Statement von OB Clausen

13.08.2020
Hallo und guten Tag,

heute habe ich mich im Bielefelder Stadtwald auf den neuesten Stand der Dinge bringen lassen. Die Förster Herr Busche und Herr Linnemann haben mich herumgeführt und mir die Zusammenhänge noch einmal erklärt.

Und das Ergebnis ist bedrückend. Es ist schlimm.
Wir wussten schon vor einem Jahr, es steht schlecht um die Fichte. Und heute weiß ich, die Fichte hat keine Zukunft mehr im Bielefelder Stadtwald. Sie wird komplett absterben. Das macht alleine rd. 150 ha.

Noch bedrückender ist, dass das auch Auswirkungen auf die Perspektiven anderer Baumarten in unserem Wald hat. Wenn die Fichte an einer Stelle wegbricht, dann ist plötzlich der Sonnenschutz für die benachbarten Bäume nicht mehr da und die bekommen einen Sonnenbrand. Das kann der Buche passieren und schon ist die Buche an dieser Stelle bedroht. Oder der Borkenkäfer, der uns so viel Ärger macht bei der Fichte, der wird sich irgendwann bei der Fichte nicht mehr sattfressen können, der geht dann rüber zur Kiefer.
So merkt man, dass der Wald wie ein Mobilé ist: wenn man an einer Stelle zieht, dann hat das Auswirkungen an ganz vielen Stellen und unterm Strich ist der ganze Bielefelder Wald in Gefahr.
Darum müssen wir uns kümmern, das müssen wir ernst nehmen und daran arbeiten!

Schon vor einem Jahr habe ich eine Spendenaktion ins Leben gerufen und Sie alle eingeladen und aufgefordert, uns zu helfen. Rettet den Bielefelder Stadtwald, ein Stück Wald für Bielefeld. Viele von Ihnen haben mitgemacht, danke dafür! Es gab ein ganz tolles Spendenaufkommen von rd. 160.000 €. Damit konnten wir rd. 20.000 neue junge Bäume anpflanzen. Das ist ein guter erster Schritt. Sie können aber auch weiter spenden auf das Konto 26 bei der Sparkasse Bielefeld, Verwendungszweck „Stadtwald”!

Wir müssen uns jetzt aber auch akut und aktuell um die Verkehrssicherungspflicht kümmern. Denn es ist nicht mehr ganz ungefährlich im Bielefelder Stadtwald.

Und darum habe ich in Absprache mit der Leitung des Umweltbetriebs entschieden, dass wir die Ressourcen hier mehr als verdoppeln. Wir haben in den letzten Jahren rund 270.000 Euro jährlich zur Verfügung gestellt. Wir wollen jetzt eine zusätzliche Forstwirtschaftskolonne auf den Weg bringen, wir wollen zusätzlich Aufträge an Drittfirmen vergeben, damit niemand hier Gefahr läuft, im Bielefelder Stadtwald um sein Leib oder Leben fürchten zu müssen. Die Verkehrssicherungspflicht steht ganz oben. Und wir werden auch bald ein Gutachten auf den Tisch bekommen - das ist schon in Auftrag gegeben -, wie wir konzeptionell den Bielefelder Wald angehen wollen und bearbeiten. Absehbar ist, auch hier werden wir zusätzliche Ressourcen zur Verfügung stellen müssen. Das wird der nächste Rat zu entscheiden haben, ich nehme an, Anfang des Jahres 2021.

Ich fordere alle auf, das Thema ernst zu nehmen und sich dieses Themas anzunehmen. Wenn wir das alle ernst nehmen und wenn uns der Wald wichtig ist, für unsere Lebensqualität, dann haben wir auch eine Chance, dem Bielefelder Stadtwald gemeinsam eine Zukunft zu geben.