Gesetzlich geschützte Biotope

nach § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und § 42 Landesnaturschutzgesetz NRW (LNatSchG)
In Bielefeld gibt es circa 320 Biotope, die aufgrund ihrer Natürlichkeit und des Artenvorkommens von den Landesdienststellen erfasst wurden und geschützt sind, ohne dass es eines förmlichen Verfahrens bedarf. Die Flächen, die in der Regel extensiv oder gar nicht bewirtschaftet werden, stehen überwiegend im Eigentum von Landwirten oder im Eigentum der Stadt.

Um festzustellen, wer als Eigentümerin oder Eigentümer betroffen ist, bestehen zwei Möglichkeiten:

Warum gibt es gesetzlich geschützte Biotope?

Biotope sind Lebensräume wildlebender Tiere und Pflanzen. Viele in unserer Landschaft noch vorkommende, naturnahe Biotope sind direkt oder indirekt zum Beispiel durch Bebauung, Nutzungsintensivierung, Nährstoffeinträge oder Entwässerungsmaßnahmen gefährdet.

Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber bestimmte Biotope unter einen gesetzlichen Schutz gestellt. In Nordrhein-Westfalen sind gemäß § 30 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und § 42 Landesnaturschutzgesetz (LNatSchG) geschützt:

  • natürliche oder naturnahe Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation sowie ihrer natürlichen oder naturnahen Verlan-dungsbereiche, Altarme und regelmäßig überschwemmten Bereiche,
  • Moore, Sümpfe, Röhrichte, Großseggenrieder, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Quellbereiche,
  • offene Binnendünen, offene natürliche Block-, Schutt- und Geröllhalden, Lehm- und Lösswände, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Trockenrasen, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte,
  • Bruch-, Sumpf- und Auenwälder, Schlucht-, offene Felsbildungen,
  • Kleinseggenrieder,
  • Nass- und Feuchtgrünland,
  • Magerwiesen und –weiden,
  • Halbtrockenrasen,
  • natürliche Felsbildungen,
  • Höhlen und Stollen sowie
  • Streuobstwiesen unter bestimmten Voraussetzungen


Welche gesetzlich geschützten Biotope gibt es in Bielefeld?

Im Bielefelder Stadtgebiet wurden ca. 320 gesetzlich geschützte Biotope mit einer Gesamtfläche von ca. 540 ha vom LANUV kartiert.

Beispiele für in Bielefeld vorkommende gesetzlich geschützte Biotope:

  • fließende und stehende Binnengewässer (natürlich oder naturnah)
  • Sümpfe
  • Röhrichte
  • seggen- und binsenreiche Nasswiesen
  • Quellbereiche
  • offene Binnendünen
  • Borstgrasrasen
  • Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden
  • Trockenrasen
  • Buchenwälder auf trockenwarmen Standorte
  • Bruch- und Sumpfwälder
  • Auwälder
  • Nass- und Feuchtgrünland
  • Magerwiesen und -weiden
  • Streuobstbestände unter bestimmten Voraussetzungen
  • Höhlen

98 gesetzlich geschützte Biotope mit einer Fläche von 351 Hektar liegen in Naturschutzgebieten. Zu den größten und bekanntesten gesetzlich geschützten Bioto-pen in Bielefeld gehören die Rieselfelder Windel (circa 27,9 Hektar) mit ihren Feucht- und Nasswiesen, Röhrichten und Stillgewässern sowie der Flugplatz Bielefeld - Windelsbleiche (circa 28,4 Hektar) mit seinen Magerweiden, Trockenrasen und Heideflächen. Die Buchenwaldbiotope weisen am Blömke- und Jostberg eine Fläche von circa 114 Hektar und im Bereich Käseberg eine Fläche von circa 44 Hektar auf.

Karten und Sachdaten der gesetzlich geschützten Biotope in Bielefeld können im Digitalen Umweltatlas eingesehen werden.

Wie wurden die gesetzlich geschützten Biotope erfasst und abgegrenzt?

Biotop Unterlauf Johannisbach
Die Kartierung der gesetzlich geschützten Biotope wird in Nordrhein-Westfalen gemäß § 42 Abs. 2 Landschaftsgesetz durch das LANUV durchgeführt.

Nach der Kartieranleitung werden diejenigen Biotope erfasst, die entweder eine natürliche Entstehungsgeschichte (als vom Menschen nicht oder wenig beeinflusst) besitzen oder die sich als Folge der bestehenden oder der historischen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung entwickelt haben. Biotope, die aufgrund anderer Landnutzungsformen entstanden sind oder geschaffen wurden, werden nur dann erfasst, wenn die ursprüngliche Nutzungsbestimmung aufgegeben wurde.

Bei der Erfassung der geschützten Biotope sind die charakteristischen Ausprägungen der Biotope zu beachten. Im Rahmen des Kartierdurchganges werden Mindest- bzw. Bagatellgrößen als Ori-entierungswerte zu Grunde gelegt. Hierbei handelt es sich um funktional begründete Richtgrößen, die bei guter und typischer Ausbildung oder zur Sicherung der naturräumlichen Repräsentanz unterschritten werden können. Biotopkomplexe aus mehreren, direkt aneinandergrenzenden gesetzlich geschützten Biotoptypen werden kartiert, wenn zumindest ein Biotoptyp als zusammenhängende Fläche oder in der Summe mehrere aneinandergrenzender Teilflächen die vorgeschriebene Mindestflächengröße erreicht.

Das LANUV grenzt die von ihm erfassten Biotope in Karten im Maßstab 1 : 5.000 eindeutig ab. In Bielefeld fand die Kartierung im Wesentlichen in den Jahren 2001 und 2003 statt und wurde aufgrund der Änderung des Landschaftsgesetzes im Jahr 2007 überarbeitet. Aufgrund von neueren Kartierungen, die überwiegend im Jahr 2012 stattfanden, wurden weitere gesetzlich geschützte Biotope erfasst.

Wie dürfen gesetzlich geschützte Biotope genutzt werden?

In der Regel kann eine solche Fläche weiterhin so genutzt werden wie bisher, da durch die meist extensive Nutzung der Lebensraum entstanden beziehungsweise erhalten geblieben ist.

Es müssen aber alle Handlungen unterbleiben, die zu einer Zerstörung oder sonstigen erheblichen Beeinträchtigung des Biotops führen können. Im Zweifelsfall sollte sich die Eigentümerin / der Eigentümer bzw. die Nutzerin / der Nutzer vor einem Wechsel in der Nutzung oder der Durchführung einer Maßnahme bei der unteren Naturschutzbehörde über die Zulässigkeit erkundigen.

Zum Schutz der Biotope sind unter anderem nicht gestattet:

  • das Beschädigen, Zerstören oder Entfernen der vorhandenen Vegetation,
  • das Errichten baulicher Anlagen, das Versiegeln von Flächen sowie das Anlegen von Wegen,
  • das Aufstellen von Buden, Verkaufsständen, Verkaufswagen, Zelten oder Werbeautomaten sowie das Abstellen von Kraftfahrzeugen oder Wohnwagen und das Anlegen von Stellplätzen,
  • das Betreten, Befahren oder Reiten (auf) der Biotopfläche, ausgenommen zum Zwecke der ordnungsgemäßen Bewirtschaftung und Nutzung,
  • das Campen, Zelten, Picknicken und Lagern, das Errichten von Camping-, Zelt- oder Lagerplätzen sowie das Entzünden von Feuer (mit Ausnahme nicht abwendbarer forstlicher Maßnahmen),
  • das Errichten oder Verändern von Ver- und Entsorgungsleitungen sowie das Anlegen oder Ändern von Zäunen und anderen Einfriedigungen (mit Ausnahme von ortsüblichen Weidezäunen oder für den Forstbetrieb notwendigen Kulturzäunen),
  • das Ablagern, Lagern oder Aufbringen von Stoffen oder Gegenständen (ins-besondere Abfallstoffe, Silage, Gülle, Klärschlamm),
  • das Aufschütten, Verfüllen, Abgraben oder Ausschachten oder das Verändern der Bodengestalt auf andere Weise,
  • das Anlegen oder Verändern von Gewässern einschließlich von Fischteichen, das Überführen fischereilich genutzter Gewässer in eine intensivere Nutzung, das Verändern des Wasserchemismus sowie der Verbau von Quellen,
  • das Verändern des Wasserhaushaltes der Biotope, das Drainieren, das Entwässern und andere den Wasserhaushalt nachteilig beeinflussende Maßnahmen,
  • das Anwenden von Pflanzenschutzmitteln (einschließlich Schädlingsbekämpfungsmittel),
  • das Düngen in einem größeren als dem bisherigen Umfang bzw. in einer anderen als der bisherigen Art,
  • das Düngen landwirtschaftlich genutzter Trocken- und Halbtrockenrasen, Borstgrasrasen sowie Magerwiesen und -weiden,
  • das Überführen von Brachen, Grünland oder landwirtschaftlich extensiv bewirtschafteten Flächen in eine Intensivnutzung sowie das Umbrechen und das Roden von Flächen,
  • das Anlegen von Kahlhieben über 0,3 ha Größe (ausgenommen Saum- und Femelhiebe) und das Umbrechen von Waldboden,
  • das Wiederaufforsten mit im Naturraum nicht von Natur aus heimischen oder standortgerechten Baumarten,
  • die Wildfütterung,
  • das Einbringen von Bäumen, Sträuchern oder sonstigen Pflanzen.

Für die naturschutzgerechte Bewirtschaftung gesetzlich geschützter Biotope können unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Zuwendungen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes über das Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) der Stadt Bielefeld beantragt werden.

Auskunft hierzu erteilen
Dietmar Althaus, Tel. 0521 51-33 13 und
Egbert Worms, Tel. 0521 51-29 62 sowie
Katrin Köppe, Tel. 0521 51-65 43 und
Christina Rebbe, Tel. 0521 51-85 34.

Landwirte können sich auch bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Kreisstelle Herford - Bielefeld, Ravensberger Straße 6 in 32051 Herford über die Fördermöglichkeiten bei der Bewirtschaftung informieren und beraten lassen.


Kontakt

Umweltamt
August-Bebel-Str. 75 – 77
Zimmer 125
Silvia Iserlohn-Grafen
Tel. 0521 51-3771
E-MailE-Mail

Guido Großmann
Tel. 0521 51-6905
E-MailE-Mail