der Münsteraner Wiedertäufer Jan van Leiden, der sich „der König der letzten Tage” nannte und als Gefangener auf der Burg seinem weiteren Schicksal harrte. Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass auf der Burg Dorothea Prinzessin von Holstein-Glücksburg als Gemahlin von Kurfürst Friedrich Wilhelm, auf der Sparrenburg 1673 den Sohn Prinz Karl Philipp und 1675 die Tochter Dorothea gebar.