Planungsprozess altstadt.raum: Am Klosterplatz geht es weiter

Stadtwerke Bielefeld erneuern zuerst Versorgungsleitungen

| Bielefeld (bi)

Der Klosterplatz soll im Zuge des Großprojekts altstadt.raum umgestaltet werden. Schon Ende 2027 soll der Umbau abgeschlossen sein, daher starten vorlaufende Leitungsarbeiten der Stadtwerke Bielefeld bereits ab Januar 2026. Sie dienen der Modernisierung der Versorgungsleitungen im Untergrund, bevor anschließend der Platz neugestaltet wird. Grundlage für die Neugestaltung sind Entwürfen einer Planungsbüro-Gemeinschaft, die im Frühjahr 2026 vorliegen und politisch beschlossen werden sollen.

Klosterplatz ist vielfältiger und beliebter Treffpunkt

Klar ist, dass die Planungsüberlegungen, die Ansätze zur Verkehrsführung sowie die Qualitätskriterien für den Ideenwettbewerb altstadt.raum aus 2023 auch für die Klosterplatz-Umgestaltung gelten. Der Klosterplatz ist Schulhof und gleichzeitig ein beliebter Treffpunkt der Stadtgesellschaft in der Außengastronomie, beim Flohmarkt, Leineweber- oder Weihnachtsmarkt oder beim öffentlichen Gottesdienst. „Wir wollen den ganz besonderen Charakter des schönen Platzes mit Kirche und Kloster mit der engen Verbindung zur Altstadt hervorheben“, betont Verkehrsdezernent Martin Adamski. „Gleichzeitig machen wir den Klosterplatz mit Blick auf die Klimaanpassung fit für die Zukunft. Wir setzen zum Beispiel auf weitere Begrünung und neue Möglichkeiten zur Versickerung von Regenwasser. Auch das Thema Wasser auf dem Platz könnte ein Aspekt sein.“ 

Rahmenbedingungen für die Neugestaltung

Als Grundlage für die Planung gelten verschiedene Rahmenbedingungen und Anforderungen, die aus der vielfältigen Nutzung des Platzes hervorgehen. Berücksichtigt werden soll die Nutzung des Klosterplatzes als Schulhof, aber auch als Außenflächen für die am Klosterplatz ansässigen gastronomischen Betriebe. Gleichzeitig sollen auch konsumfreier Sitzbereiche auf dem Platz geschaffen werden, die zum Gespräch und zum Verweilen einladen. Von der Hagenbruchstraße zur Klosterstraße und Ritterstraße soll eine Fahrradachse geschaffen werden, zusätzlich müssen gesetzliche Vorgaben etwa zur Barrierefreiheit und zur Terrorabwehr bei öffentlichen Veranstaltungen eingehalten werden. Auch die kirchlichen Nutzung, etwa für Gottesdienste auf dem Platz, soll weiterhin erfolgen.
 

Vorbereitende Maßnahmen: Stadtwerke modernisieren vorab Infrastruktur 

Die Stadtwerke Bielefeld beginnen im Januar 2026 mit umfangreichen Leitungsarbeiten am Klosterplatz. Diese Arbeiten sind die Voraussetzung für die anschließende Neugestaltung des Platzes und stellen sicher, dass in den kommenden Jahrzehnten keine weiteren planmäßigen Eingriffe in die Infrastruktur erforderlich werden. Geplant sind die Erneuerung und Verlegung von Gas-, Wasser- und Stromleitungen auf einer Gesamtlänge von rund 620 Metern. 

Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich etwa zehn Monate – von Mitte Januar bis Oktober 2026. Die Arbeiten erfolgen fortlaufend in zwei Baufeldern rings um den Platz. Für die Baustelleneinrichtung wird zusätzlich eine Fläche für Maschinen, Materialien und Schüttgüter benötigt, um einen effizienten Bauablauf zu gewährleisten.

Die betroffenen Leitungen liegen überwiegend nahe an den Gebäuden. „Das bedeutet, dass die Außengastronomie, die Geschäfte und Bewohnerinnen und Bewohner von den Bauarbeiten betroffen sein werden. Den Projektverantwortlichen ist eine verlässliche Kommunikation mit allen Beteiligten wichtig, deswegen wird es auch in dem Bereich individuelle Abstimmungen geben“, Dr. Nils Neusel-Lange, Geschäftsbereichsleiter Netze und Infrastruktur bei den Stadtwerken. „Einige Behinderungen werden jedoch unumgänglich sein, wir werden sie aber so kurz wie möglich halten.“

Unvorhersehbare Verzögerungen durch Schlechtwetter oder zusätzliche archäologische Funde können bei Baumaßnahmen in der Altstadt nicht ausgeschlossen werden. Zur Sicherung des vorhandenen Baumbestandes werden die Tiefbauarbeiten im Wurzelbereich sehr schonend mittels Handschachtung oder Saugbaggerverfahren durchgeführt. Dr. Nils Neusel Lange erklärt: „Das Vorgehen ist zeit- und kostenintensiv. Besonders achtsam werden die Bauarbeiten auch deshalb ablaufen, weil der Platz als Aufenthaltsbereich der Klosterschule genutzt wird.“

Verkehrsführung und Veranstaltungen

Während der Bauphase wird es zu Einschränkungen im Straßenraum kommen. Je nach Lage der Baufelder sind mindestens halbseitige Sperrungen notwendig. „Wir stimmen den Bauablauf eng mit den Verantwortlichen für öffentliche Veranstaltungen, den Anliegern und nicht zuletzt auch der Klosterschule ab, um Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten. Veranstaltungen auf dem Klosterplatz sollen im Jahr 2026 nach Möglichkeit weiterhin stattfinden können, zum Teil aber mit Einschränkungen“, betont Olaf Lewald, Amtsleiter im Amt für Verkehr.

Zum Hintergrund

Im Anschluss an die Maßnahmen der Stadtwerke werden die Arbeiten zum Umbau beginnen. Die Zeit drängt, da die beantragten Fördermittel vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen fristgerecht bis Ende 2027 verbaut werden müssen. Im Sommer und Herbst 2025 fanden etliche Beteiligungsveranstaltungen mit Eigentümerinnen und Eigentümern sowie Anwohnenden, der Klosterschule, der Kirchengemeinde St. Jodokus und den Gewerbetreibenden statt, um die Anforderungen der verschiedenen Nutzergruppen genauestens zu definieren und daraus die Grundlagen für die Planung abzuleiten.

Vergabe des Planungsauftrags

Den Planungsauftrag für die Gestaltung des Klosterplatzes hat die Stadt Bielefeld europaweit ausgeschrieben und im November 2025 erteilt. Die Bietergemeinschaft pbh Planungsbüro Hahm GmbH (Osnabrück) und SWUP GmbH (Berlin) erhielt den Zuschlag. Die beiden Büros haben bereits mehrfach erfolgreich zusammengearbeitet, insbesondere in Projekten mit blau/grüner Infrastruktur mit den Bereichen Versickerung, Regenwasser-Management, Verschattung und Begrünung.